schrullig

Umgangssprachlich für eigentümliche, befremdlich oder komisch wirkende Gewohnheiten und das eigensinnige Festhalten daran; auch allgemein seltsam oder ein wenig eigen.

Was bedeutet schrullig?

Schrullig nennt man einen Menschen, dessen Gewohnheiten oder Vorstellungen anderen ungewöhnlich, befremdlich oder komisch erscheinen. Häufig hält die Person eigensinnig an kleinen Regeln fest, deren Sinn Außenstehenden nicht einleuchtet. Auch eine Geschichte, eine Behauptung oder ein Einfall kann schrullig wirken. Das umgangssprachliche Wort beschreibt dabei immer eine Abweichung von Erwartungen des jeweiligen Betrachters.

Der Ton kann von liebevoller Belustigung bis zu deutlicher Abwertung reichen. Eine Erzählung lässt einen schrulligen Nachbarn vielleicht sympathisch erscheinen; eine andere benutzt dieselbe Zuschreibung, um ihn nicht ernst nehmen zu müssen. Duden vermerkt einen häufigen Bezug auf ältere Menschen. Das ist keine Altersvoraussetzung und erst recht keine medizinische Einordnung. Ungewöhnliche Vorlieben sagen für sich genommen nichts über Urteilsfähigkeit oder den Wert einer Person aus.

Drei Beispiele für schrullig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Seine schrullige Gewohnheit bestand darin, jedem Regenschirm einen Namen zu geben und vor dem Hinausgehen den passenden auszuwählen.“

Die erfundene Szene zeigt eine eigentümliche persönliche Regel. Ohne erkennbare Nachteile kann die Schilderung amüsiert oder liebevoll wirken.

„Sie beharrte auf der schrulligen Vorstellung, ein Gespräch könne nur gelingen, wenn alle Tassen nach Norden zeigten.“

Der ungewöhnliche Grundsatz wird mit eigensinnigem Festhalten verbunden. Für eine weitergehende Erklärung ihrer Persönlichkeit wären zusätzliche Belege nötig.

„Die anderen hielten ihn für schrullig und übersahen deshalb seinen gut begründeten Einwand gegen den Plan.“

Hier wird die Zuschreibung selbst problematisch. Aus einer ungewöhnlichen Art folgt nicht, dass alle sachlichen Beiträge unbrauchbar wären.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Eigenwillig
Betont eigene Vorstellungen und das Abweichen von Erwartungen. Schrullig fügt häufig einen befremdeten oder belustigten Blick auf besondere Gewohnheiten hinzu.
Schrill
Bezeichnet stark auffallenden Stil oder durchdringenden Klang. Eine schrullige Gewohnheit kann dagegen ganz still und nur wenigen Menschen bekannt sein.
Stur
Hebt vor allem das unbewegliche Festhalten an einer Haltung hervor. Schrullig bezieht die als eigentümlich empfundene Art der Haltung oder Gewohnheit ein.

Schreibung und Grammatik

Schrullig wird mit ll geschrieben: ein schrulliger Einfall, eine schrullige Gewohnheit, schrulliges Verhalten. Die Steigerung lautet schrulliger, am schrulligsten. Das Substantiv heißt Schrulligkeit. Die zugrunde liegende Schrulle bezeichnet eine besondere Eigenart oder Angewohnheit. Als direkte Personenbeschimpfung kann das Substantiv deutlich verletzender wirken als eine vorsichtig eingeordnete Beschreibung einzelner Gewohnheiten.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Schrullig ist eine Bildung zu Schrulle. Duden führt dieses Substantiv auf den niederdeutschen Plural Schrullen zurück, der im 18. Jahrhundert übernommen wurde und ungewöhnliche Einfälle bezeichnete. Für die Personenbeschreibung ist heute besonders die Verbindung von eigentümlicher Gewohnheit und eigensinnigem Festhalten daran wichtig.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Anton prüft vor jedem Gespräch die Himmelsrichtung der Tassen und besteht auch bei Einwänden auf seiner Regel. Aus Sicht der anderen wirkt diese Gewohnheit schrullig. Die Analyse sollte zeigen, wer sich darüber amüsiert oder daran stört. Beurteilt sie anschließend einen sachlichen Einwand Antons, muss sie dessen Begründung unabhängig von dieser Eigenheit untersuchen.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Schrullig in der Übersicht der Charaktereigenschaften