stolz
Von Freude und Selbstbewusstsein über eine Leistung, eine Zugehörigkeit oder etwas Wertgeschätztes erfüllt; auch überheblich und abweisend auftretend.
Was bedeutet stolz?
Stolz beschreibt häufig eine Freude, die mit dem Bewusstsein eines Wertes oder einer Leistung verbunden ist. Man kann stolz auf etwas selbst Erreichtes sein, aber auch auf andere Menschen, eine gemeinsame Arbeit oder eine Zugehörigkeit. Das Adjektiv kann dieses Gefühl und seinen sichtbaren Ausdruck bezeichnen, etwa einen stolzen Blick nach einer bestandenen Herausforderung.
Das Wort hat zugleich eine kritischere Bedeutung: Eine stolze Person kann überheblich, unnahbar oder abweisend auftreten. In einer Wendung wie zu stolz, einen Fehler einzugestehen wird das Selbstbild zum Hindernis für eine angemessene Reaktion. Welche Bewertung gemeint ist, entscheidet der Kontext. Daneben kann stolz etwas Stattliches oder Beeindruckendes beschreiben; bei Preisen und Mengen bedeutet es umgangssprachlich beträchtlich. Ein stolzer Preis hat folglich kein Gefühl und keine Haltung, sondern wird als besonders hoch wahrgenommen.
Drei Beispiele für stolz
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Nach vielen vergeblichen Versuchen war sie stolz auf das selbst reparierte Fahrrad.“
Die Freude bezieht sich auf eine eigene Leistung und die überwundene Schwierigkeit. Eine Abwertung anderer ist damit nicht verbunden.
„Er war zu stolz, sich für seine falsche Anschuldigung zu entschuldigen.“
Hier erscheint Stolz als problematische Selbstbehauptung. Die Wahrung des eigenen Ansehens steht einer nötigen Korrektur im Weg.
„Für den schmalen Bildband verlangte der Händler einen stolzen Preis.“
Stolz verstärkt hier die Einschätzung der Höhe des Preises. Das Adjektiv bewertet weder die Gefühle des Händlers noch den Charakter des Buchs.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Selbstbewusst
- Selbstbewusstsein betrifft das Bewusstsein des eigenen Wertes und Könnens. Stolz ist häufig konkreter auf etwas Wertgeschätztes oder Erreichtes gerichtet und mit Freude verbunden.
- Überheblich
- Überheblichkeit stellt die eigene Person über andere. Stolz kann so gebraucht werden, muss diese Geringschätzung aber nicht enthalten.
- Selbstzufrieden
- Selbstzufriedenheit beschreibt das Genügen am eigenen Zustand oder Tun, oft mit kritischem Unterton. Ein stolzer Augenblick kann dagegen aus einer einzelnen gelungenen Anstrengung entstehen.
Schreibung und Grammatik
Die Steigerung lautet stolz, stolzer, am stolzesten. Die häufige Verbindung stolz auf verlangt den Akkusativ: auf seinen Fortschritt, auf die gemeinsame Arbeit. Auch ein dass-Satz ist möglich: Sie ist stolz, dass sie durchgehalten hat. Eine stolze Mutter ist attributiv, Die Mutter ist stolz prädikativ und Sie erzählt stolz von ihrer Tochter adverbial. Das Substantiv wird großgeschrieben: der Stolz.
Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Duden nennt spätalthochdeutsch stolz mit der Bedeutung hochmütig und mittelhochdeutsche Verwendungen für etwas Prächtiges oder eine hochgestimmte Haltung. Als ältere Grundvorstellung wird vorsichtig ein steifes Aufgerichtetsein angenommen. Diese letzte Deutung ist keine gesicherte wörtliche Übersetzung, sondern eine etymologische Erklärung mit Unsicherheitsvorbehalt.
Verwendung in einer Charakterisierung
Ein eigener Beleg könnte lauten: Als die Werkstatt eröffnet wird, nennt Leni die Namen aller Beteiligten und zeigt ihnen stolz die fertigen Räume. Ihre Freude gilt hier einer gemeinsam erreichten Leistung. Bei einem anderen Verhalten könnte das Urteil kritischer ausfallen: Eine Figur, die jede Hilfe als Kränkung zurückweist, zeigt möglicherweise einen abweisenden Stolz. Die Analyse sollte deshalb stets nennen, worauf sich das Gefühl richtet und wie es den Umgang mit anderen beeinflusst.
Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
