rechtschaffen

Gemeint ist rechtschaffen: ehrlich und anständig handelnd. Als Charaktereigenschaft wird das Wort ohne d am Ende geschrieben.

Was bedeutet rechtschaffen?

Rechtschaffen beschreibt einen Menschen, der ehrlich und anständig handelt. Gemeint ist ein Verhalten, das als moralisch zuverlässig gilt: Jemand täuscht andere nicht um eines Vorteils willen und hält sich an grundlegende Maßstäbe des fairen Zusammenlebens. Das Wort klingt heute häufig älter oder feierlicher als ehrlich. Duden kennzeichnet es als veraltend. Gerade in älteren Erzählungen und in bewusst gehobener Sprache begegnet es weiterhin.

Die richtige Schreibung für diese Bedeutung lautet rechtschaffen, ohne abschließendes d. Rechtschaffend ist dafür keine gleichberechtigte Schreibvariante. Außerdem kann rechtschaffen in älterem oder gehobenem Sprachgebrauch eine Verstärkung ausdrücken. Wer rechtschaffen erschöpft ist, ist sehr erschöpft; die Wendung beurteilt nicht den moralischen Wert der Erschöpfung. Welche Bedeutung vorliegt, ergibt sich aus dem Wort, das näher bestimmt wird.

Drei Beispiele für rechtschaffen

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der rechtschaffene Verwalter meldete den Irrtum in der Abrechnung, obwohl ihm das Schweigen einen Vorteil gebracht hätte.“

Sein ehrlicher Umgang mit einem eigenen Vorteil begründet die moralische Bewertung.

„Im Dorf galt sie als rechtschaffen, doch die Erzählung zeigt später, wie wenig die Nachbarn von ihrem Handeln wussten.“

Der Ruf wird zunächst aus der Perspektive anderer wiedergegeben. Die Charakterisierung muss prüfen, ob die Handlung ihn bestätigt.

„Nach dem langen Aufstieg waren beide rechtschaffen erschöpft und setzten sich schweigend auf die Bank.“

Hier verstärkt rechtschaffen das Ausmaß der Erschöpfung. Es bedeutet nicht ehrlich oder anständig.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Ehrlich
Betont unter anderem Wahrhaftigkeit und den Verzicht auf Täuschung. Rechtschaffen kann umfassender eine anständige Lebens- und Handlungsweise loben.
Anständig
Ist ein naher Ausdruck, der je nach Kontext auch Höflichkeit oder angemessenes Benehmen meint. Rechtschaffen klingt stärker nach einem moralischen Gesamturteil.
Rechtskundig
Bezeichnet Kenntnisse des Rechts. Rechtschaffenheit ist weder eine juristische Ausbildung noch bloß die Fähigkeit, Regeln aufzuzählen.

Schreibung und Grammatik

Richtig sind ein rechtschaffener Mensch, eine rechtschaffene Entscheidung und rechtschaffenes Handeln. In diesen Formen erscheint kein d. Das Substantiv lautet Rechtschaffenheit. Die fehlerhafte Form rechtschaffend entsteht leicht durch die gedankliche Nähe zu Partizipien wie freischaffend. Für die Bedeutung ehrlich und anständig ist diese Übertragung jedoch unzutreffend.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden erklärt rechtschaffen aus der Verbindung recht beschaffen. Die Herkunft hilft, die Endung zu verstehen: Gemeint ist die als richtig oder gut bewertete Beschaffenheit. Das Wort ist in dieser Bedeutung kein gegenwärtiges Partizip mit -d. Die heute auffällige Verstärkungsfunktion gehört ebenfalls zum belegten Gebrauch, etwa wenn ein Zustand als beträchtlich oder stark bezeichnet wird.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Der Verwalter berichtigt eine für ihn günstige Abrechnung aus eigenem Antrieb. Diese Entscheidung stützt die Bezeichnung rechtschaffen. Seine ordentliche Kleidung oder sein guter Ruf allein würden das Urteil noch nicht tragen. Bei einer älteren Erzählung lohnt sich außerdem die Frage, wessen moralischer Maßstab das Wort ausdrückt: der des Erzählers, einer Figur oder der dargestellten Gemeinschaft.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Rechtschaffend in der Übersicht der Charaktereigenschaften