selbstironisch

Die eigenen Schwächen, Fehler oder Eigenheiten mit Ironie betrachtend und dadurch humorvolle Distanz zur eigenen Person zeigend.

Was bedeutet selbstironisch?

Selbstironisch äußert sich jemand, der die eigene Person zum Gegenstand von Ironie macht. Ein Missgeschick, eine Schwäche oder eine auffällige Eigenheit wird so dargestellt, dass zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten ein erkennbarer Abstand besteht. Häufig klingt die Äußerung wie ein Lob, während die Situation gerade dessen Gegenteil zeigt. Die sprechende Person schließt sich selbst in den humorvollen Blick ein.

Damit das funktioniert, muss das Gegenüber den Zusammenhang erkennen können. Ein ernst gemeintes Eigenlob ist keine Selbstironie, und eine direkte Aussage wie Ich habe mich geirrt ist zunächst ein Eingeständnis. Auch ein harter Vorwurf gegen sich selbst wird durch seine Selbstbezogenheit noch nicht ironisch. Selbstironie kann eine unangenehme Situation entspannen; ob sie freundlich, bitter oder ausweichend wirkt, entscheidet der konkrete Ton. Die Technik der Bedeutungsverschiebung erläutert der Artikel zur Ironie.

Drei Beispiele für selbstironisch

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Vor dem schief aufgebauten Regal sagte er selbstironisch: Mein Ruf als Meister des geraden Winkels ist wohl gesichert.“

Das vermeintliche Lob passt offensichtlich nicht zum Ergebnis. Weil der Sprecher seine eigene Arbeit meint, richtet sich die Ironie auf ihn selbst.

„Als sie zum dritten Mal am gleichen Wegweiser vorbeikam, bemerkte sie selbstironisch, auf ihren Orientierungssinn sei eben immer Verlass.“

Die Behauptung der Verlässlichkeit wird durch die Situation widerlegt. Das gemeinsame Wissen um den Umweg macht die Bemerkung verständlich.

„In seinem Vortrag zeigte er seine erste misslungene Zeichnung und kündigte sie selbstironisch als unübersehbaren Beginn einer großen Künstlerlaufbahn an.“

Die überhöhte Ankündigung und das sichtbare Anfängerbild bilden einen Kontrast. Das Beispiel beschreibt eine Form der Selbstdarstellung, ohne daraus ein Urteil über sein gesamtes Selbstvertrauen abzuleiten.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Selbstkritisch
Bezeichnet das prüfende Urteil über eigenes Denken und Handeln. Selbstironie kann Kritik enthalten, muss aber keine ausführliche oder ernsthafte Fehleranalyse leisten.
Humorvoll
Ist weiter gefasst. Humor kann sich auf vieles richten; selbstironisch benennt ausdrücklich den ironischen Blick auf die eigene Person.
Selbstabwertend
Benennt eine Herabsetzung des eigenen Werts. Selbstironie kann mit freundlicher Distanz auskommen und muss keine ernst gemeinte Geringschätzung ausdrücken.

Schreibung und Grammatik

Selbstironisch wird zusammengeschrieben: ein selbstironischer Satz, eine selbstironische Bemerkung, selbstironisches Lächeln. Die Steigerung lautet selbstironischer, am selbstironischsten. Das Substantiv ist Selbstironie. In sie kommentiert selbstironisch steht das Adjektiv adverbial; in ihr Kommentar ist selbstironisch prädikativ. Die Bezeichnung kann somit Personen, einzelne Äußerungen oder eine Darstellungsweise betreffen.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Die Zusammensetzung verbindet selbst mit ironisch und gehört zur Wortfamilie von Selbstironie. Selbst markiert, dass sich die Ironie auf die eigene Person richtet. Ironisch geht über lateinisch ironicus auf griechisch eirōnikós zurück; die heutige Zusammensetzung macht daraus eine besondere Richtung der ironischen Betrachtung.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Nach ihrem misslungenen Zaubertrick verbeugt sich Ada übertrieben und kündigt sich als Meisterin der Überraschung an. Sie begegnet dem eigenen Scheitern selbstironisch. Die Analyse nennt den Widerspruch zwischen Anspruch und Ergebnis und erklärt, weshalb die übertriebene Verbeugung als Ironiesignal wirkt. Ob Ada damit Unsicherheit überspielt oder die Panne gelassen hinnimmt, muss der weitere Text zeigen.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Selbstironisch in der Übersicht der Charaktereigenschaften