gottergeben

Gottergeben bezeichnet religiöse Hingabe an Gott oder, übertragen, ein bereitwilliges und oft allzu widerspruchsloses Sichfügen in das eigene Schicksal oder den Willen anderer.

Was bedeutet gottergeben?

Im religiösen Zusammenhang beschreibt gottergeben eine Haltung der Hingabe und des Vertrauens gegenüber Gott. Eine Person ordnet ihre Wünsche ihrem Glauben unter oder nimmt ein Geschehen als göttlichen Willen an. Dafür muss der Text einen religiösen Bezug herstellen. Ein Mensch, der schweigend wartet, ist nicht schon deshalb religiös ergeben.

Im übertragenen Gebrauch kann das Wort gerade dieses stille Hinnehmen bezeichnen: Jemand fügt sich einer Anordnung, erträgt eine Zumutung oder wartet ohne Widerstand. Dabei schwingt häufig Kritik oder Ironie mit. Die Person wirkt so willig, als gäbe es keine Möglichkeit zum Widerspruch. Duden stellt diesen Gebrauch in seiner Bedeutungserklärung besonders heraus.

Die beiden Lesarten dürfen nicht zu einer pauschalen Bewertung religiöser Menschen verschmelzen. Hingabe an Gott bedeutet sprachlich nicht automatisch Unterwürfigkeit gegenüber jedem Menschen. Ebenso braucht das ironische gottergebene Warten im Alltag keinen tatsächlichen Glauben als Hintergrund. Für die Deutung zählen Anlass, Handlungsspielraum und die Stimme, die das Verhalten beschreibt.

Drei Beispiele für gottergeben

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Die Figur nimmt die Entbehrungen gottergeben auf sich und erklärt im Gebet, sie vertraue auf Gottes Führung.“

Das Gebet benennt den religiösen Bezug. Die Haltung wird aus ihrer eigenen Deutung der Lage verständlich.

„Gottergeben hörte er sich zum dritten Mal die endlose Erklärung seines Vorgesetzten an.“

Hier liegt eine ironische Lesart nahe. Das widerspruchslose Ertragen einer alltäglichen Zumutung steht im Vordergrund.

„Sie nickte nicht mehr gottergeben, sondern fragte nach, warum nur sie die zusätzliche Arbeit übernehmen sollte.“

Der Gegensatz zeigt den vorherigen Verzicht auf Einwände. Von einem Glaubenswechsel ist in diesem Satz keine Rede.

Ähnliche Wörter unterscheiden

fromm
Bezeichnet eine religiös geprägte Haltung oder Lebensweise. Gottergeben hebt in seiner religiösen Lesart besonders die Hingabe und das Sichfügen hervor.
fatalistisch
Verbindet Geschehen mit einem als unausweichlich betrachteten Schicksal. Gottergeben kann ähnlich wirken, hat aber auch einen ausdrücklich religiösen Sinn.
fügsam
Beschreibt das bereitwillige Nachgeben gegenüber anderen. Dieser Sinn berührt den übertragenen Gebrauch von gottergeben, ohne dessen religiöses Bild zu benötigen.

Schreibung und Grammatik

Die Schreibung lautet gottergeben, zusammengeschrieben und als Adjektiv klein. Formen sind ein gottergebener Mensch, eine gottergebene Haltung und gottergebenes Warten. In der Wortgruppe Gott ergeben sein bleibt dagegen das eigenständige Substantiv groß. Das zugehörige Nomen heißt Gottergebenheit. In er wartet gottergeben steht das Adjektiv adverbial.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Herkunft und Wortbildung

Das Wort verbindet Gott mit ergeben. Duden nennt die spätmittelhochdeutsche Form gottergeben. Die religiöse Beziehung ist somit schon an der Wortbildung zu erkennen. Im übertragenen heutigen Gebrauch kann das Bild erhalten bleiben, obwohl die beschriebene Person lediglich einer menschlichen Anordnung nachgibt.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Obwohl die Figur die ungerechte Verteilung erkennt, nimmt sie jede neue Belastung schweigend hin; erst später spricht sie ihre Einwände aus. Gottergeben kann die anfängliche Haltung kritisch zuspitzen. Die Analyse sollte zusätzlich prüfen, ob Angst oder Abhängigkeit den Widerspruch erschwert. Schweigen allein beweist keine innere Zustimmung.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Gottergeben in der Übersicht der Charaktereigenschaften