beneidenswert

Beneidenswert: So vorteilhaft, angenehm oder erstrebenswert, dass andere es gern ebenso hätten.

Was bedeutet beneidenswert?

Beneidenswert drückt aus, dass jemand eine Lage, Fähigkeit oder Eigenschaft als besonders wünschenswert ansieht. Ein Mensch kann wegen seiner freien Zeit, seiner Gelassenheit oder einer günstigen Gelegenheit beneidenswert erscheinen. Das Wort beschreibt damit vor allem eine Einschätzung von außen. Es sagt nicht notwendig, wie die bezeichnete Person sich selbst fühlt oder wie ihre Lage in allen Einzelheiten beschaffen ist.

Nicht jede Verwendung setzt missgünstigen Neid voraus. Oft funktioniert beneidenswert als anerkennendes Lob: Man würde eine Fähigkeit gern selbst besitzen, ohne sie dem anderen zu missgönnen. Ebenso kann die Wendung nicht beneidenswert Mitgefühl mit einer schwierigen Lage ausdrücken. Als vermeintliche Charaktereigenschaft ist das Wort deshalb ungenau. Treffender wird eine Beschreibung, wenn sie erklärt, welche konkrete Eigenschaft oder Lebenssituation als erstrebenswert betrachtet wird.

Drei Beispiele für beneidenswert

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Mara bewahrte im Durcheinander eine beneidenswerte Gelassenheit und sortierte zunächst die wichtigsten Aufgaben.“

Bewundert wird eine bestimmte Fähigkeit im Umgang mit der Situation. Die Formulierung behauptet weder, dass Mara nie unter Druck gerät, noch dass ihre gesamte Lebenslage günstig ist.

„Von außen sah seine berufliche Freiheit beneidenswert aus; die unsicheren Einnahmen bemerkten seine Freunde kaum.“

Der zweite Satzteil begrenzt die erste Einschätzung. Das Beispiel zeigt, wie sehr die Bewertung von dem abhängt, was Außenstehende überhaupt wahrnehmen.

„Zwischen den beiden zerstrittenen Familien vermitteln zu müssen, war keine beneidenswerte Aufgabe.“

Die Verneinung vermittelt Verständnis für eine schwierige Situation. Sie meint nicht, dass die betreffende Person neidisch ist oder selbst einen Vorteil begehrt.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Neidisch
Bezeichnet das Empfinden oder die Haltung der Person, die etwas bei anderen begehrt. Beneidenswert beschreibt dagegen das, worauf sich eine solche Einschätzung richten kann.
Bewundernswert
Hebt hervor, dass etwas Anerkennung verdient. Beneidenswert betont zusätzlich, dass man es gern selbst hätte oder ebenso erleben würde.
Glücklich
Kann einen inneren Zustand oder günstige Umstände bezeichnen. Wer von außen beneidenswert erscheint, muss sich nicht glücklich fühlen.

Schreibung und Grammatik

Die Schreibung lautet beneidenswert, mit der Verbindung -ens- vor wert. Formen sind ein beneidenswerter Erfolg, eine beneidenswerte Fähigkeit und ein beneidenswertes Talent. Die Steigerung lautet beneidenswerter, am beneidenswertesten, wird aber bei der Länge des Wortes sparsam verwendet. In beneidenswert ruhig bleibt die Form unverändert und bewertet das Ausmaß der Ruhe. Das Verb lautet beneiden.

Die Übersicht zu Adjektiven und ihrer Verwendung erläutert Beugung und Satzfunktionen.

Herkunft und Wortbildung

Die Wortbildung verbindet beneiden mit dem Bestandteil -wert und einem verbindenden s. Sie lässt sich sinngemäß als des Beneidens wert erklären. Vergleichbare Bildungen wie bewundernswert bewerten ebenfalls, wie eine Sache aus Sicht anderer eingeschätzt werden kann. Daraus folgt keine Aussage darüber, ob in einem konkreten Fall tatsächlich jemand Neid empfindet.

Verwendung in einer Charakterisierung

Nutze das Wort in einer Charakterisierung möglichst mit einer klar benannten Perspektive. Eigene Musterformulierung: Aus Sicht ihres Bruders besitzt Mara eine beneidenswerte Gelassenheit, denn selbst unter Zeitdruck setzt sie ruhig Prioritäten. Für Maras Charakter ist Gelassenheit die eigentliche Eigenschaft; beneidenswert zeigt die Bewertung des Bruders. Unterscheide deshalb die Figur selbst von der Sichtweise anderer Figuren oder des Erzählers. Eine scheinbar günstige Lage sollte nicht ohne Textbeleg zur inneren Zufriedenheit umgedeutet werden.

Wie du Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbindest, zeigt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Beneidenswert in der Übersicht der Charaktereigenschaften