verwegen
Kühn und draufgängerisch auftretend oder handelnd, dabei Gefahren wenig achtend; seltener auch auffallend ungewöhnlich.
Was bedeutet verwegen?
Verwegen bezeichnet eine auffallend kühne, vor Risiken wenig zurückschreckende Art. Eine verwegene Person geht ein Wagnis ein, ein verwegener Plan erscheint außergewöhnlich gewagt. Das Wort kann Bewunderung ausdrücken, aber auch die Frage aufwerfen, ob Gefahren unterschätzt werden. Es besagt deshalb weder automatisch, dass das Vorgehen klug ist, noch dass es scheitern muss.
Daneben gibt es einen selteneren, veraltend oder spöttisch wirkenden Gebrauch für etwas auffällig Ungewöhnliches, etwa eine verwegene Aufmachung. Zwischen einem verwegenen Aussehen und tatsächlichem Verhalten besteht ein Unterschied. Kleidung oder eine Pose können einen kühnen Eindruck vermitteln, ohne etwas darüber zu beweisen, wie jemand in einer schwierigen Lage handelt.
Drei Beispiele für verwegen
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Ihr verwegener Plan sah vor, das scheinbar unspielbare Stück mit einem einzigen Darsteller aufzuführen.“
Das Wagnis besteht hier in einer ungewöhnlichen künstlerischen Entscheidung. Körperliche Gefahr gehört nicht notwendig zur Bedeutung.
„Der verwegene Reiter setzte über das Hindernis, während die anderen noch nach einem sicheren Weg suchten.“
Die Szene stellt sein Wagnis der Vorsicht anderer gegenüber. Ob es Können oder Leichtsinn zeigt, müsste der weitere Text klären.
„Mit dem schrägen Hut und dem langen Mantel gab er sich ein verwegenes Aussehen.“
Die Aussage betrifft eine inszenierte Wirkung. Tatsächlich bewiesener Mut ist damit nicht festgestellt.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Beherzt
- Betont mutiges und entschlossenes Handeln. Verwegen lässt stärker eine Bereitschaft zum Wagnis und zum Übergehen von Gefahren anklingen.
- Leichtsinnig
- Bewertet den Umgang mit Risiken deutlich kritisch. Verwegen kann denselben Zug enthalten, aber auch bewundernd gebraucht werden.
- Mutig
- Benennt den Umgang mit Angst oder Gefahr allgemeiner. Mut kann sich auch in besonnenem Handeln zeigen und muss nicht verwegen wirken.
Schreibung und Grammatik
Verwegen wird mit einfachem g geschrieben. Die Formen lauten ein verwegener Plan, eine verwegene Figur und ein verwegenes Wagnis. Vergleiche sind verwegener, am verwegensten. Das Nomen heißt Verwegenheit. In er wirkt verwegen bleibt das Adjektiv ungebeugt.
Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Duden erklärt verwegen als ältere Partizipform zu sich verwegen, sich frisch zu etwas entschließen, und stellt die Wortfamilie zu wegen beziehungsweise wägen. Das Wort ist daher nicht einfach als eine Bildung zu Weg zu deuten. Die ältere Vorstellung des Entschlusses lebt im heutigen Bild einer kühn zum Wagnis bereiten Person weiter.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur entscheidet sich für den ungewissen Versuch, obwohl sichere Alternativen bereitstehen und andere auf die Gefahr hinweisen. Ihr Vorgehen wirkt verwegen. Die Analyse kann anschließend prüfen, ob die Erzählung diesen Entschluss bewundert oder problematisiert. Dazu sind Ergebnis, Erzählton und Folgen für andere aussagekräftiger als das Adjektiv allein.
Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
