problembewusst
Problembewusst ist, wer Schwierigkeiten, Risiken oder offene Fragen erkennt und sie bei seinem Urteil oder Handeln berücksichtigt.
Was bedeutet problembewusst?
Problembewusstsein bedeutet, eine Schwierigkeit nicht zu übersehen oder vorschnell für erledigt zu halten. Ein problembewusster Mensch nimmt etwa widersprüchliche Anforderungen wahr, fragt nach möglichen Folgen und erkennt die Grenzen einer vermeintlich einfachen Lösung. Dabei kann er weiterhin entschlossen und zuversichtlich handeln.
Das Wort bezeichnet keine Neigung, überall grundlos Probleme zu suchen. Es hebt die Aufmerksamkeit für tatsächlich begründbare Schwierigkeiten hervor. Ebenso wenig setzt es voraus, schon eine Lösung zu kennen: Ein Problem klar zu benennen und eine Antwort darauf zu entwickeln sind unterschiedliche Leistungen. Für eine Charakterisierung sollte deshalb erkennbar werden, welche Schwierigkeit die Figur wahrnimmt und wie sie damit umgeht.
Beispiele und Verwendung
Die Organisatorin plante problembewusst und berücksichtigte, dass nicht alle Teilnehmenden Treppen steigen können.
So ist es gemeint: Sie erkennt ein konkretes Hindernis und bezieht es in die Planung ein.
Seine problembewusste Antwort benannte zunächst den Widerspruch zwischen den beiden Anforderungen.
So ist es gemeint: Die Stärke liegt hier im Erkennen der Schwierigkeit, noch nicht in ihrer Auflösung.
Sie befürwortete den Versuch, wies aber problembewusst auf die unvollständigen Daten hin.
So ist es gemeint: Zustimmung und Bewusstsein für Grenzen schließen einander nicht aus.
Typische Verbindungen: problembewusst handeln, problembewusst urteilen, ein problembewusster Umgang, eine problembewusste Analyse
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- kritisch
- Betont das prüfende Hinterfragen von Aussagen und Bedingungen. Problembewusst hebt besonders das Erkennen von Schwierigkeiten hervor.
- vorausschauend
- Richtet sich auf künftige Entwicklungen; Problembewusstsein kann ebenso einen bereits bestehenden Widerspruch betreffen.
- pessimistisch
- Bezeichnet eine eher ungünstige Erwartung. Schwierigkeiten wahrzunehmen verpflichtet nicht zu einer negativen Prognose.
Je nach Zusammenhang passen unkritisch, sorglos oder problemblind. Zuversicht ist dagegen mit Problembewusstsein vereinbar.
Problembewusst in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
Eine Lerngruppe möchte alle Aufgaben auf eine besonders schnelle Person übertragen. Elif merkt an, dass die übrigen dann kaum üben und bei deren Ausfall niemand übernehmen kann. Sie schlägt vor, die Zeitersparnis gegen diese Nachteile abzuwägen.
- Beobachtung: Elif benennt zwei Folgen des Vorschlags, die zuvor nicht berücksichtigt wurden.
- Deutung: Sie betrachtet das Vorhaben problembewusst, weil sie hinter dem unmittelbaren Vorteil weitere Anforderungen erkennt.
- Grenze der Aussage: Die Szene zeigt nicht, welche Aufgabenverteilung am Ende die beste ist. Ihre Einwände müssen ebenso geprüft werden wie der erste Vorschlag.
Musterformulierung
Elif beurteilt die Aufgabenverteilung problembewusst. Sie erkennt, dass eine schnelle Erledigung durch eine einzige Person sowohl das Lernen der anderen als auch die Vertretung erschweren könnte. Damit erweitert sie die Diskussion um begründete Schwierigkeiten. Ihr Beitrag liefert eine wichtige Prüfgrundlage, jedoch noch keine abschließende Lösung.
Die Formulierung benennt die erkannten Probleme konkret und unterscheidet deren Wahrnehmung von ihrer Lösung. Dadurch bleibt das Lob überprüfbar.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- pro·blem·be·wusst
- Verwandtes Nomen
- das Problembewusstsein
Problembewusst wird zusammengeschrieben und enthält wie bewusst ein Doppel-s. Vor einem Nomen heißt es beispielsweise eine problembewusste Betrachtung. Die Steigerung kann vergleichen, wie stark Schwierigkeiten berücksichtigt werden. Das zugehörige Nomen lautet Problembewusstsein.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | problembewusster | problembewusste | problembewusstes | problembewusste |
| Genitiv | problembewussten | problembewusster | problembewussten | problembewusster |
| Dativ | problembewusstem | problembewusster | problembewusstem | problembewussten |
| Akkusativ | problembewussten | problembewusste | problembewusstes | problembewusste |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der problembewusste | die problembewusste | das problembewusste | die problembewussten |
| Genitiv | des problembewussten | der problembewussten | des problembewussten | der problembewussten |
| Dativ | dem problembewussten | der problembewussten | dem problembewussten | den problembewussten |
| Akkusativ | den problembewussten | die problembewusste | das problembewusste | die problembewussten |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein problembewusster | eine problembewusste | ein problembewusstes | keine problembewussten |
| Genitiv | eines problembewussten | einer problembewussten | eines problembewussten | keiner problembewussten |
| Dativ | einem problembewussten | einer problembewussten | einem problembewussten | keinen problembewussten |
| Akkusativ | einen problembewussten | eine problembewusste | ein problembewusstes | keine problembewussten |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Das Wort ist eine durchsichtige Zusammensetzung aus Problem und bewusst. Es bezeichnet ein Bewusstsein für Probleme. Der Gebrauch in wissenschaftlichen und pädagogischen Zusammenhängen begründet keine eigene psychologische Typologie.
