annehmend
Annehmend ist das Partizip I von annehmen. Je nach Zusammenhang bedeutet es etwa akzeptierend, entgegennehmend oder voraussetzend. Als Beschreibung einer Haltung meint es häufig, dass jemand einem Menschen oder einer Erfahrung ohne unmittelbare Zurückweisung begegnet.
Was bedeutet annehmend?
Die Form hat keine einzige, überall passende Charakterbedeutung. ‚Eine Hilfe annehmend‘ beschreibt das Akzeptieren eines Angebots. ‚Einen Fehler als Ursache annehmend‘ bezeichnet eine Vermutung. Erst die Ergänzung macht deutlich, welche Bedeutung des Verbs vorliegt.
Bei einer ‚annehmenden Haltung‘ ist gewöhnlich die akzeptierende Lesart gemeint. Sie sollte im Text erklärt werden: Wird ein Mensch trotz einer schwierigen Vorgeschichte aufgenommen? Wird eine unangenehme Tatsache anerkannt? Aus dem Wort allein lässt sich weder eine bestimmte pädagogische Methode noch eine fest umrissene psychologische Eigenschaft ableiten.
Beispiele für annehmend
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Mit einer annehmenden Haltung hörte die Mutter den Bericht an, ohne die Gefühle ihres Sohnes sofort zu bewerten.“
Die nachfolgende Beschreibung konkretisiert, was mit annehmend in diesem Satz gemeint ist.
„Die Entschuldigung annehmend, bot der Gastgeber seinem Besucher erneut einen Platz am Tisch an.“
Hier liegt eine Partizipgruppe vor, die eine gleichzeitige Handlung beschreibt; es geht nicht um einen dauerhaften Charakterzug.
„Einen technischen Defekt annehmend, prüfte Jana zuerst die Kabel.“
Annehmend bedeutet hier vermutend. Diese Lesart ist von emotionaler Akzeptanz deutlich zu unterscheiden.
Ähnliche Wörter und Unterschiede
- Akzeptierend
- Ist für die bejahende oder nicht zurückweisende Haltung häufig eindeutiger. Es vermeidet die Verwechslung mit annehmen im Sinn von vermuten.
- Einnehmend
- Bezeichnet eine gewinnende, sympathische Wirkung. Trotz der ähnlichen Schreibung ist eine einnehmende Person nicht dasselbe wie eine annehmende Haltung.
- Zustimmend
- Bezieht sich auf das Einverständnis mit einer Aussage oder Entscheidung. Einen Menschen anzunehmen bedeutet nicht, jede seiner Handlungen gutzuheißen.
Annehmend in einer Charakterisierung
In einer Charakterisierung ist eine konkrete Umschreibung oft klarer als das alleinstehende Wort. Benenne, was die Figur annimmt und was sie weiterhin ablehnt. Die Annahme einer Entschuldigung belegt beispielsweise einen Umgang mit diesem Konflikt, noch keine umfassende Offenheit gegenüber allem.
Die Figur begegnet dem Rückkehrer annehmend: Sie lässt ihn seine Geschichte erzählen und gewährt ihm Unterkunft, obwohl sie sein früheres Verhalten weiterhin kritisiert.
Eigene Musterformulierung für eine erfundene Szene. Für einen literarischen Text muss die Aussage an einer passenden Textstelle belegt werden.
Herkunft und Wortbildung
Die Form wird regelmäßig aus dem Infinitiv annehmen und -d gebildet. Duden weist annehmend ausdrücklich als Partizip I aus. Es handelt sich daher zunächst um eine Verbform; die nähere Beschreibung einer Haltung ist eine Verwendung dieser Form im Satz.
Schreibung und Grammatik
Geschrieben wird annehmend mit zwei aufeinanderfolgenden n am Anfang und einem Dehnungs-h. Das Partizip II lautet angenommen. Bei einer konkreten Handlung ist eine Steigerung meist unpassend; für stärkere Akzeptanz ist ‚offener‘ oder ‚weniger zurückweisend‘ häufig verständlicher.
Gebeugte Formen sind beispielsweise annehmender, annehmende und annehmendes. Die passende Endung hängt unter anderem von Fall, Geschlecht und Begleitwort des Nomens ab. Näheres erklärt die Übersicht zu Adjektiven.
Quellen und weiterführende Seiten
- Duden: annehmen – Bedeutungen des zugrunde liegenden Verbs.
- Duden: Konjugation von annehmen – Beleg der Form annehmend als Partizip I.
Annehmend in der Übersicht der Charaktereigenschaften · Eine Charakterisierung schreiben
