inbrünstig
Inbrünstig: Von einem tiefen, leidenschaftlichen Gefühl oder starken Verlangen erfüllt. Das gehobene Wort beschreibt besonders Bitten, Hoffen, Beten, Singen oder Lieben.
Was bedeutet inbrünstig?
Inbrünstig bezeichnet eine große innere Intensität. Eine Bitte ist nicht nur zweckmäßig formuliert, sondern von einem tief empfundenen Wunsch getragen. Beim Singen oder Beten kann das Wort eine starke Hingabe beschreiben. Dabei muss die Äußerung nicht laut sein; auch eine leise Bitte kann inbrünstig wirken.
Der Ausdruck gehört eher zu einer gehobenen oder feierlichen Sprache. In alltäglichen Zusammenhängen kann er bewusst übertreiben und dadurch komisch wirken. Wer inbrünstig auf eine freie Steckdose hofft, stellt ein kleines Bedürfnis mit großem sprachlichem Nachdruck dar. Diese mögliche Stilebene ist von der ernst gemeinten Verwendung zu unterscheiden.
Für eine Charakterisierung stellt sich die Frage, wie der Text die Gefühlsstärke zeigt. Wiederholte Bitten, anhaltende Aufmerksamkeit und ausdrücklich mitgeteilte Gedanken können die Deutung tragen. Eine große Geste allein beweist weder Aufrichtigkeit noch eine bestimmte religiöse Überzeugung.
Beispiele und Verwendung
Sie bat inbrünstig darum, noch einmal mit ihrem Bruder sprechen zu dürfen.
So ist es gemeint: Die Bitte wird als von einem tiefen Wunsch getragen dargestellt.
Der Chor sang die leise Schlussstrophe inbrünstig.
So ist es gemeint: Innere Intensität wird hier gerade nicht mit großer Lautstärke gleichgesetzt.
Er hoffte inbrünstig auf die letzte freie Steckdose im Zug.
So ist es gemeint: Der gehobene Ausdruck kann einen alltäglichen Wunsch humorvoll überhöhen.
Typische Verbindungen: inbrünstig beten, inbrünstig hoffen, eine inbrünstige Bitte, inbrünstig singen, inbrünstige Liebe.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- Leidenschaftlich
- Ist breiter und kann auch Debatten, Interessen oder sportlichen Einsatz beschreiben.
- innig
- Betont tiefe persönliche Nähe oder innere Verbundenheit und wirkt häufig stiller.
- eifrig
- Rückt sichtbaren Einsatz und Tätigkeit in den Vordergrund; das tiefe Gefühl muss daraus noch nicht folgen.
Gleichgültig oder nur beiläufig können einen Gegenpol bilden. Ruhig ist kein verlässlicher Gegensatz, weil starke Hingabe auch leise ausgedrückt werden kann.
Inbrünstig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Erzählung wartet Ana auf eine Nachricht von ihrer verschollenen Schwester. Sie bittet den Boten leise, vor seiner Abreise noch einmal nachzufragen. Als er zögert, erklärt sie, warum selbst eine kleine Nachricht wichtig wäre, und wiederholt die Bitte, ohne sich einem anderen Gespräch zuzuwenden.
- Beobachtung: Ana richtet ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Nachricht und wiederholt eine leise, ausführlich begründete Bitte.
- Deutung: Die Szene lässt die Bitte inbrünstig erscheinen, weil der Wunsch ihr erkennbar tiefes Anliegen ist.
- Grenze der Aussage: Ob die Schwester gefunden wird oder der Bote helfen kann, ist dadurch nicht entschieden. Die Gefühlstiefe garantiert keinen Erfolg.
Musterformulierung
Ana bittet den Boten inbrünstig um eine erneute Nachfrage. Ihre leise Wiederholung und die anhaltende Konzentration auf die Nachricht zeigen, wie viel ihr selbst eine kleine Auskunft bedeutet. Die Intensität der Bitte beruht damit auf ihrem tiefen Anliegen und nicht auf einem lauten Auftreten.
Der Absatz erklärt die Gefühlsstärke durch mehrere zusammenpassende Beobachtungen. Er vermeidet den Kurzschluss, nur ein auffälliger Ausbruch könne ein starkes inneres Erleben zeigen.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- in·brüns·tig
- Verwandtes Nomen
- die Inbrunst
Inbrünstig wird mit ü geschrieben; das Nomen lautet dagegen Inbrunst. Gebeugte Formen sind eine inbrünstige Bitte und mit inbrünstigem Wunsch. Die Steigerung vergleicht die wahrgenommene Gefühlsintensität und ist besonders im literarischen Ausdruck möglich.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | inbrünstiger | inbrünstige | inbrünstiges | inbrünstige |
| Genitiv | inbrünstigen | inbrünstiger | inbrünstigen | inbrünstiger |
| Dativ | inbrünstigem | inbrünstiger | inbrünstigem | inbrünstigen |
| Akkusativ | inbrünstigen | inbrünstige | inbrünstiges | inbrünstige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der inbrünstige | die inbrünstige | das inbrünstige | die inbrünstigen |
| Genitiv | des inbrünstigen | der inbrünstigen | des inbrünstigen | der inbrünstigen |
| Dativ | dem inbrünstigen | der inbrünstigen | dem inbrünstigen | den inbrünstigen |
| Akkusativ | den inbrünstigen | die inbrünstige | das inbrünstige | die inbrünstigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein inbrünstiger | eine inbrünstige | ein inbrünstiges | keine inbrünstigen |
| Genitiv | eines inbrünstigen | einer inbrünstigen | eines inbrünstigen | keiner inbrünstigen |
| Dativ | einem inbrünstigen | einer inbrünstigen | einem inbrünstigen | keinen inbrünstigen |
| Akkusativ | einen inbrünstigen | eine inbrünstige | ein inbrünstiges | keine inbrünstigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Als ältere Form ist spätmittelhochdeutsch inbrünstec mit dem Sinn starken, heißen Verlangens belegt. Die heutige Wortfamilie verbindet Inbrunst und inbrünstig mit innerer Hingabe. Eine ausschließliche Bindung an religiöse Situationen folgt daraus nicht.
