fürchtend
Fürchtend ist das Partizip I von fürchten und bezeichnet jemanden, der Furcht empfindet, etwas Unangenehmes erwartet oder um jemanden besorgt ist.
Was bedeutet fürchtend?
Fürchtend beschreibt den Vorgang oder Zustand des Fürchtens. Die Person empfindet die Furcht selbst. Was sie fürchtet, wird meist ergänzt: eine Niederlage, eine bedrohlich wirkende Begegnung oder einen möglichen Verlust. Ohne eine solche Ergänzung klingt das Wort häufig unvollständig oder auffällig schriftsprachlich.
Das zugrunde liegende Verb hat mehrere Verwendungen. Jemand kann einen Gegner fürchten, sich vor einem Geräusch fürchten oder um einen vermissten Freund fürchten. Im letzten Fall richtet sich die Sorge auf das Wohlergehen des Freundes. Bei der Deutung muss deshalb die ganze Wortgruppe gelesen werden, nicht nur das Partizip.
Als Eintrag in einer Eigenschaftenliste darf fürchtend nicht mit einer festen Persönlichkeitseigenschaft verwechselt werden. Auch ein sonst sicherer Mensch kann in einer bestimmten Lage Furcht empfinden. In flüssiger Alltagssprache sind Sätze mit dem Verb häufig natürlicher: Sie fürchtet um ihren Bruder ist meist leichter verständlich als eine lange vorangestellte Partizipgruppe.
Drei Beispiele für fürchtend
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Die sich vor dem lauten Hund fürchtende Besucherin blieb zunächst am Gartentor stehen.“
Die reflexive Ergänzung nennt den Anlass ihrer Furcht. Die längere Partizipgruppe beschreibt die Besucherin und kann durch einen Relativsatz ersetzt werden.
„Um seinen Bruder fürchtend, wartete er unruhig auf eine Nachricht.“
Gemeint ist Sorge um den Bruder, nicht Angst vor ihm. Die vorangestellte Gruppe bezieht sich auf dieselbe Person, die im Hauptsatz wartet.
„Eine erneute Absage fürchtend, schickte sie die Bewerbung trotzdem ab.“
Das befürchtete Ereignis ist benannt. Die Handlung zeigt zugleich, dass Furcht und entschlossenes Weiterhandeln miteinander vereinbar sind.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- furchtsam
- Kann eine ängstliche Art oder einen entsprechenden Eindruck beschreiben. Fürchtend rückt als Partizip eher den konkreten Vorgang mit seinen Ergänzungen in den Vordergrund.
- gefürchtet
- Wechselt die Perspektive: Die gefürchtete Person löst bei anderen Furcht aus; die fürchtende Person empfindet sie. Die Formen sind nicht austauschbar.
- befürchtend
- Bezieht sich besonders auf die Erwartung eines unerwünschten Ereignisses. Fürchtend kann daneben unmittelbare Angst oder Sorge um eine Person ausdrücken.
Schreibung und Grammatik
Das Partizip I wird aus dem Infinitiv fürchten und -d gebildet. Vor einem Nomen erhält es eine Endung: die um ihr Kind fürchtende Mutter. Die Ergänzungen bleiben erhalten: jemanden fürchten, sich vor jemandem fürchten, um jemanden fürchten. Das Partizip I bezeichnet keine eigene Zeitstufe; in Er saß, das Schlimmste fürchtend, im Flur liegt das Geschehen in der Vergangenheit.
Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.
Herkunft und Wortbildung
Die Form ist eine regelmäßige Partizipbildung zum Verb fürchten. Duden nennt für das Verb mittelhochdeutsch vürhten und althochdeutsch furhten beziehungsweise furihtan. Der Umlaut der heutigen Verbform bleibt in fürchtend erhalten.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Beleg: Sie erwartet eine heftige Zurückweisung, hält den Brief lange ungeöffnet in der Hand und liest ihn schließlich doch. Eine passende Deutung benennt, was sie fürchtet, und berücksichtigt ihre anschließende Handlung. Die Beschreibung einer fürchtenden Figur wird so genauer, als wenn man ihr ohne weiteren Beleg eine grundsätzlich ängstliche Wesensart zuschreibt.
Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
