wehleidig

Schon bei als gering eingeschätzten Schmerzen oder Beschwerden auffällig klagend; eine wertende Beschreibung von Empfindlichkeit und Klageverhalten.

Was bedeutet wehleidig?

Wehleidig nennt man jemanden, der nach Einschätzung der sprechenden Person schon bei kleinen Schmerzen stark klagt. Das Adjektiv kann auch Stimme, Gesichtsausdruck oder Reaktion betreffen. Es enthält eine Bewertung des Verhältnisses zwischen Anlass und Klage. Wie stark der Schmerz tatsächlich erlebt wird, lässt sich aus diesem Urteil allein jedoch nicht erkennen.

Deshalb ist wehleidig kein neutraler Ersatz für schmerzempfindlich oder leidend. Es kann die Beschwerden eines anderen abwerten. In einer genauen Beschreibung sollte sichtbar werden, wer das Urteil fällt und welche Situation dazu führt. Eine Person, die Schmerzen äußert, ist dadurch noch nicht wehleidig; auch ein unauffälliger Anlass beweist keine geringe Belastung.

Drei Beispiele für wehleidig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der Erzähler nennt den Reisenden wehleidig, weil dieser über jede kleine Unbequemlichkeit ausführlich klagt.“

Die Wertung wird der Erzählstimme zugeordnet. Die Analyse kann anschließend prüfen, wie der Text sie stützt.

„Mit wehleidiger Stimme beklagte die Figur immer wieder den kurzen Fußweg, obwohl sie selbst die Route gewählt hatte.“

Das Wort beschreibt die klagende Art des Vortrags. Die eigene Entscheidung verstärkt im Beispiel den kritischen Eindruck.

„Sie wies die Bezeichnung wehleidig zurück und erklärte, dass die Beschwerden für die anderen kaum sichtbar seien.“

Die Gegenrede zeigt, dass eine solche Bewertung umstritten sein kann.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Schmerzempfindlich
Benennt eine Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen ohne den zusätzlichen Vorwurf des übermäßigen Klagens.
Weinerlich
Beschreibt einen zum Weinen oder Jammern neigenden Ausdruck. Schmerzen müssen dabei nicht im Mittelpunkt stehen.
Wehmütig
Bezeichnet eine stille, oft mit Erinnerung oder Verlust verbundene Traurigkeit. Trotz ähnlichen Wortanfangs hat es eine andere Bedeutung.

Schreibung und Grammatik

Wehleidig wird mit eh und ei geschrieben. Formen sind ein wehleidiger Ton, eine wehleidige Klage und wehleidiges Verhalten. Die Steigerung lautet wehleidiger, am wehleidigsten. Das Substantiv heißt Wehleidigkeit. Mit Formulierungen wie wirkt wehleidig oder wird als wehleidig bezeichnet lässt sich der einschätzende Charakter des Urteils kenntlich machen.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden vermutet eine Zusammenbildung aus der älteren geläufigen Wendung Weh und Leid. Die Herkunft ist dort ausdrücklich nicht als sicher gekennzeichnet. Die Bestandteile gehören zum Bereich von Schmerz und Leiden; die heutige kritische Bewertung des Klagens muss dennoch aus dem Gebrauch erschlossen werden.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Eine Nebenfigur verspottet den Reisenden als wehleidig, während seine Gedanken eine für die anderen unbekannte Belastung zeigen. Die Analyse sollte beide Ebenen berücksichtigen. Sie kann das Etikett als Ausdruck der Perspektive der Nebenfigur untersuchen, statt es ungeprüft zu übernehmen. So erklärt sie zugleich die Bedeutung des Wortes und seine Funktion in der Szene.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Wehleidig in der Übersicht der Charaktereigenschaften