artig
Artig beschreibt heute vor allem ein Kind, das sich den Erwartungen der Erwachsenen entsprechend verhält. In älteren oder gehobenen Texten kann das Wort auch höflich, galant oder gefällig bedeuten.
Was bedeutet artig?
Ein artiges Kind befolgt in einem konkreten Zusammenhang beispielsweise eine Bitte, wartet ruhig oder hält vereinbarte Regeln ein. Das Wort enthält damit einen Bewertungsmaßstab: Erwachsene beurteilen, ob das Verhalten ihren Erwartungen entspricht. Es ist keine umfassende Aussage über den Wert oder alle Eigenschaften des Kindes.
Bei Erwachsenen kann ‚artig‘ scherzhaft, ironisch oder herablassend wirken. Eine ‚artige Verbeugung‘ kann in älteren Texten hingegen schlicht eine höfliche Geste bezeichnen. Die ebenfalls ältere Bedeutung eines netten oder reizvollen Aussehens sollte nicht mit kindlichem Gehorsam verwechselt werden.
Beispiele für artig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Während die Ärztin mit seinem Vater sprach, wartete das Kind artig und blätterte leise in einem Buch.“
Das Wort bewertet sein Verhalten nach einer konkreten Erwartung in dieser Situation.
„Der Besucher bedankte sich mit einer artigen Verbeugung bei der Gastgeberin.“
In dieser gehoben wirkenden Formulierung bedeutet artig höflich; der Besucher wird nicht als gehorsames Kind beschrieben.
„‚Nun seien Sie einmal artig‘, sagte der Vorsitzende zu seinem erwachsenen Kollegen.“
Die Wortwahl kann hier bevormundend oder ironisch wirken. Der Ton ist Teil der Aussage.
Ähnliche Wörter und Unterschiede
- Gehorsam
- Betont das Befolgen einer Anweisung. Artig kann darüber hinaus ein allgemein erwartungsgemäßes Benehmen bezeichnen.
- Höflich
- Beschreibt respektvolle Umgangsformen und eignet sich auch ohne besondere Nebenwirkung für Erwachsene. Es deckt eine ältere Lesart von artig ab.
- Anständig
- Kann ein weitergehendes Urteil über Ehrlichkeit, Fairness oder Moral ausdrücken. Artiges Verhalten nach einer Regel beweist solche Eigenschaften noch nicht.
Artig in einer Charakterisierung
In einer Charakterisierung muss der jeweilige Maßstab benannt werden. Wer nennt das Kind artig, und welches Verhalten wird gelobt? Eine Erzählerin kann damit Zufriedenheit ausdrücken; eine andere Textstelle kann zeigen, dass das Kind seine eigenen Wünsche nur aus Angst verschweigt.
Die Tante bezeichnet das Kind als artig, weil es ihre Anweisungen ohne Widerspruch befolgt. Die anschließende Innensicht zeigt jedoch seinen Unmut, sodass das äußere Benehmen von seinen Gefühlen zu unterscheiden ist.
Eigene Musterformulierung für eine erfundene Szene. Für einen literarischen Text muss die Aussage an einer passenden Textstelle belegt werden.
Herkunft und Wortbildung
Duden führt artig auf mittelhochdeutsch ertec zurück und ordnet es der Wortfamilie von Art zu. Die ältere Bedeutung bezog sich auf eine als gut angesehene Beschaffenheit. Die heutige Beurteilung kindlichen Benehmens ist daher nicht die einzige Lesart des Wortes.
Schreibung und Grammatik
Die Steigerung lautet artiger, am artigsten. Das Gegenwort ist häufig unartig. Zu unterscheiden ist das selbstständige Adjektiv von -artig in Bildungen wie kindartig: Dort drückt das Wortbildungselement eine Ähnlichkeit aus.
Gebeugte Formen sind beispielsweise artiger, artige und artiges. Die passende Endung hängt unter anderem von Fall, Geschlecht und Begleitwort des Nomens ab. Näheres erklärt die Übersicht zu Adjektiven.
Quellen und weiterführende Seiten
- Duden: artig – Bedeutung, Schreibung und im Eintrag erläuterte Herkunft.
Artig in der Übersicht der Charaktereigenschaften · Eine Charakterisierung schreiben
