unhöflich
Unhöflich: Im Umgang mit anderen die erwartete Rücksicht und höfliche Form vermissen lassend.
Was bedeutet unhöflich?
Unhöflich kann ein Ton, eine Antwort oder ein Verhalten sein. Wer andere ständig unterbricht, eine freundliche Frage abkanzelt oder eine Bitte ohne erkennbaren Grund barsch zurückweist, kann so wirken. Das Urteil betrifft die Form des Umgangs, nicht notwendig den Inhalt einer Entscheidung.
Welche Formen als höflich gelten, hängt auch von Situation und sozialen Gewohnheiten ab. Eine klare Absage ist nicht allein deshalb unhöflich, weil sie jemandem missfällt. Ebenso darf Schweigen ohne Kenntnis der Umstände nicht automatisch als absichtliche Missachtung gelesen werden.
Beispiele und Verwendung
Er unterbrach die Besucherin unhöflich mitten im Satz.
So ist es gemeint: Die fehlende Gelegenheit zum Ausreden begründet die Bewertung.
Ihre Absage war deutlich, aber nicht unhöflich.
So ist es gemeint: Entscheidung und Umgangsform werden getrennt.
Der unhöfliche Ton erschwerte das Gespräch zusätzlich.
So ist es gemeint: Hier wird die Ausdrucksweise beurteilt.
Typische Verbindungen: unhöflich antworten, ein unhöflicher Ton, unhöflich gegenüber jemandem sein, unhöflich unterbrechen.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- unfreundlich
- Bezeichnet fehlende Freundlichkeit; ein distanzierter Mensch kann trotzdem höfliche Formen wahren.
- taktlos
- Betont mangelndes Gespür für die Empfindungen anderer, besonders in empfindlichen Situationen.
- respektlos
- Geht häufig weiter und bezeichnet eine Missachtung der Person oder ihrer berechtigten Grenzen.
Höflich, zuvorkommend und respektvoll passen je nach Verhalten als Gegenbegriffe.
Unhöflich in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte fragt eine neue Bewohnerin den Haussprecher nach dem Fahrradraum. Er lässt sie nicht ausreden, zeigt auf einen Aushang und wendet sich sofort wieder seinem Telefon zu. Als sie erklärt, dass dort die Raumnummer fehlt, seufzt er laut und nennt sie erst nach einer zweiten Nachfrage.
- Beobachtung: Der Haussprecher unterbricht, vermeidet eine einfache Antwort und reagiert demonstrativ genervt.
- Deutung: Sein Verhalten wirkt unhöflich, weil er die sachliche Bitte ohne erkennbare Not abwertend behandelt.
- Grenze der Aussage: Die Szene zeigt seinen Umgang in diesem Moment. Für ein dauerhaftes Charakterurteil wären weitere Situationen hilfreich.
Musterformulierung
Der Haussprecher verhält sich gegenüber der neuen Bewohnerin unhöflich. Er unterbricht ihre Frage und begegnet der berechtigten Nachfrage mit einem demonstrativen Seufzen. Die Bewertung stützt sich auf seine Gesprächsführung. Über seine Bereitschaft zur Hilfe in anderen Situationen sagt die kurze Begegnung dagegen wenig aus.
Die Deutung nennt beobachtbare Umgangsformen, statt bloß ein negatives Etikett zu vergeben.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- un·höf·lich
- Verwandtes Nomen
- die Unhöflichkeit
Das Adjektiv wird zusammengeschrieben. Typische Formen sind eine unhöfliche Antwort und wegen seines unhöflichen Tons.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unhöflicher | unhöfliche | unhöfliches | unhöfliche |
| Genitiv | unhöflichen | unhöflicher | unhöflichen | unhöflicher |
| Dativ | unhöflichem | unhöflicher | unhöflichem | unhöflichen |
| Akkusativ | unhöflichen | unhöfliche | unhöfliches | unhöfliche |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der unhöfliche | die unhöfliche | das unhöfliche | die unhöflichen |
| Genitiv | des unhöflichen | der unhöflichen | des unhöflichen | der unhöflichen |
| Dativ | dem unhöflichen | der unhöflichen | dem unhöflichen | den unhöflichen |
| Akkusativ | den unhöflichen | die unhöfliche | das unhöfliche | die unhöflichen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein unhöflicher | eine unhöfliche | ein unhöfliches | keine unhöflichen |
| Genitiv | eines unhöflichen | einer unhöflichen | eines unhöflichen | keiner unhöflichen |
| Dativ | einem unhöflichen | einer unhöflichen | einem unhöflichen | keinen unhöflichen |
| Akkusativ | einen unhöflichen | eine unhöfliche | ein unhöfliches | keine unhöflichen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Unhöflich verneint höflich im Sinne eines rücksichtsvollen, den Umgangsformen entsprechenden Verhaltens. Es geht dabei um die Art, wie jemand anderen begegnet.
