verurteilend

Ein Verhalten oder eine Person scharf missbilligend und ablehnend bewertend; im Strafverfahren einen Schuldspruch aussprechend.

Was bedeutet verurteilend?

Verurteilend beschreibt im alltäglichen Sprachgebrauch einen Blick, Ton oder eine Haltung, die starke Missbilligung erkennen lässt. Das Gegenüber wird nicht bloß befragt oder sachlich beschrieben, sondern deutlich negativ beurteilt. Die Bewertung kann eine konkrete Handlung treffen oder sich pauschal gegen eine Person richten. Für eine genaue Verwendung sollte erkennbar werden, was verurteilt wird und wie weit das Urteil reicht.

Das zugrunde liegende Verb verurteilen wird außerdem im gerichtlichen Zusammenhang gebraucht. Diese Bedeutung ist von der alltäglichen moralischen Bewertung zu unterscheiden. Ein verurteilender Kommentar ist nicht schon ein Gerichtsurteil. Ebenso bedeutet verurteilend nicht automatisch ungerecht: Ein Verhalten kann mit nachvollziehbaren Gründen scharf missbilligt werden. Ob die Bewertung angemessen ist, muss zusätzlich aus dem Zusammenhang hervorgehen.

Drei Beispiele für verurteilend

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Sie warf ihm einen verurteilenden Blick zu, nachdem er das anvertraute Geheimnis weitererzählt hatte.“

Die starke Missbilligung richtet sich hier auf einen benannten Vertrauensbruch. Das Beispiel nennt den Anlass der Reaktion.

„Sein verurteilender Ton ließ kaum Raum für die Erklärung, weshalb die Absprache nicht eingehalten worden war.“

Die Äußerungsweise erschwert eine Klärung. Der Satz beschreibt den Umgang mit der Erklärung und entscheidet noch nicht, ob sie überzeugend gewesen wäre.

„Der Bericht beschrieb die Folgen nüchtern; die spätere Stellungnahme fiel dagegen ausdrücklich verurteilend aus.“

Der Gegensatz trennt Darstellung und Bewertung. Verurteilend kennzeichnet die Haltung der Stellungnahme.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Abwertend
Setzt den Wert oder das Ansehen von etwas herab. Verurteilend betont besonders die starke Missbilligung; die Wörter können sich in einer Äußerung überschneiden.
Kritisch
Kann ein sorgfältiges Prüfen von Stärken und Schwächen bezeichnen. Verurteilend enthält bereits eine deutliche negative Bewertung.
Verurteilt
Bezieht sich auf die Person oder Sache, über die ein Urteil gefällt wird. Verurteilend kennzeichnet dagegen die urteilende Seite oder deren Ausdruck.

Schreibung und Grammatik

Verurteilend ist das Partizip I von verurteilen: verurteilen plus d. Adjektivisch gebeugt heißt es ein verurteilender Blick, eine verurteilende Antwort und ein verurteilendes Urteil. Die Endung lautet -end. Verurteilt ist dagegen das Partizip II. In sie äußert sich verurteilend steht die ungebeugte Form.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden führt das Verb auf mittelhochdeutsch verurteilen zurück. Die heutige Partizipbildung verurteilend verbindet dieses Verb mit der Vorstellung einer ausgeübten Handlung oder Haltung. Die Richtung bleibt entscheidend: Eine verurteilende Äußerung spricht eine negative Bewertung aus, eine verurteilte Handlung ist deren Gegenstand.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur weist eine Erklärung zurück und bezeichnet den anderen wegen eines einzigen Vorfalls insgesamt als schlechten Menschen. Ihr Ton ist verurteilend; die pauschale Ausweitung des Urteils lässt sich am Wortlaut belegen. Ob damit eine dauerhaft harte Haltung erfasst wird, hängt davon ab, ob weitere Szenen diesen Umgang mit Menschen bestätigen.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Verurteilend in der Übersicht der Charaktereigenschaften