dünnhäutig

Dünnhäutig: Wörtlich mit dünner Haut; übertragen leicht verletzbar oder empfindlich auf Kritik und Belastungen reagierend.

Was bedeutet dünnhäutig?

Dünnhäutig kann zunächst eine dünne Haut beschreiben. Auf das Erleben und Verhalten eines Menschen übertragen bedeutet es empfindlich oder leicht verletzbar. Eine Bemerkung, ein Einwand oder eine Belastung trifft die Person stärker, als ihr Gegenüber erwartet. Das Wort kann verständnisvoll gemeint sein, aber auch den Vorwurf enthalten, jemand reagiere zu empfindlich.

Ob eine Reaktion unangemessen ist, folgt nicht aus dem Wort allein. Ein scheinbar kleiner Anlass kann an frühere Erfahrungen anknüpfen; auch Erschöpfung oder eine angespannte Lage können im erzählten Zusammenhang eine Rolle spielen. Dünnhäutig benennt keine Diagnose und beweist keine dauerhafte Schwäche. Mit Zusätzen wie heute, in dieser Frage oder seit dem Streit lässt sich genauer sagen, auf welchen Bereich die Beobachtung begrenzt ist.

Beispiele für dünnhäutig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Nach der anstrengenden Woche reagierte Mina dünnhäutig auf die beiläufige Kritik an ihrem Entwurf.“

Der Satz beschreibt Empfindlichkeit in einer bestimmten Situation. Die zeitliche Einordnung verhindert, dass daraus ohne Weiteres eine umfassende Aussage über ihren Charakter wird.

„Wenn das Gespräch auf seine frühere Niederlage kam, wurde er dünnhäutig und hörte in jeder Nachfrage einen Vorwurf.“

Hier ist ein bestimmtes Thema der Auslöser. Das wiederkehrende Deuten neutraler Fragen als Angriff macht die behauptete Empfindlichkeit anschaulich.

„Die dünnhäutige Frucht wurde beim Transport rasch beschädigt.“

Das Wort bezieht sich auf eine tatsächliche äußere Beschaffenheit. Diese wörtliche Verwendung erklärt das Bild, enthält aber keine menschliche Gefühlsbeschreibung.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Empfindlich
Ist eine sehr nahe Entsprechung und kann viele Arten von Reizen betreffen. Dünnhäutig macht die Verletzbarkeit bildlich, ohne ihre Ursache festzulegen.
Nachtragend
Betont, dass jemand eine Kränkung länger festhält. Dünnhäutig betrifft zunächst die Empfindlichkeit gegenüber dem Anlass; beides kann zusammenkommen, muss es aber nicht.
Einfühlsam
Richtet sich auf das Verstehen fremder Gefühle. Die eigene leichte Verletzbarkeit beweist weder besondere Einfühlung noch deren Fehlen.

Schreibung und Grammatik

Dünnhäutig wird zusammengeschrieben, mit Doppel-n, ü und ä. Formen: ein dünnhäutiger Gesprächspartner, eine dünnhäutige Reaktion, ein dünnhäutiges Gegenüber. Man kann dünnhäutiger und am dünnhäutigsten sagen. In Sie reagiert dünnhäutig wird das Adjektiv adverbial verwendet und bleibt ungebeugt; die Wortart bleibt Adjektiv.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert ihre Beugung und Verwendung im Satz.

Herkunft und Wortbildung

Die Bildung verbindet dünn mit einer von Haut abgeleiteten Form auf -ig. Der Umlaut steht entsprechend in häutig. Im übertragenen Gebrauch dient die dünne äußere Hülle als Bild für geringe Abschirmung gegenüber verletzenden Eindrücken.

Verwendung in einer Charakterisierung

Nenne Auslöser und beobachtbare Reaktion, statt die Eigenschaft aus einem traurigen Blick abzuleiten. Eigene Musterformulierung: In Gesprächen über die frühere Niederlage wirkt die Figur dünnhäutig, weil sie selbst sachliche Nachfragen als persönliche Angriffe versteht. Wenn der Text eine reale Herabsetzung zeigt, muss auch diese in die Bewertung einbezogen werden.

Wie sich Beobachtung und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Quellen und weiterführende Seiten

Wortquellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Dünnhäutig in der Übersicht der Charaktereigenschaften