kriecherisch
Sich anderen in abwertend empfundener Weise unterordnend und besonders gegenüber Höhergestellten übermäßig dienstfertig auftretend.
Was bedeutet kriecherisch?
Kriecherisch beschreibt ein unterwürfiges Verhalten, das als übertrieben und unwürdig bewertet wird. Besonders häufig geht es um den Umgang mit einer höhergestellten oder einflussreichen Person. Jemand stimmt ihr auffällig bereitwillig zu, überhäuft sie mit Lob oder stellt eigene Einwände zurück, sobald er ihr gegenübersteht. Der Ausdruck ist abwertend und enthält bereits eine Deutung des beobachteten Auftretens.
Häufig schwingt die Vermutung mit, dass sich die Person einen Vorteil oder Wohlwollen sichern möchte. Dieses Motiv darf jedoch nicht allein aus dem Wort abgeleitet werden. Auch Unsicherheit oder ein starkes Abhängigkeitsverhältnis können das Verhalten mitbestimmen. Eine genaue Darstellung nennt zunächst, worin die übermäßige Unterordnung besteht, und prüft anschließend, welche Gründe der Text tatsächlich erkennen lässt.
Gewöhnliche Höflichkeit oder Hilfe ist nicht schon kriecherisch. Eine Person kann respektvoll auftreten und trotzdem einen eigenen Standpunkt vertreten. Umgekehrt kann jemand nach außen bescheiden wirken, aber gezielt Zustimmung vorspiegeln. Besonders aussagekräftig ist ein Wechsel der Haltung: Wer eine Entscheidung privat kritisiert und sie vor einer mächtigen Person ohne neue Gründe überschwänglich lobt, bietet einen konkreteren Anhaltspunkt als ein einzelner freundlicher Gruß.
Drei Beispiele für kriecherisch
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Vor dem Werkstattleiter lobte er den Entwurf kriecherisch, obwohl er ihn kurz zuvor noch als untauglich bezeichnet hatte.“
Der unbegründete Wechsel zum überschwänglichen Lob stützt die negative Bewertung. Eine bloße höfliche Anerkennung wäre weniger aussagekräftig.
„Sie trat dem Mächtigen kriecherisch gegenüber und bot sofort an, auch seine privaten Besorgungen zu übernehmen.“
Die auffällige Dienstfertigkeit wird im Verhältnis zur Stellung des Gegenübers beschrieben. Das genaue Motiv bleibt ohne weitere Hinweise offen.
„Der Besucher war höflich, widersprach aber klar; kriecherisch wirkte sein Verhalten nicht.“
Das Gegenbeispiel trennt angemessenen Respekt von übermäßiger Unterordnung. Ein eigener Standpunkt bleibt erkennbar.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Devot
- Beschreibt Unterwürfigkeit oder starke Ergebenheit. Kriecherisch bewertet das Verhalten ausdrücklich abschätzig und hebt oft die übertriebene Dienstfertigkeit hervor.
- Arschkriechend
- Ist deutlich derber und beleidigender. Die ähnliche Richtung der Kritik rechtfertigt nicht, beide Wörter in jeder Textsorte als stilistisch gleichwertig zu behandeln.
- Konziliant
- Beschreibt verbindliches Entgegenkommen. Eine konziliante Person kann ihre Grenzen und ihren Standpunkt beibehalten.
Schreibung und Grammatik
Kriecherisch wird mit ie geschrieben und endet auf -isch. Formen sind ein kriecherischer Ton, eine kriecherische Zustimmung und kriecherisches Verhalten. Die Steigerung lautet kriecherischer, am kriecherischsten. Das zugehörige Personenwort ist Kriecher beziehungsweise Kriecherin. In er antwortet kriecherisch beschreibt das ungebeugte Adjektiv die Art seiner Antwort. Eine Ergänzung wie gegenüber der Vorgesetzten verdeutlicht die Beziehung.
Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.
Herkunft und Wortbildung
Die Bildung verbindet Kriecher mit -isch. Das Personenwort gehört zum übertragenen Gebrauch von kriechen und bezeichnet übermäßige Unterwürfigkeit. Das Bild stellt die Person als niedrig und abhängig auftretend dar. Beim Adjektiv ist daher keine tatsächliche Fortbewegung auf dem Boden gemeint, sondern eine wertende Beschreibung des sozialen Verhaltens.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur verwirft einen Plan im privaten Gespräch, lobt ihn vor dem Einflussreichen aber ohne sachliche Begründung überschwänglich. Ihr Auftreten wirkt kriecherisch. Eine Analyse sollte diesen Gegensatz zeigen und kenntlich machen, ob Eigennutz ausdrücklich belegt ist oder nur vermutet wird. So bleibt die starke Wertung an beobachtbares Verhalten gebunden.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
