unartig
Unartig: Vor allem von Kindern gesagt: den erwarteten Regeln des Benehmens oder Gehorsams nicht entsprechend. Das Wort gibt die bewertende Perspektive der Erwachsenen wieder.
Was bedeutet unartig?
Unartig wird häufig verwendet, wenn ein Kind Anweisungen missachtet, andere stört oder sich nach den Maßstäben der Erwachsenen schlecht benimmt. Die Bezeichnung ist breit: Sie erklärt noch nicht, ob es um Rücksicht, Höflichkeit oder bloßen Gehorsam geht.
Für eine Charakterisierung sollte daher das Verhalten konkret benannt werden. Ein Kind kann eine ungerechte Forderung ablehnen, ohne andere zu verletzen. Umgekehrt kann absichtliches Stören tatsächlich rücksichtslos sein. Der Ausdruck allein entscheidet diesen Unterschied nicht.
Beispiele und Verwendung
Die Tante nannte das Kind unartig, weil es während ihrer Erzählung ständig dazwischenrief.
So ist es gemeint: Der Vorwurf betrifft die Missachtung der Gesprächssituation.
Als unartig galt er schon, wenn er nach dem Grund einer Anweisung fragte.
So ist es gemeint: Hier kann die Bezeichnung eine überstrenge Erwartung offenlegen.
Die Geschwister waren beim Essen unartig und warfen absichtlich Brot aufeinander.
So ist es gemeint: Eine konkrete störende Handlung macht den Vorwurf nachvollziehbar.
Typische Verbindungen: ein unartiges Kind, unartig sein, unartiges Benehmen, jemanden unartig nennen.
Synonyme für unartig: passend zum Zusammenhang
Unartig tadelt vor allem kindliches Verhalten, das einer Erwartung an Benehmen oder Gehorsam widerspricht. Eine genauere Alternative zeigt, ob eine Anweisung nicht befolgt, eine Gesprächsregel verletzt oder jemand respektlos behandelt wird. Das Etikett allein entscheidet noch nicht, ob die zugrunde liegende Erwartung angemessen ist.
| Ersatzwort | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| ungehorsam | Nichtbefolgen einer Anweisung | Ist enger auf das Verhältnis zu einer Forderung bezogen. |
| frech | herausfordernden oder respektlosen Äußerungen | Kann auch spielerisch gemeint sein und braucht eine erkennbare Gesprächssituation. |
| ungezogen | getadeltem Benehmen | Ist sehr nahe und kann stärker abwertend klingen. |
Wörter im Satz vergleichen
Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.
Ausgangssatz: „Die Tante nennt das Kind unartig, weil es ihre Anweisung nicht befolgt.“
Alternative: „Die Tante nennt das Kind ungehorsam, weil es ihre Anweisung nicht befolgt.“
Ungehorsam präzisiert den Vorwurf. Ob die Anweisung verstanden und überhaupt angemessen war, bleibt zu prüfen. Die Fremdbewertung wird nicht automatisch als richtig übernommen.
Ausgangssatz: „Seine unartige Antwort macht sich über den Versprecher des anderen lustig.“
Alternative: „Seine freche Antwort macht sich über den Versprecher des anderen lustig.“
Frech betont den respektlosen sprachlichen Angriff. Hier begründet die konkrete Herabsetzung die Kritik. Eine sachliche Verständnisfrage hätte trotz möglichen Unmuts eines Erwachsenen eine andere Wirkung.
Hier passt der Austausch nicht: Selbstständig oder kritisch ist nicht unartig. Wer nach dem Grund einer Regel fragt, verletzt damit nicht notwendig Rücksicht oder Höflichkeit. Eine pauschale Ersetzung würde berechtigte Eigenständigkeit mit störendem Benehmen verwechseln.
In einer Charakterisierung sollten Handlung und Urteil getrennt werden. Zuerst ist zu beschreiben, was das Kind tut, dann, wer dies mit welcher Begründung tadelt. Unterschiedliche Handlungen derselben Figur müssen nicht dieselbe Bewertung erhalten. Neugier, absichtliches Unterbrechen und verletzender Spott haben verschiedene Wirkungen. Ein einzelner Vorfall trägt außerdem kein umfassendes Urteil über den Wert oder die unveränderliche Art des Kindes.
Weitere Abgrenzungen: Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- ungehorsam
- Betont das Nichtbefolgen einer Anweisung. Unartig umfasst auch sonstiges störendes Benehmen.
- frech
- Rückt eine herausfordernde oder respektlose Art hervor, besonders beim Sprechen.
- ungezogen
- Liegt sehr nahe und wird ebenfalls häufig auf kindliches Benehmen bezogen; der Ton kann stärker tadeln.
Artig ist der direkte Gegensatz. Selbstständig oder kritisch zu sein steht nicht grundsätzlich im Gegensatz zu rücksichtsvollem Verhalten.
Unartig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte soll Oskar beim Vorlesen leise sein. Zunächst fragt er nach einem unbekannten Wort und wird von einem Erwachsenen sofort unartig genannt. Später imitiert er absichtlich Tierlaute, obwohl andere Kinder weiter zuhören möchten. Die Vorleserin beantwortet seine Frage, bittet ihn aber, die Unterbrechungen zu beenden.
- Beobachtung: Oskar fragt zuerst sachlich nach und stört später absichtlich das Zuhören der Gruppe.
- Deutung: Die erste Verwendung von unartig ist fragwürdig; beim späteren Stören erhält der Vorwurf eine konkretere Grundlage.
- Grenze der Aussage: Die beiden Handlungen dürfen nicht unter einem einzigen Etikett verschwinden. Neugier und absichtliche Rücksichtslosigkeit haben unterschiedliche Gründe und Wirkungen.
Musterformulierung
Oskar wird zunächst als unartig bezeichnet, obwohl er lediglich eine Verständnisfrage stellt. Erst seine späteren absichtlichen Tierlaute stören erkennbar das Zuhören der anderen. Die Szene verlangt deshalb eine Unterscheidung zwischen erwachsener Fremdwertung und tatsächlich rücksichtslosem Verhalten.
Der Absatz übernimmt das Etikett nicht ungeprüft, sondern vergleicht es mit zwei unterschiedlichen Handlungen.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- un·ar·tig
- Verwandtes Nomen
- die Unart; die Unartigkeit
Unartig wird zusammengeschrieben. Es heißt ein unartiger Kommentar und mit unartigen Kindern. Die Steigerung vergleicht zugeschriebenes Fehlverhalten, keine feste Rangordnung des Werts von Kindern.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unartiger | unartige | unartiges | unartige |
| Genitiv | unartigen | unartiger | unartigen | unartiger |
| Dativ | unartigem | unartiger | unartigem | unartigen |
| Akkusativ | unartigen | unartige | unartiges | unartige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der unartige | die unartige | das unartige | die unartigen |
| Genitiv | des unartigen | der unartigen | des unartigen | der unartigen |
| Dativ | dem unartigen | der unartigen | dem unartigen | den unartigen |
| Akkusativ | den unartigen | die unartige | das unartige | die unartigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein unartiger | eine unartige | ein unartiges | keine unartigen |
| Genitiv | eines unartigen | einer unartigen | eines unartigen | keiner unartigen |
| Dativ | einem unartigen | einer unartigen | einem unartigen | keinen unartigen |
| Akkusativ | einen unartigen | eine unartige | ein unartiges | keine unartigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Unartig gehört zur Wortfamilie von Unart und artig. Im heutigen häufigen Gebrauch geht es um Verhalten, das den Erwartungen der Umgebung nicht entspricht.
