streitsüchtig
Häufig Streit suchend oder Auseinandersetzungen absichtlich herbeiführend; eine abwertende Beschreibung des Verhaltens.
Was bedeutet streitsüchtig?
Streitsüchtig nennt man eine Person, die häufig Streit sucht oder selbst beginnt. Das Adjektiv kann ebenso Äußerungen und Verhaltensweisen kennzeichnen, die auf eine Auseinandersetzung angelegt erscheinen. Es ist eine negative Bewertung: Der Streit wirkt nicht bloß unvermeidlich, sondern wird durch das Verhalten der betreffenden Person immer wieder herbeigeführt oder verschärft.
Nicht jeder Widerspruch ist streitsüchtig. Wer einer falschen Behauptung entgegentritt oder eine Grenze verteidigt, kann dafür einen nachvollziehbaren Grund haben. Entscheidend ist der Umgang mit dem Anlass: Werden selbst harmlose Bemerkungen zum Angriff umgedeutet? Werden Beleidigungen oder neue Vorwürfe eingeführt, obwohl eine sachliche Klärung möglich wäre? Solche Beobachtungen tragen die Bezeichnung eher als die bloße Häufigkeit von Meinungsverschiedenheiten. Die Endung des Wortes macht daraus keine medizinische Diagnose; in dieser Verwendung beschreibt es einen starken Hang zum Streit.
Drei Beispiele für streitsüchtig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Er reagierte streitsüchtig auf die einfache Frage nach dem Termin und warf der Kollegin sofort schlechte Absichten vor.“
Die sachliche Frage wird ohne erkennbaren Anlass zum persönlichen Konflikt gemacht. Diese Verschärfung begründet die negative Beschreibung.
„Die Nachbarin galt als streitsüchtig, weil sie selbst nach einer gemeinsamen Lösung bei jeder Begegnung neue Vorwürfe erhob.“
Das wiederkehrende Verhalten steht im Mittelpunkt. Die Formulierung galt als markiert zugleich, dass hier eine soziale Bewertung wiedergegeben wird.
„Sie widersprach der ungerechten Verteilung ruhig und begründet; streitsüchtig war ihr Einwand deshalb noch nicht.“
Das Beispiel setzt eine Grenze der Verwendung. Ein notwendiger Konflikt oder ein unbequemes Argument rechtfertigt das abwertende Etikett nicht allein.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Streitbar
- Eine streitbare Person ist bereit, ihre Auffassung nachdrücklich zu vertreten. Das kann anerkennend gemeint sein; streitsüchtig wirft dagegen eine problematische Suche nach Auseinandersetzungen vor.
- Reizbar
- Reizbarkeit beschreibt, wie leicht jemand verärgert oder aufgebracht reagiert. Streitsucht legt stärker nahe, dass Konflikte wiederholt gesucht oder angefacht werden.
- Starrsinnig
- Starrsinn betrifft das uneinsichtige Festhalten an einer Auffassung. Eine Person kann ohne lautstarken Streit starrsinnig sein; beide Merkmale sind daher gesondert zu prüfen.
Schreibung und Grammatik
Die Steigerung lautet streitsüchtiger und am streitsüchtigsten. Attributiv heißt es ein streitsüchtiger Gast oder eine streitsüchtige Bemerkung. Er ist streitsüchtig ist prädikativ; Er mischt sich streitsüchtig ein ist adverbial. Das Substantiv heißt Streitsucht. Bei einer Personenbeschreibung ist häufig eine begrenzende Ergänzung genauer, etwa in diesen Gesprächen oder gegenüber seinen Nachbarn.
Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Das Wort verbindet Streit mit süchtig. Das Zweitglied kann in Zusammensetzungen eine übermäßig starke Neigung oder ein ausgeprägtes Verlangen ausdrücken. In streitsüchtig richtet sich dieser Hang auf Auseinandersetzungen. Für das Verständnis der Wortbildung ist diese übertragene Verwendung maßgeblich, nicht die Behauptung einer bestimmten Erkrankung.
Verwendung in einer Charakterisierung
Ein eigener Beleg wäre: Sobald die anderen einen Kompromiss gefunden haben, greift Ralf eine beiläufige Formulierung auf und beginnt erneut mit persönlichen Vorwürfen. Er erscheint streitsüchtig, weil er die mögliche Verständigung wiederholt in einen neuen Konflikt verwandelt. Eine Charakterisierung sollte außerdem prüfen, ob die Figur provoziert wird oder berechtigte Interessen vertritt. Das Urteil eines Gegners ist als dessen Perspektive zu kennzeichnen.
Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
