sentimental

Stark gefühlsbetont und leicht gerührt, häufig mit dem kritischen Unterton übertriebener Rührung; seltener einfach empfindsam und schwärmerisch.

Was bedeutet sentimental?

Sentimental beschreibt eine stark von Rührung und Gefühl geprägte Stimmung oder Ausdrucksweise. Häufig enthält das Wort die kritische Bewertung, dass die Gefühle zu sehr ausgestellt oder ausgedehnt werden. Es kann Menschen, Briefe, Musik, Filme oder eine bestimmte Szene kennzeichnen. Wer beim Blick auf alte Erinnerungsstücke sentimental wird, erlebt zunächst einen Zustand; daraus folgt noch keine umfassende Charaktereigenschaft.

Die Wertung ist nicht in jedem Satz gleich scharf. In einer freundlichen Selbstbeschreibung kann sentimental werden eine vorübergehende weiche, gerührte Stimmung meinen. Als Urteil über einen Film kritisiert es eher eine übermäßige Ausrichtung auf Rührung. Daneben ist der weniger gebräuchliche Sinn empfindsam und etwas schwärmerisch belegt. Deshalb lohnt es sich, auf Zusätze wie zu, angenehm oder plötzlich zu achten: Sie bestimmen Grad, Wertung und zeitlichen Bezug.

Drei Beispiele für sentimental

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Beim Lesen der alten Ferienkarten wurde sie sentimental und erzählte lange von kleinen gemeinsamen Erlebnissen.“

Die Erinnerungen lösen eine gerührte Stimmung aus. Der Satz kann liebevoll gemeint sein und muss keinen scharfen Vorwurf enthalten.

„Der Abschiedsbrief klang ihr zu sentimental, weil jeder einfache Dank in eine große Gefühlsbekundung verwandelt wurde.“

Das Wort zu markiert ausdrücklich eine kritische Bewertung. Gemeint ist die Art des Ausdrucks, nicht das grundsätzliche Recht auf Dankbarkeit oder Trauer.

„Die Inszenierung vermied einen sentimentalen Schluss und ließ den Abschied ohne ausgedehnte Musik und erklärende Gefühlsreden stehen.“

Hier geht es um die künstlerische Gestaltung von Rührung. Die zurückhaltende Darstellung kann dennoch starke Gefühle auslösen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Empfindsam
Betont die feine Aufnahme und gefühlvolle Verarbeitung von Eindrücken. Sentimental kann zusätzlich eine als übermäßig empfundene Rührung oder deren Darstellung kritisieren.
Nostalgisch
Richtet die Sehnsucht auf Vergangenes. Sentimentalität kann damit verbunden sein, aber ebenso einen gegenwärtigen Abschied oder eine erfundene Geschichte betreffen.
Emotional
Ist weiter gefasst und umfasst auch Ärger, Angst oder Begeisterung. Sentimental bezeichnet besonders den Bereich gefühlvoller Rührung und des Schwelgens darin.

Schreibung und Grammatik

Sentimental wird auf der letzten Silbe betont. Beugungsformen sind ein sentimentaler Brief, eine sentimentale Stimmung, sentimentales Erzählen. Die Steigerung lautet sentimentaler, am sentimentalsten. Das Substantiv ist Sentimentalität. In er erzählt sentimental steht das Adjektiv adverbial; in er wird sentimental beschreibt es prädikativ einen Zustandswechsel. Das Gegenwort unsentimental kann einen nüchternen, von Rührseligkeit freien Blick bezeichnen.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden führt sentimental auf das gleichlautende englische Adjektiv zurück. Dieses gehört zu sentiment, das aus dem französischen sentiment stammt. Die Wortfamilie ist mit Gefühl und Empfindung verbunden. Der Weg über das Englische gehört zur Herkunft des deutschen Adjektivs; seine heutige oft kritische Bedeutung muss aus dem jeweiligen Gebrauch erschlossen werden.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Beim Abschied erinnert sich Fenja an jede kleine gemeinsame Gewohnheit und verliert sich in einer langen, gerührten Rede. Sie wird in dieser Szene sentimental. Die Analyse kann zeigen, ob der Erzähler diese Rührung liebevoll begleitet oder durch Übertreibung auf Distanz geht. Beides verändert die Wirkung der Figur, obwohl die beschriebenen Gefühle ähnlich sein können.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Sentimental in der Übersicht der Charaktereigenschaften