verlegen

In einer peinlichen oder ungewohnten Lage unsicher, wie man sich verhalten soll; um etwas verlegen sein bedeutet, es zu benötigen, nie um eine Antwort verlegen sein dagegen, stets eine Erwiderung bereitzuhaben.

Was bedeutet verlegen?

Verlegen ist jemand, der in einer unangenehmen oder ungewohnten Situation nicht recht weiß, wie er reagieren soll. Ein unerwartetes Lob, eine persönliche Frage oder eine bemerkte Ungeschicklichkeit kann eine solche Unsicherheit auslösen. Sie kann sich in einem stockenden Satz, einem Lächeln oder einer Pause zeigen. Keines dieser Zeichen beweist für sich genommen Verlegenheit; erst die Situation hilft bei der Deutung.

Die festen Wendungen um etwas verlegen sein und nie um eine Antwort verlegen sein müssen gesondert gelesen werden. Im ersten Fall fehlt etwas oder wird benötigt. Im zweiten Fall hat jemand stets eine Erwiderung parat. Wer nie um Worte verlegen ist, ist also gerade nicht sprachlos. Mit dem Verb verlegen, etwa einen Schlüssel verlegen oder Bücher verlegen, ist die heutige Personenbeschreibung ebenfalls nicht gleichzusetzen.

Drei Beispiele für verlegen

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Als ihr die Gruppe unerwartet für ihre Hilfe dankte, lächelte sie verlegen und suchte nach einer Antwort.“

Ein angenehmer Anlass führt zu Unsicherheit im Umgang. Verlegenheit setzt weder Schuld noch ein Fehlverhalten voraus.

„Nach seiner unpassenden Bemerkung entstand eine verlegene Pause, bevor jemand das Thema wechselte.“

Die Bezeichnung wird auf eine Gesprächslage übertragen. Die Pause lässt eine gemeinsame Unsicherheit erkennen.

„Auch auf die überraschende Frage fand er sofort eine Ausrede; um eine Antwort war er nie verlegen.“

Die feste Wendung bezeichnet das Bereithaben einer Erwiderung. Sie besagt nicht, dass die Antwort wahr oder überzeugend ist.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Befangen
Ist im Sinn gehemmt oder unsicher bedeutungsnah. Befangen kann außerdem ein voreingenommenes Urteil bezeichnen; verlegen hat diesen Sinn nicht.
Schüchtern
Beschreibt häufig eine zurückhaltende Art im Kontakt. Verlegen kann auch eine sonst sehr selbstsichere Person in einer einzelnen Situation sein.
Beschämt
Stellt das Schamgefühl in den Vordergrund. Wer durch Lob verlegen wird, muss sich nicht für etwas schämen.

Schreibung und Grammatik

Verlegen wird mit einfachem g geschrieben. Es heißt ein verlegener Blick, eine verlegene Geste und verlegenes Schweigen. Vergleichsformen sind verlegener und am verlegensten. Das Nomen heißt Verlegenheit. In der Wendung um eine Antwort verlegen steht um mit Akkusativ. Die Form verlegt gehört dagegen zum heutigen Verb verlegen, etwa bei einem verlegten Termin.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Nach Duden geht das Adjektiv auf mittelhochdeutsch verlegen zurück, eine Partizipform zu verligen. Dieses ältere Verb bezog sich auf Schaden oder Trägheit durch langes Liegen. Die Bedeutungsentwicklung führte über Untätigkeit und Ratlosigkeit zur heutigen Unsicherheit. Eine Erklärung über einen verlorenen Schlüssel würde die Herkunft daher verfehlen.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Nach einem unerwarteten Kompliment bricht die Figur ihre Antwort ab und lächelt. Im Zusammenhang kann sie verlegen wirken. Die Analyse sollte den Auslöser nennen und nicht allein aus dem Lächeln auf ein Schuldgefühl schließen. Tritt sie in anderen Szenen sicher auf, spricht dies für eine situationsbezogene Reaktion.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Verlegen in der Übersicht der Charaktereigenschaften