leidlich

Einigermaßen ausreichend oder annehmbar, ohne besonders gut zu sein; den Erwartungen zumindest ungefähr entsprechend.

Was bedeutet leidlich?

Leidlich drückt eine begrenzte Zustimmung aus: Etwas genügt den Erwartungen ungefähr oder ist noch annehmbar, verdient aber kein uneingeschränktes Lob. Eine leidliche Leistung reicht für den jeweiligen Zweck aus. Leidliche Kenntnisse ermöglichen eine gewisse Verständigung, ohne besondere Sicherheit oder Tiefe zu behaupten. Welcher Maßstab gilt, ergibt sich aus dem Zusammenhang.

Das Wort kann auch ein Befinden beschreiben. Es geht ihr leidlich bedeutet, dass es ihr einigermaßen gut geht. Diese Formulierung lässt Einschränkungen offen und ist keine genaue gesundheitliche Auskunft. Je nach Ton kann sie nüchtern, zurückhaltend oder bewusst untertreibend wirken. Ebenso muss eine leidliche Menge nicht eine bestimmte Zahl bezeichnen; sie erscheint dem Sprecher ausreichend.

Als Personenurteil braucht leidlich eine Ergänzung. Ein leidlicher Sänger besitzt ein für den genannten Anspruch annehmbares Können. Damit wird weder seine moralische Haltung noch seine allgemeine Begabung bewertet. Die bloße Aussage er ist leidlich bleibt dagegen ungenau. Für eine Charakterisierung ist meistens interessanter, wer dieses zurückhaltende Urteil äußert und ob die erzählte Leistung dazu passt.

Drei Beispiele für leidlich

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Mit seinen leidlichen Sprachkenntnissen konnte er nach dem Weg fragen, musste bei längeren Erklärungen aber mehrmals nachhaken.“

Das Beispiel zeigt sowohl eine ausreichende Fähigkeit als auch ihre Grenze. Leidlich ist hier ein eingeschränktes, nachvollziehbares Urteil.

„Auf die Frage nach ihrem Befinden antwortete sie, es gehe ihr wieder leidlich, und bat dennoch um einen ruhigen Nachmittag.“

Die Antwort bedeutet einigermaßen gut. Sie behauptet weder vollständige Erholung noch einen bestimmten Befund.

„Der strenge Lehrer nannte die gelungene Zeichnung nur leidlich, während die übrige Gruppe sie begeistert betrachtete.“

Hier fällt besonders der Maßstab des Urteilenden auf. Die Wortwahl kann seinen strengen oder wenig anerkennenden Blick charakterisieren.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Ausreichend
Betont, dass etwas für eine Anforderung genügt. Leidlich kann zusätzlich nach einem nur mäßig positiven Gesamturteil klingen; eine feste Notenstufe ist damit nicht bezeichnet.
Leidensfähig
Beschreibt innere Kraft im Umgang mit Leiden. Leidlich bewertet dagegen etwas als einigermaßen annehmbar und sagt nichts über diese Fähigkeit.
Kompetent
Hebt fachliche Befähigung oder Zuständigkeit hervor. Leidliche Kenntnisse sind ein engeres, zurückhaltenderes Urteil über den Umfang oder die Qualität von Wissen.

Schreibung und Grammatik

Leidlich ist ein Adjektiv: eine leidliche Erklärung, ein leidlicher Überblick. In sie singt leidlich wird es adverbial verwendet und entspricht ungefähr einigermaßen gut. In ganz leidlich schwächt ganz das begrenzte Urteil nicht zwingend ab; der gesamte Ausdruck bleibt häufig zurückhaltend. Leidlich ist von leidend zu unterscheiden, dem Partizip I von leiden.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Herkunft und Wortbildung

Duden nennt spätmittelhochdeutsch līdelich und erklärt den ursprünglichen Bezug als etwas, das sich leiden oder ertragen lässt. Damit hängt die heutige Bedeutung annehmbar zusammen. Gemeint ist aber nicht, dass eine leidliche Leistung Schmerzen verursacht: Der historische Bezug auf Erträglichkeit ist nicht wörtlich auf jede gegenwärtige Verwendung zu übertragen.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Obwohl die Gruppe die Zeichnung lobt, nennt der Lehrer sie lediglich leidlich und führt strenge zusätzliche Anforderungen an. Seine Wortwahl zeigt ein zurückhaltendes Urteil. Die Analyse kann daran seinen Anspruch oder seine Art des Lobens untersuchen. Die Zeichnung selbst wird dadurch nicht ohne weitere Prüfung objektiv als mittelmäßig erwiesen.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Leidlich in der Übersicht der Charaktereigenschaften