rachsüchtig
Von einem starken Wunsch nach Vergeltung bestimmt und darauf aus, erlittenes oder empfundenes Unrecht heimzuzahlen.
Was bedeutet rachsüchtig?
Rachsüchtig beschreibt das starke Verlangen, sich für eine Verletzung, Kränkung oder Benachteiligung zu rächen. Es geht über die Erinnerung an einen unangenehmen Vorfall hinaus: Die betreffende Person möchte, dass die andere Seite ebenfalls leidet oder einen Schaden erleidet. Dabei kann das zugrunde gelegte Unrecht tatsächlich geschehen oder nur aus ihrer Sicht vorhanden sein. Das Wort bewertet die Haltung deutlich negativ.
Eine rachsüchtige Person muss ihre Vergeltung nicht sofort ausführen. Auch wiederholte Rachefantasien, gezielte Vorbereitungen oder das Festhalten an einer Gelegenheit können den Ausdruck im Text begründen. Umgekehrt ist nicht jede Forderung nach Wiedergutmachung rachsüchtig. Wer die Rückgabe eines beschädigten Gegenstands oder eine faire Klärung verlangt, verfolgt damit noch nicht zwingend den Zweck, dem anderen Leid zuzufügen. Der Unterschied liegt im dargestellten Ziel.
Drei Beispiele für rachsüchtig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Nach der öffentlichen Bloßstellung suchte der rachsüchtige Kollege monatelang nach einer Gelegenheit, sie ebenfalls vorzuführen.“
Die geplante Wiederholung der Demütigung zeigt den Vergeltungswunsch. Das lange Erinnern allein wäre dafür noch kein ausreichender Beleg.
„Die Figur wirkt rachsüchtig, weil sie selbst nach der Entschuldigung nur davon spricht, dem Gegner alles heimzuzahlen.“
Im Beispiel richtet sich ihre Aufmerksamkeit weiter auf Bestrafung. Ob die Entschuldigung angemessen war, ist eine zusätzliche Frage.
„Sie wollte den verursachten Schaden ersetzt bekommen, wehrte sich aber gegen die Behauptung, sie sei rachsüchtig.“
Hier wird die Bezeichnung bestritten. Das Verlangen nach Ausgleich ist von dem Wunsch zu unterscheiden, eine andere Person leiden zu lassen.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Nachtragend
- Betont, dass jemand Kränkungen lange festhält oder nicht verzeiht. Rachsüchtig fügt den starken Wunsch nach Vergeltung hinzu.
- Unversöhnlich
- Bezeichnet die fehlende Bereitschaft zur Versöhnung. Das kann ohne einen konkreten Racheplan bestehen.
- Gerechtigkeitsliebend
- Richtet sich auf einen als gerecht verstandenen Maßstab. Ein persönlicher Vergeltungswunsch kann damit begründet werden, ist dadurch aber nicht automatisch gerecht.
Schreibung und Grammatik
Rachsüchtig wird zusammengeschrieben: ein rachsüchtiger Gegner, eine rachsüchtige Bemerkung, rachsüchtiges Verhalten. Das ü bleibt in der Beugung erhalten. Vergleichsformen sind rachsüchtiger und am rachsüchtigsten. Das zugehörige Substantiv heißt Rachsucht. Das Wort enthält keinen Bindestrich und kein zusätzliches e nach Rach-.
Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Die erkennbare Wortbildung verbindet Rache beziehungsweise den Stamm Rach- mit -süchtig. Sie beschreibt ein starkes Verlangen. Aus diesem Wortbestandteil allein lässt sich keine medizinische Abhängigkeit ableiten. Duden kennzeichnet rachsüchtig als gehoben.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Nach dem Streit bewahrt der Kollege belastende Nachrichten auf und wartet darauf, die frühere Demütigung zu vergelten. Seine rachsüchtige Haltung zeigt sich in der gezielten Ausrichtung auf das Heimzahlen. Bei einer Analyse sollte auch erkennbar bleiben, ob der Erzähler diesen Beweggrund nennt oder ob die Deutung aus Handlungen und Äußerungen erschlossen wird.
Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
