anwesend
Anwesend bedeutet zunächst, dass jemand bei einem bestimmten Anlass oder an einem Ort zugegen ist. Es beschreibt eine Situation, gewöhnlich keine Charaktereigenschaft. Übertragen kann es auch auf geistige Aufmerksamkeit bezogen werden.
Was bedeutet anwesend?
Wer bei einer Besprechung anwesend ist, nimmt räumlich oder im vorgesehenen Teilnahmeformat daran teil. Daraus folgt noch nicht, dass die Person aufmerksam zuhört, dem Gesagten zustimmt oder sich aktiv beteiligt. Anwesenheit und inhaltliche Mitwirkung sind verschiedene Aussagen.
In Wendungen wie ‚geistig anwesend‘ verschiebt sich der Bezug auf die Aufmerksamkeit. Die scherzhafte Bemerkung, jemand sei ‚nicht ganz anwesend‘, kann Geistesabwesenheit meinen. In einer sachlichen Beschreibung ist eine genaue Formulierung oft hilfreicher: Hat die Person die Frage gehört, den Zusammenhang verstanden oder nur im Raum gesessen?
Beispiele für anwesend
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Bei der Abstimmung waren alle fünf Mitglieder anwesend, doch eines enthielt sich.“
Anwesenheit beschreibt hier die Teilnahme am Anlass und noch keine Zustimmung zum Vorschlag.
„Lea war zwar im Zimmer anwesend, folgte dem Gespräch aber kaum.“
Das Beispiel trennt den körperlichen Aufenthalt von der Aufmerksamkeit.
„Nach einer kurzen Pause wirkte der zuvor zerstreute Zuhörer wieder geistig anwesend und stellte eine passende Rückfrage.“
Die übertragene Verwendung wird durch eine beobachtbare Reaktion verdeutlicht.
Ähnliche Wörter und Unterschiede
- Aufmerksam
- Bezeichnet gerichtete Wahrnehmung und Zuwendung. Eine anwesende Person kann aufmerksam sein, muss es aber nicht.
- Gegenwärtig
- Kann ähnlich ‚zugegen‘ bedeuten, bezeichnet aber auch die jetzige Zeit oder etwas, das man im Bewusstsein hat. Der Satz entscheidet über die passende Lesart.
- Zuverlässig
- Ist ein Charakterurteil über verlässliches Handeln. Regelmäßige Anwesenheit kann dazu beitragen, reicht allein aber nicht als vollständiger Nachweis.
Anwesend in einer Charakterisierung
In einer Charakterisierung sollte anwesend nur dann als persönliche Qualität gedeutet werden, wenn der Text mehr als räumliche Präsenz zeigt. Bleibt eine Figur in einer schwierigen Situation bei einer anderen, kann dies etwa Verbundenheit ausdrücken; diese Deutung braucht das konkrete Verhalten und den Zusammenhang.
Die Figur ist bei der Auseinandersetzung anwesend, greift jedoch nicht ein. Ihr Schweigen ist deshalb als beobachtbares Verhalten zu untersuchen, statt ihre bloße Anwesenheit bereits als Zustimmung zu deuten.
Eigene Musterformulierung für eine erfundene Szene. Für einen literarischen Text muss die Aussage an einer passenden Textstelle belegt werden.
Herkunft und Wortbildung
Duden führt anwesend auf ältere Formen von anwes(en) zurück und nennt die Nachbildung des lateinischen adesse. Der Bedeutungsbezug liegt beim Dabeisein. Das heute gebräuchliche Substantiv zur Orts- oder Teilnahmeangabe lautet Anwesenheit.
Schreibung und Grammatik
Übliche Formen sind ein anwesender Gast, die anwesenden Mitglieder und bei der Sitzung anwesend sein. Substantiviert wird großgeschrieben: die Anwesenden. In der wörtlichen Bedeutung ist eine Steigerung normalerweise nicht sinnvoll; jemand ist zugegen oder nicht. Zur Beugung siehe Adjektive.
Quellen und weiterführende Seiten
- Duden: anwesend – Bedeutung, Schreibung und im Eintrag erläuterte Herkunft.
Anwesend in der Übersicht der Charaktereigenschaften · Eine Charakterisierung schreiben
