abwesend
Abwesend: Nicht anwesend; übertragen: mit den Gedanken anderswo und wenig auf die gegenwärtige Situation gerichtet.
Was bedeutet abwesend?
Abwesend hat zwei deutlich zu unterscheidende Bedeutungen. Wörtlich ist jemand nicht dort, wo seine Anwesenheit erwartet wird. Übertragen kann eine körperlich anwesende Person abwesend wirken, weil sie gedanklich nicht bei der Sache ist. In einer Charakterisierung ist meist diese zweite Bedeutung gemeint. Ein abwesender Blick oder ein verzögertes Antworten können darauf hindeuten. Die Ursache bleibt dabei offen: Grübeln, Müdigkeit, eine Erinnerung oder etwas anderes kommen als Deutung erst infrage, wenn der Text entsprechende Hinweise liefert.
Drei Beispiele für abwesend
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Die Vorsitzende war bei der Sitzung abwesend und erhielt das Protokoll später.“
Das Wort bezeichnet hier nur den Aufenthalts- beziehungsweise Anwesenheitsstatus. Der Satz macht keine Aussage über Aufmerksamkeit oder Persönlichkeit.
„Obwohl Paul neben ihr saß, antwortete er abwesend und fragte kurz darauf noch einmal nach ihrem Namen.“
Der Gegensatz zur körperlichen Anwesenheit zeigt den übertragenen Gebrauch. Die wiederholte Frage liefert einen konkreten Hinweis auf fehlende Aufmerksamkeit.
„Während der Erzählung wurde ihr Blick abwesend, als erinnere sie sich an einen anderen Ort.“
Als erinnere sie sich markiert eine Deutung. Der Satz lässt offen, ob tatsächlich eine Erinnerung oder ein anderer Gedanke vorliegt.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Unaufmerksam
- Unaufmerksamkeit ist weiter gefasst und kann auch durch Ablenkung von außen entstehen. Abwesend legt besonders nahe, dass jemand gedanklich anderswo ist.
- Gleichgültig
- Gleichgültigkeit betrifft die Bedeutung, die jemand einer Sache beimisst. Eine abwesend wirkende Person kann sehr betroffen sein und gerade deshalb in Gedanken versinken.
Schreibung und Grammatik
Das Adjektiv lautet abwesend und endet auf d. Formen sind ein abwesender Teilnehmer, eine abwesende Person und ein abwesendes Lächeln. In der wörtlichen Bedeutung bildet anwesend den Gegensatz. Beim gedanklichen Eindruck ist abwesender möglich, etwa Sie wirkte noch abwesender als zuvor. Die reine Nichtanwesenheit wird gewöhnlich nicht gesteigert. Substantiviert schreibt man die Abwesenden groß.
Die allgemeinen Regeln zur Beugung und Verwendung erklärt die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Duden nennt für abwesend eine Herkunft aus dem Niederdeutschen und die Verwendung für lateinisch absens. Die heutige Wortfamilie umfasst Abwesenheit und anwesend. Der Gegensatz zu anwesend ist räumlich verständlich; gedanklich abwesend ist die übertragene Verwendung.
Verwendung in einer Charakterisierung
In einer Charakterisierung sollte zuerst klar sein, welche Bedeutung gemeint ist. Eigene Musterformulierung: Paul wirkt während des Gesprächs abwesend, weil er auf direkte Fragen verzögert reagiert und bereits genannte Informationen erneut erfragt. Das beschreibt beobachtbares Verhalten. Für die Behauptung, er interessiere sich nicht für sein Gegenüber, wären zusätzliche Belege nötig. Vergleiche seine Reaktion auch mit anderen Szenen, bevor aus einem kurzen Moment eine wiederkehrende Eigenart abgeleitet wird.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, zeigt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Wörterbuchangaben geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
