selbstgefällig
In auffälliger, eitler Weise von sich selbst überzeugt und am eigenen Auftreten oder an den eigenen Leistungen Gefallen findend; abwertend gemeint.
Was bedeutet selbstgefällig?
Selbstgefällig wirkt jemand, der sein eigenes Auftreten, seine Leistungen oder seine Vorzüge mit auffälligem Wohlgefallen betrachtet. Die Person erscheint sehr von sich überzeugt und genießt dieses Bild auf eine Weise, die andere als eitel oder dünkelhaft empfinden. Das Wort ist abwertend. Es bezeichnet mehr als die verständliche Freude darüber, eine Aufgabe gut bewältigt zu haben.
Die Kritik richtet sich besonders auf den selbstbezogenen Genuss und die Überzeugung, sich wenig hinterfragen zu müssen. Sichtbar werden kann das in einem zufriedenen Lächeln nach einer eigenen Bemerkung, im ausführlichen Ausschmücken kleiner Erfolge oder im Übergehen berechtigter Einwände. Einzelne Gesten bleiben aber mehrdeutig. Eine Figurenanalyse sollte erklären, weshalb ein Lächeln als selbstgefällig und nicht einfach als erleichtert oder erfreut verstanden wird.
Drei Beispiele für selbstgefällig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Nachdem er seinen eigenen Einfall zum dritten Mal gelobt hatte, lehnte er sich selbstgefällig zurück und wartete auf Zustimmung.“
Das wiederholte Selbstlob und die erwartete Bewunderung begründen den Eindruck. Ein bloßes Zurücklehnen hätte dafür nicht genügt.
„Sie betrachtete das Ergebnis selbstgefällig und überging den Hinweis, dass die wichtigste Arbeit von einer anderen Person stammte.“
Das Wohlgefallen an der eigenen Leistung steht neben einer ausgeblendeten Tatsache. Diese Verbindung macht die Wertung als eitel nachvollziehbar.
„Seine Freude über die bestandene Prüfung war offen und erleichtert; selbstgefällig wirkte erst die anschließende Rede über die angebliche Unterlegenheit der anderen.“
Das Beispiel trennt einen berechtigten positiven Moment von einer überheblichen Erweiterung. Nicht jede Zufriedenheit ist Selbstgefälligkeit.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Selbstbewusst
- Bezeichnet Vertrauen in den eigenen Wert. Selbstgefällig kritisiert dagegen die eitle, selbstbezogene Art, sich dieses Werts zu versichern oder ihn auszukosten.
- Selbstdarstellerisch
- Hebt die Präsentation der eigenen Person vor anderen hervor. Selbstgefälligkeit kann diesen Auftritt begleiten, bezeichnet aber besonders das Wohlgefallen an sich selbst.
- Zufrieden
- Kann einen angemessenen positiven Eindruck vom Erreichten ausdrücken. Selbstgefällig fügt den Vorwurf übersteigerter Eitelkeit hinzu.
Schreibung und Grammatik
Selbstgefällig wird zusammengeschrieben und mit ä geschrieben: ein selbstgefälliger Blick, eine selbstgefällige Antwort, selbstgefälliges Lächeln. Die Steigerung lautet selbstgefälliger, am selbstgefälligsten. Das Substantiv heißt Selbstgefälligkeit. In sie lächelt selbstgefällig steht das Adjektiv adverbial; in ihr Auftreten ist selbstgefällig prädikativ.
Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Das Wort verbindet selbst mit gefällig aus der Familie von gefallen. Duden führt gefällig auf ältere deutsche Formen zurück, die zu gefallen gehören. In selbstgefällig ist das Gefallen auf die eigene Person gerichtet. Diese Wortbildung erklärt die Nähe zu Selbstbewunderung; die heutige abwertende Bedeutung umfasst darüber hinaus eitle Überzeugtheit.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Leon erzählt seinen kleinen Erfolg mehrfach, schreibt ihn allein sich selbst zu und begegnet dem Hinweis auf fremde Hilfe nur mit einem zufriedenen Lächeln. Er erscheint selbstgefällig. Die Analyse stützt das Urteil auf die Kombination aus Selbstlob und ausgeblendeter Mitwirkung. Sie sollte nicht allein aus sichtbarer Freude auf eine negative Eigenschaft schließen.
Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
