mitteilsam
Mitteilsam: Gern von eigenen Gedanken, Erlebnissen oder Gefühlen erzählend und ein deutliches Bedürfnis zeigend, sich anderen mitzuteilen.
Was bedeutet mitteilsam?
Mitteilsam ist jemand, der gern etwas von sich oder seinen Erfahrungen erzählt. Eine mitteilsame Person beantwortet eine Frage ausführlich, berichtet von sich aus oder lässt andere an ihren Gedanken teilhaben. Das Wort kann eine allgemeine Neigung oder eine besondere Gesprächsbereitschaft in einer einzelnen Situation beschreiben.
Mitteilsamkeit ist weder automatisch gute Gesprächsführung noch unangenehme Geschwätzigkeit. Ob der Austausch gelingt, hängt auch davon ab, ob das Gegenüber Raum erhält und das Erzählte zur Situation passt. Jemand kann offen berichten und zugleich aufmerksam zuhören. Eine große Menge an Worten allein erklärt die Qualität des Gesprächs nicht.
Auch Vertrauen und Thema können einen Unterschied machen. Eine sonst zurückhaltende Figur wird bei einer vertrauten Person oder einem wichtigen Erlebnis plötzlich mitteilsam. Dieser Wechsel kann für eine Charakterisierung aufschlussreich sein. Er beweist jedoch nicht, dass jedes Detail wahr ist oder dass die Figur über alle Lebensbereiche gleichermaßen offen spricht.
Beispiele und Verwendung
Beim Wiedersehen wurde er mitteilsam und berichtete ausführlich von seinem neuen Alltag.
So ist es gemeint: Die Gesprächsbereitschaft wird an einer konkreten Begegnung sichtbar.
Sie war mitteilsam, ließ aber nach jedem Abschnitt Raum für Fragen.
So ist es gemeint: Erzählfreude und Rücksicht auf das Gegenüber können zusammengehen.
Über seine Reise sprach er mitteilsam, über den Familienkonflikt dagegen kaum.
So ist es gemeint: Die Bereitschaft zur Mitteilung kann vom Thema abhängen.
Typische Verbindungen: mitteilsam werden, sich mitteilsam zeigen, eine mitteilsame Person, wenig mitteilsam sein.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- gesprächig
- Liegt sehr nahe und betont die Freude am Reden und am Gespräch. Mitteilsam hebt besonders das Weitergeben eigener Inhalte hervor.
- kommunikativ
- Kann allgemeiner die Bereitschaft und Fähigkeit zum Austausch beschreiben, auch über das ausführliche Erzählen hinaus.
- gesellig
- Betont die Freude an Gemeinschaft. Dazu kann Mitteilsamkeit gehören, sie ist aber keine notwendige Voraussetzung.
verschwiegen oder wortkarg kann je nach Situation einen Gegenpol bilden. Schweigen kann auch Rücksicht, Müdigkeit oder fehlendes Vertrauen ausdrücken.
Mitteilsam in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Briefroman-Szene antwortet Liv auf die kurze Frage ihrer Schwester nach der neuen Wohnung mit einem langen Brief. Sie schildert Geräusche im Treppenhaus, ihre ersten Eindrücke und kleine Unsicherheiten. Über einen beruflichen Streit schreibt sie ausdrücklich, dass sie darüber erst später sprechen möchte.
- Beobachtung: Liv lässt die Schwester ausführlich an ihrem Alltag und ihren Gedanken teilhaben.
- Deutung: Sie ist in Bezug auf das neue Zuhause mitteilsam, setzt bei einem anderen Thema aber eine Grenze.
- Grenze der Aussage: Der lange Brief beweist keine uneingeschränkte Offenheit. Die ausdrücklich ausgesparte Angelegenheit begrenzt die Beschreibung.
Musterformulierung
Liv zeigt sich in ihrem Brief mitteilsam. Sie berichtet nicht nur von den Räumen, sondern auch von Eindrücken und Unsicherheiten, wodurch die Schwester an ihrem Alltag teilhaben kann. Ihre Zurückhaltung beim beruflichen Streit verdeutlicht zugleich, dass diese Offenheit thematisch begrenzt ist.
Der Absatz untersucht den Inhalt und die Grenze der Mitteilung. Er setzt einen langen Text nicht mit vollständiger Offenheit gleich.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- mit·teil·sam
- Verwandtes Nomen
- die Mitteilsamkeit
Mitteilsam enthält zwei t an der Grenze von mit und teilen. Formen sind ein mitteilsamer Gast und mit einer mitteilsamen Begleiterin. Nach dem Verb bleibt die Grundform: Sie wird mitteilsam. Die Steigerung vergleicht die Bereitschaft oder das Bedürfnis zur Mitteilung.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | mitteilsamer | mitteilsame | mitteilsames | mitteilsame |
| Genitiv | mitteilsamen | mitteilsamer | mitteilsamen | mitteilsamer |
| Dativ | mitteilsamem | mitteilsamer | mitteilsamem | mitteilsamen |
| Akkusativ | mitteilsamen | mitteilsame | mitteilsames | mitteilsame |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der mitteilsame | die mitteilsame | das mitteilsame | die mitteilsamen |
| Genitiv | des mitteilsamen | der mitteilsamen | des mitteilsamen | der mitteilsamen |
| Dativ | dem mitteilsamen | der mitteilsamen | dem mitteilsamen | den mitteilsamen |
| Akkusativ | den mitteilsamen | die mitteilsame | das mitteilsame | die mitteilsamen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein mitteilsamer | eine mitteilsame | ein mitteilsames | keine mitteilsamen |
| Genitiv | eines mitteilsamen | einer mitteilsamen | eines mitteilsamen | keiner mitteilsamen |
| Dativ | einem mitteilsamen | einer mitteilsamen | einem mitteilsamen | keinen mitteilsamen |
| Akkusativ | einen mitteilsamen | eine mitteilsame | ein mitteilsames | keine mitteilsamen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Mitteilsam gehört zum Verb mitteilen. Die Endung -sam bildet hier ein Adjektiv, das eine Neigung zum Mitteilen beschreibt. Das verwandte Nomen lautet Mitteilsamkeit; eine besondere rhetorische Begabung folgt aus der Wortbildung nicht.
