verlangend

Ein starkes Wünschen oder Begehren ausdrückend; als Verbform auch etwas fordernd oder voraussetzend.

Was bedeutet verlangend?

Verlangend beschreibt häufig einen Ausdruck starken Wünschens. Ein verlangender Blick lässt erkennen, dass jemand etwas haben, erleben oder erreichen möchte. Gemeint sein können Nähe, Aufmerksamkeit, ein Gegenstand oder eine Erfahrung. Das Wort kann Begehren deutlich machen, legt aber für sich genommen nicht fest, ob der Wunsch berechtigt ist oder wie die Person mit einer Ablehnung umgeht.

Als Form des Verbs verlangen besitzt verlangend außerdem den Sinn fordernd oder voraussetzend. Eine Erklärung verlangend beschreibt jemanden, der eine Erklärung fordert; viel Geduld verlangend bezieht sich auf etwas, das Geduld erfordert. Diese Verwendungen sind nicht automatisch Gefühlsbeschreibungen. Der Gegenstand des Verlangens und die Ergänzungen im Satz bestimmen, welche Lesart passt.

Drei Beispiele für verlangend

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Das Kind sah verlangend auf das letzte Stück Kuchen, wartete aber, bis alle gefragt worden waren.“

Ein deutlich sichtbarer Wunsch wird mit Rücksicht verbunden. Verlangend bedeutet hier nicht rücksichtslos.

„Nach der langen Trennung blickte sie ihn verlangend an und bat ihn, noch etwas zu bleiben.“

Im Mittelpunkt stehen Nähe und der Wunsch nach gemeinsamer Zeit. Ob dieser Wunsch erwidert wird, sagt das Adjektiv nicht.

„Eine klare Begründung verlangend, wandte sich der Sprecher noch einmal an die Leitung.“

Die Partizipgruppe beschreibt eine Forderung. Eine sehnsüchtige oder gefühlsbetonte Haltung ist damit nicht zwingend gemeint.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Fordernd
Betont den Anspruch, dass etwas geleistet oder gewährt werden soll. Verlangend kann auch ein zunächst nur ausgedrücktes Begehren beschreiben.
Sehnsüchtig
Hebt das intensive Wünschen nach etwas Entbehrtem oder Fernem hervor. Verlangend kann sich ebenso auf unmittelbar Erreichbares richten.
Bedürftig
Benennt einen Bedarf oder Mangel. Aus einem verlangenden Ausdruck folgt nicht automatisch, dass dieser Bedarf tatsächlich besteht.

Schreibung und Grammatik

Verlangend ist das Partizip I von verlangen. Vor einem Nomen wird es gebeugt: ein verlangender Blick, eine verlangende Geste, verlangendes Warten. Das Verb kann ein Akkusativobjekt haben, etwa eine Erklärung verlangen. Nach etwas verlangen richtet sich mit nach und Dativ auf das Gewünschte. Verlangend ist von verlangt zu unterscheiden: Das eine beschreibt das Verlangen, das andere kann die geforderte Sache bezeichnen.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden nennt mittelhochdeutsch verlangen als Bildung zu langen. Die ältere Bedeutungsentwicklung verbindet das zeitlich Langwerden mit dem Begehren. Für die heutige Partizipform genügt die Bildung aus verlangen und -d. Nicht jede heutige Verwendung enthält noch die Vorstellung langen Wartens: Eine sofortige Forderung kann ebenfalls etwas verlangen.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur schaut wiederholt zur Tür und bittet beim Wiedersehen darum, die gemeinsame Zeit auszudehnen. Ihr Blick lässt sich als verlangend beschreiben, wenn der Text das starke Wünschen trägt. Ob darin Zuneigung, Besitzanspruch oder bloße Ungeduld liegt, muss an weiteren Äußerungen und am Umgang mit den Wünschen des Gegenübers geprüft werden.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Verlangend in der Übersicht der Charaktereigenschaften