abgeschmackt

Abgeschmackt: Als geistlos, fade oder geschmacklos empfunden und deshalb abstoßend wirkend; ein gehobenes, heute veraltetes Wort.

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Eine deutliche Abwertung von Ausdruck oder Verhalten

Abgeschmackt bezeichnet etwas als unangenehm geistlos, fade oder geschmacklos. Häufig richtet sich die Wertung auf Redensarten, Witze, Komplimente oder eine Art des Auftretens. Der Ausdruck sagt nicht nur, dass etwas missfällt; er unterstellt einen Mangel an Geist oder angemessenem Geschmack.

Das Wort gehört zu einer gehobenen, heute veralteten Ausdrucksweise. In älteren Texten kann seine Schärfe leicht übersehen werden, weil es auf den ersten Blick nur ungewohnt klingt. Wer einen Ausspruch abgeschmackt nennt, äußert in der Regel deutliche Ablehnung.

Nicht verwechseln: Abgeschmeckt bezieht sich beim Kochen auf die geschmackliche Prüfung und Würzung. Abgeschmackt ist die wertende Bezeichnung mit a. Eine gut abgeschmeckte Suppe ist deshalb keineswegs eine abgeschmackte Suppe.

Eigene Beispiele und ihre Aussage

  • „Die Erzählerin empfindet seine ständig wiederholten Komplimente als abgeschmackt.“ Kritisiert wird ihre als geistlos oder unangemessen empfundene Art, nicht jede freundliche Äußerung an sich.
  • „Der Witz wirkt in der ernsten Situation abgeschmackt.“ Die Unangemessenheit des Zusammenhangs trägt zur negativen Bewertung bei.
  • „Er weist die abgeschmackte Redensart zurück.“ Der Satz urteilt über eine Formulierung. Warum sie geistlos oder geschmacklos sein soll, muss eine gute Analyse zusätzlich erklären.

Eine einfache, leicht verständliche Aussage ist nicht schon deshalb abgeschmackt. Auch Wiederholung allein reicht nicht immer: Sie kann zur Betonung dienen. Entscheidend ist, weshalb der Ausdruck im konkreten Zusammenhang als leer, unpassend oder unangenehm erscheint.

Synonyme für abgeschmackt: passend zum Zusammenhang

Abgeschmackt ist eine deutlich ablehnende, heute altertümlich wirkende Wertung. Eine zeitgemäße Alternative sollte erklären, was genau missfällt: die gedankliche Leere, die mangelnde Originalität oder ein unangemessener Umgang mit dem Anlass. Die Wörter benennen unterschiedliche Gründe für das negative Urteil.

Welches Wort passt zu welcher Aussage?
AlternativePassend beiUnterschied
geistlosEinem gedankenarmen AusspruchKritisiert den fehlenden Gehalt oder Einfall.
geschmacklosEinem unpassenden, verletzenden ScherzBetont die verletzte Angemessenheit.
abgedroschenEiner übermäßig oft benutzten WendungErklärt den Eindruck durch Wiederholung und Abnutzung.
fadeEinem wenig anregenden AusdruckBleibt in der Kritik meist schwächer und weniger scharf.

Eigene Sprachbeispiele: Die Erläuterungen zeigen, was sich beim Ersetzen verändert.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Sie wies das abgeschmackte Kompliment zurück.“

Alternative: „Sie wies das geistlose Kompliment zurück.“

Die zweite Fassung erklärt die Ablehnung genauer als Urteil über fehlenden gedanklichen Gehalt. Dass das Kompliment absichtlich verletzen sollte, ist dadurch noch nicht gesagt.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „In dieser Situation wirkt der Witz abgeschmackt.“

Alternative: „In dieser Situation wirkt der Witz geschmacklos.“

Die Alternative passt, wenn etwa über die Not eines Anwesenden gescherzt wird. Bei einem bloß oft gehörten Wortspiel wäre abgedroschen genauer als geschmacklos.

Hier passt der Austausch nicht: Eine abgeschmeckte Suppe ist keine abgeschmackte Suppe. Das erste Wort gehört zum Prüfen und Abstimmen des Geschmacks. Der Austausch mit geistlos oder geschmacklos würde die Aussage über die Zubereitung aufgeben.

Wer eine Figur abgeschmackt sprechen lässt, kann auch ihren altertümlichen Ton gestalten. Ersetzt du das Wort in einem Zitat, veränderst du die Vorlage; erläutere es dort lieber außerhalb des Zitats. In eigenen Gebrauchstexten ist eine konkrete moderne Wertung oft leichter verständlich.

Weitere Abgrenzungen: Albern, geschmacklos und geistlos

Albern kann kindlich oder spielerisch sein und muss nicht so deutlich ablehnend wirken. Geistlos betont fehlenden Einfallsreichtum oder gedanklichen Gehalt. Geschmacklos hebt hervor, dass eine Äußerung als unangemessen oder verletzend empfunden wird.

Abgeschmackt kann mehrere dieser Eindrücke verbinden. Welche Seite überwiegt, ergibt sich aus dem Text. Bei einem mechanischen Kompliment kann die Leere wichtig sein; bei einem Witz über eine ernste Notlage die Unangemessenheit.

Für heutige Gebrauchstexte ist häufig eine genauere Beschreibung besser als das altertümliche Gesamturteil. Schreibe beispielsweise, dass eine Wendung nur schmeichelt, keinen Bezug zur Situation hat oder eine betroffene Person herabsetzt. So wird die Kritik nachvollziehbar.

Grammatik und Schreibweise

Abgeschmackt ist ein Adjektiv und wird mit a in -schmackt geschrieben. Es darf nicht mit dem Partizip abgeschmeckt vertauscht werden. Vor Nomen wird es gebeugt: ein abgeschmackter Scherz, die abgeschmackte Bemerkung. Nach wirken und sein bleibt es unverändert. Die Tabellen zeigen die Formen der Wertung, nicht die des Kochverbs.

Steigerung

Die Vergleichsformen sind abgeschmackter und am abgeschmacktesten. Sie steigern die negative Bewertung. Da schon die Grundform deutlich urteilt, sollte ein Vergleich seinen Anlass nennen. „Der zweite Scherz wirkt noch unangemessener, weil er die betroffene Person ausdrücklich verspottet“ erklärt mehr als ein bloßer Superlativ.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die gebeugten Formen vor einem Nomen. Die passende Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Die Pluralformen der gemischten Beugung stehen beispielsweise nach keine oder meine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativabgeschmackterabgeschmackteabgeschmacktesabgeschmackte
Genitivabgeschmacktenabgeschmackterabgeschmacktenabgeschmackter
Dativabgeschmacktemabgeschmackterabgeschmacktemabgeschmackten
Akkusativabgeschmacktenabgeschmackteabgeschmacktesabgeschmackte
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativabgeschmackteabgeschmackteabgeschmackteabgeschmackten
Genitivabgeschmacktenabgeschmacktenabgeschmacktenabgeschmackten
Dativabgeschmacktenabgeschmacktenabgeschmacktenabgeschmackten
Akkusativabgeschmacktenabgeschmackteabgeschmackteabgeschmackten
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativabgeschmackterabgeschmackteabgeschmacktesabgeschmackten
Genitivabgeschmacktenabgeschmacktenabgeschmacktenabgeschmackten
Dativabgeschmacktenabgeschmacktenabgeschmacktenabgeschmackten
Akkusativabgeschmacktenabgeschmackteabgeschmacktesabgeschmackten

Warum sich die Endungen ändern, erklärt der Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Wirkung einer Bemerkung erklären

Erfundene Szene: Nach einer misslungenen Aufführung spricht eine Figur mit der enttäuschten Hauptdarstellerin. Statt auf ihre konkrete Sorge einzugehen, wiederholt sie lachend dieselbe hohle Redensart, die sie bereits mehrfach benutzt hat.

Die Bemerkung wirkt abgeschmackt, weil sie in dieser ernsten Situation weder Trost noch eine sachliche Rückmeldung bietet. Ihre mechanische Wiederholung verstärkt den Eindruck, dass die Figur auf die Enttäuschung der Darstellerin nicht eingeht. Die Wortwahl kann deshalb als geistlos und unpassend beschrieben werden.

Die Analyse nennt den Zusammenhang und die Wirkung. Sie beweist damit noch nicht, dass die Figur absichtlich verletzen wollte. Vielleicht ist sie unsicher oder findet keine besseren Worte; dafür wären allerdings ebenfalls zusätzliche Hinweise erforderlich.

Merke: Eine Äußerung darf kritisch bewertet werden, ohne daraus sofort eine vollständige Erklärung der Absicht oder des Charakters abzuleiten.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche und Wortauswahl.