scheu
Aus Unsicherheit, Unbehagen oder Misstrauen Nähe und Begegnungen eher meidend; bei Tieren wenig zutraulich und rasch zur Flucht bereit.
Was bedeutet scheu?
Scheu beschreibt eine Zurückhaltung, die mit Unbehagen, Ängstlichkeit oder Misstrauen gegenüber Nähe verbunden ist. Eine scheue Person tritt bei einer Begegnung eher zurück, vermeidet Aufmerksamkeit oder braucht Zeit, um sich auf fremde Menschen einzulassen. Das kann eine einzelne Situation betreffen oder wiederholt auftreten. Auch ein Blick, eine Geste oder eine Annäherung kann scheu wirken.
Die äußere Zurückhaltung erklärt nicht von selbst, was jemand denkt. Wer scheu reagiert, kann durchaus Interesse an Kontakt haben und zugleich vor zu schneller Nähe zurückschrecken. Daraus folgen weder Unfreundlichkeit noch fehlende Fähigkeiten. Bei Tieren bezeichnet scheu besonders die geringe Zutraulichkeit und Bereitschaft zur Flucht. In der Wendung ein Pferd wird scheu kann außerdem das Erschrecken und Aufgeregtwerden gemeint sein.
Drei Beispiele für scheu
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Zu Beginn des Treffens blieb sie scheu am Rand, kam im Gespräch mit einer vertrauten Person jedoch allmählich hinzu.“
Der Verlauf zeigt eine situationsabhängige Zurückhaltung. Vertrautheit erleichtert hier die Begegnung, ohne dass aus dem anfänglichen Abstand Ablehnung folgen muss.
„Er warf ihr einen scheuen Blick zu und sah wieder auf sein Buch, als sie ihn bemerkte.“
Das Beispiel beschreibt eine vorsichtige, rasch zurückgenommene Annäherung. Ein bestimmtes Motiv wie Verliebtheit wäre erst durch weitere Hinweise zu begründen.
„Die scheue Katze verschwand unter dem Schrank, sobald ein fremder Besucher die Wohnung betrat.“
Hier liegt der tierbezogene Gebrauch vor. Das Ausweichen vor einem fremden Menschen macht die geringe Zutraulichkeit konkret.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Schüchtern
- Liegt bei menschlichen Begegnungen sehr nahe und betont häufig Gehemmtheit im sozialen Auftreten. Scheu wird auch für Tiere und ein unmittelbares Zurückweichen vor Nähe verwendet.
- Zurückhaltend
- Beschreibt allgemein ein wenig hervortretendes Verhalten. Es kann bewusst gewählt sein und muss kein Unbehagen enthalten.
- Unfreundlich
- Bewertet einen Mangel an Zugewandtheit im Umgang. Ein scheuer Mensch kann freundlich sein, auch wenn er zunächst wenig spricht oder Abstand hält.
Schreibung und Grammatik
Scheu ist ein Adjektiv: ein scheuer Gast, eine scheue Annäherung, ein scheues Tier. Bei der Beugung bleibt die Buchstabenfolge eu erhalten. Die Steigerung lautet scheuer, am scheuesten. Das Substantiv die Scheu wird großgeschrieben. In sie blickt scheu zur Tür ist das Wort adverbial gebraucht; in das Tier ist scheu steht es prädikativ. Sich scheuen ist dagegen ein Verb.
Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Duden nennt mittelhochdeutsch schiech als ältere Form und vermerkt eine spätere lautliche Angleichung an Scheu und scheuen. Die weiter zurückliegende Herkunft gilt dort als ungeklärt. Für die heutige Bedeutung ist das Zurückweichen oder Abstandhalten bei Unbehagen maßgeblich.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Zu Beginn vermeidet Elif den Mittelpunkt und antwortet knapp, beteiligt sich neben ihrer vertrauten Freundin aber zunehmend am Gespräch. Sie wirkt zunächst scheu. Die zeitliche Einschränkung hält die Deutung nahe an der Szene. Ihre späteren Beiträge können zeigen, dass die anfängliche Zurückhaltung weder Uninteressiertheit noch mangelndes Wissen bedeutete.
Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
