kleptomanisch
Die Kleptomanie betreffend oder auf ihr beruhend; fachsprachlich auf einen krankhaften, schwer kontrollierbaren Drang zum Stehlen bezogen.
Was bedeutet kleptomanisch?
Kleptomanisch gehört zur psychologischen und medizinischen Fachsprache. Das Adjektiv bezieht sich auf Kleptomanie, also krankhaftes Stehlen im Zusammenhang mit schwer kontrollierbaren Impulsen. Es kann etwa ein entsprechendes Verhalten oder einen solchen Impuls näher bestimmen. In einer Personenbeschreibung enthält es damit eine wesentlich stärkere Behauptung als die Feststellung, jemand habe etwas gestohlen.
Die medizinische Klassifikation des BfArM beschreibt Kleptomanie unter anderem durch wiederholtes Nichtwiderstehen gegenüber Stehlimpulsen, wobei die Gegenstände nicht für den eigenen Gebrauch oder zur Bereicherung genommen werden. Genannt werden außerdem häufige Spannungsgefühle vor der Handlung und Befriedigung während oder danach. Diese Einordnung macht verständlich, weshalb die bloße Beobachtung eines Diebstahls für die Bezeichnung kleptomanisch nicht ausreicht. Sie ist keine Anleitung zur Selbst- oder Fremddiagnose.
In Alltagsgesprächen kann das Wort übertreibend für jemanden fallen, der fremde Dinge mitnimmt. Eine solche Verwendung vermischt Verhalten mit einer Krankheitsbehauptung. Präziser ist es, zunächst die beobachtete Handlung zu benennen. Auch die Position in einer Liste von Charaktereigenschaften verwandelt den Fachausdruck nicht in ein neutrales Persönlichkeitsmerkmal.
Drei Beispiele für kleptomanisch
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Die Fachautorin erläutert in ihrem Beitrag kleptomanisches Verhalten und grenzt es von Diebstahl zur Bereicherung ab.“
Das Adjektiv wird als fachliche Bezeichnung für den Gegenstand einer Erklärung verwendet. Der Satz beurteilt keine zufällig beobachtete Person.
„Der Roman nennt die Figur ausdrücklich kleptomanisch; die Analyse untersucht, wie diese Zuschreibung ihre Darstellung prägt.“
Die Einordnung wird dem Roman zugeschrieben. So bleibt unterscheidbar, was der Text behauptet und was eine Leserin selbst erschließt.
„Weil er einen fremden Stift eingesteckt hatte, nannte ihn die Mitschülerin kleptomanisch.“
Der Satz zeigt einen vorschnellen Gebrauch des Wortes. Die einzelne Handlung belegt den Fachbegriff nicht; im Vordergrund steht hier die problematische Zuschreibung.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Diebisch
- Kann sich allgemein auf Stehlen beziehen und hat auch übertragene Verwendungen. Es enthält nicht dieselbe fachliche Aussage über Kleptomanie.
- Habgierig
- Bezeichnet abwertend ein starkes Besitzstreben. Das ist nicht gleichbedeutend mit dem für Kleptomanie beschriebenen Stehlimpuls ohne Bereicherungszweck.
- Impulsiv
- Beschreibt ein Handeln aus unmittelbaren Impulsen. Daraus lässt sich weder ein bestimmtes Verhalten noch eine konkrete Störung ableiten.
Schreibung und Grammatik
Kleptomanisch schreibt man mit k und der Endung -isch. Gebeugte Verwendungen sind ein kleptomanischer Impuls und kleptomanisches Verhalten. Das zugehörige Substantiv lautet die Kleptomanie. Als fachliche Zuordnung wird das Adjektiv gewöhnlich nicht vergleichend gesteigert; genauer kann man stattdessen die Stärke oder Häufigkeit der beschriebenen Impulse benennen.
Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.
Herkunft und Wortbildung
Das Adjektiv gehört zur Wortfamilie von Kleptomanie. Duden führt dieses Substantiv auf griechisch kléptein für stehlen und den Bestandteil Manie zurück. Kleptomanisch ist die zugehörige Adjektivbildung. Die Wortbestandteile erläutern den Namen, ersetzen aber nicht die fachliche Bestimmung seines heutigen Gebrauchs.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Der Erzähler bezeichnet die Figur als kleptomanisch und schildert ihr Verhältnis zum Stehlen als unkontrollierbaren Drang. Eine Analyse kann diese ausdrücklich angelegte Darstellung untersuchen. Nennt der Text dagegen lediglich einen Diebstahl, sollte die Charakterisierung bei Handlung, Motiv und Erzählperspektive bleiben. Eine Diagnose muss sie daraus nicht entwickeln.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
