voreingenommen

Durch ein bereits feststehendes Vorurteil in der Wahrnehmung oder Beurteilung bestimmt und deshalb nicht unvoreingenommen prüfend.

Was bedeutet voreingenommen?

Voreingenommen ist jemand, dessen Urteil über eine Person oder Sache bereits durch ein Vorurteil geprägt wird. Neue Informationen werden dann nicht offen geprüft, sondern passend zur vorgefassten Meinung ausgewählt oder gedeutet. Das kann eine negative, aber auch eine übermäßig günstige Haltung sein. Entscheidend ist nicht allein die Richtung des Urteils, sondern seine Bindung an die vorherige Festlegung.

Eine begründete Meinung macht noch nicht voreingenommen. Wer Erfahrungen berücksichtigt und seine Einschätzung bei neuen Belegen ändern kann, prüft anders als jemand, der jedes Gegenargument von vornherein abweist. Ebenso ist der Vorwurf selbst zu begründen: Eine abweichende Bewertung lässt sich nicht allein dadurch entkräften, dass man das Gegenüber voreingenommen nennt.

Drei Beispiele für voreingenommen

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der Kritiker war gegenüber der jungen Autorin voreingenommen und deutete selbst gelungene Stellen als bloßen Zufall.“

Die unterschiedliche Behandlung von bestätigenden und widersprechenden Eindrücken zeigt die vorgefasste Haltung.

„Weil sie ihren alten Freund für unfehlbar hielt, beurteilte sie den Streit zu seinen Gunsten, ohne die andere Seite anzuhören.“

Voreingenommenheit kann auch eine bevorzugte Person betreffen. Sie ist nicht auf ausdrückliche Feindseligkeit beschränkt.

„Er hatte zunächst eine negative Erwartung, änderte sein Urteil aber nach der Aufführung und begründete die Korrektur.“

Das Beispiel zeigt Offenheit für neue Eindrücke. Eine frühere Erwartung muss nicht jedes spätere Urteil festlegen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Befangen
Kann ebenfalls ein eingeschränktes, parteiisches Urteil meinen, bezeichnet aber auch soziale Gehemmtheit. Nur der erste Sinn liegt hier nahe.
Kritisch
Kann ein sorgfältiges Prüfen bedeuten. Ein kritischer Einwand ist nicht schon voreingenommen, wenn er begründet und für Gegenargumente offen ist.
Überzeugt
Beschreibt eine feste Auffassung. Ob diese auf Prüfung oder auf Vorurteilen beruht, muss der Zusammenhang zeigen.

Schreibung und Grammatik

Voreingenommen wird zusammengeschrieben und enthält zwei m. Formen sind ein voreingenommener Beobachter, eine voreingenommene Kritik und ein voreingenommenes Urteil. Es heißt jemandem gegenüber voreingenommen sein; gegenüber steht hier mit Dativ. Das Nomen lautet Voreingenommenheit. Unvoreingenommen ist das unmittelbare Gegenwort.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Die heutige Form lässt die Bestandteile vor und eingenommen erkennen. Für das Verständnis ist die Vorstellung einer schon vor der offenen Prüfung bestimmten Haltung hilfreich. Diese Erklärung des Wortaufbaus ist von einer historischen Erstbelegung zu unterscheiden. Die feste Gesamtbedeutung betrifft das durch Vorurteile beeinflusste Urteil.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur nimmt jedes Gerücht über den Nachbarn als Bestätigung an, erklärt aber überprüfbare Gegenbelege für bedeutungslos. Sie urteilt ihm gegenüber voreingenommen. Die Analyse zeigt das ungleiche Prüfen der Informationen. Ein einzelner Irrtum würde dasselbe Urteil noch nicht tragen, wenn die Figur ihn anschließend bereitwillig korrigiert.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Voreingenommen in der Übersicht der Charaktereigenschaften