ambivalent

Ambivalent: Zwiespältig: gegensätzliche Gefühle, Bewertungen oder Haltungen bestehen nebeneinander.

Bedeutung

Das Adjektiv ambivalent bedeutet doppeldeutig, doppelsinnig oder dass etwas in sich widersprüchlich ist und wird vor allem in der Bildungs- und Fachsprache gebraucht.

Ist eine Sache ambivalent gibt es oft zwei oder aber mehrere Ebenen. Diese können gegensätzlich sein, müssen sich aber nicht widersprechen. So könnten etwa die Gefühle gegenüber einer Person ambivalent sein: also beispielsweise positiv und negativ. So können sich widersprechende Wünsche, Gefühle oder Gedanken gleichzeitig nebeneinander bestehen.

Teils wird das Wort auch gebraucht, um eine Sache tatsächlich als widersprüchlich zu kennzeichnen. So wäre es ambivalent, sich für eine gute Bezahlung einzusetzen und den eigenen Angestellten lediglich den Mindestlohn auszuzahlen.

Das Wort ambivalent setzt sich aus dem lateinischen ambi für von zwei Seiten und valens für stark und mächtig zusammen. Das Wort ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts belegt.

Außerdem kann man von der Ambivalenz einer Sache sprechen und meint damit das Gleiche. Allerdings wird das Nomen vor allem in der Medizin und Psychologie gebraucht.

Der Psychiater Eugen Bleuler beschrieb die Ambivalenz etwa als Hauptsymptom der Schizophrenie und definierte es als ein Nebeneinanderbestehen von entgegengesetzten Gefühlen, was in der Folge einen inneren Zustand psychischer Zerrissenheit bei einer Person bewirken kann.

Eugen Bleuler ist demnach der "Erfinder" des Wortes, wobei es 1910/11 als eine Art gelehrte Wortneuschöpfung galt[1], dann in zahlreichen psychologischen Abhandlungen aufgegriffen wurde und in der Folge seinen Weg in die deutsche Sprache fand.

Folglich werden Ambivalenz sowie ambivalent seither auch in der Literatur verwendet, wobei die Wörter aber vor allem seit den 1960er Jahren immer häufiger in schriftlichen Werken auftauchen und gebraucht werden.[2]

1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
1. Quelle: Ngram Viewer

Beispiele

Meine Gefühle zu ihr sind ambivalent. Einerseits liebe ich ihr Selbstbewusstsein und die Art und Weise, wie sie mit anderen umgeht. Andererseits ist es mir unangenehm, dass sie immer im Mittelpunkt stehen muss und unglaublich laut ist. Vielleicht ist es eine Art Hassliebe? Ich weiß es nicht.
Deine Aussagen sind ambivalent. Du kannst doch nicht einerseits Geld für Menschen in Not spenden, aber auf der anderen Seite für ihre Not verantwortlich sein.
[...] seit der Amtsübernahme verfolgt seine Regierung jedoch eine ambivalentere Politik, [...] oft widerspricht sich der Präsident selbst.
Moritz Baumstieger, “Die Mär von den roten Linien”
Nicht neu, aber erneut schön provozierend ambivalent: Batman selbst, ein Traum von einem gerechten Faustrechts-Fanatiker, der [...] Sehnsüchte nach dem "guten Diktator" [...] beflügelt.
Timur Vermes, “Die Rückkehr des Dunklen Millers”
Doch man weiß, welche ambivalenten Gefühle die Natur im Mann erregt. Er beutet sie aus, aber sie drückt ihn nieder, er wird aus ihr geboren und stirbt in ihr, sie ist der Ursprung seines Seins und das Reich, das er seinem Willen unterwirft.
- Simone de Beauvoir

Ambivalent, mehrdeutig oder unentschlossen?

Besonders verständlich wird ambivalent, wenn du die beiden Seiten benennst: „einerseits …, andererseits …“. So erfährt der Leser, worin der Zwiespalt besteht. Die Aussage „Ich finde das ambivalent“ bleibt dagegen ohne weiteren Kontext vage.

Ambivalent
Gegensätzliche Gefühle oder Bewertungen stehen nebeneinander. Man freut sich zum Beispiel auf einen Umzug und bedauert gleichzeitig, die bisherige Umgebung zu verlassen.
Mehrdeutig
Eine Formulierung lässt unterschiedliche Lesarten zu. Dabei muss niemand einen inneren Zwiespalt empfinden. Sprachliche Mehrdeutigkeit wird auch als Ambiguität bezeichnet.
Unentschlossen
Eine Entscheidung steht noch aus. Das kann an fehlenden Informationen liegen und muss nicht auf gegensätzlichen Gefühlen beruhen.

Eigene Beispielsätze mit Erklärung

„Ihre Gefühle vor dem Umzug sind ambivalent: Sie freut sich auf den Neuanfang und wird ihre Freunde vermissen.“

Freude und Bedauern richten sich gleichzeitig auf dieselbe Veränderung.

„Der Erzähler zeichnet ein ambivalentes Bild des Königs: Er hilft Bedürftigen, duldet aber keinen Widerspruch.“

Das Bild verbindet gegensätzliche Wertungen einer Figur. Es geht hier nicht um eine unklare Wortbedeutung.

„Ich stehe dem Vorschlag ambivalent gegenüber: Die Idee überzeugt mich, ihre Folgen machen mir Sorgen.“

Der zweite Satzteil benennt den Grund der zwiespältigen Haltung.

Wortgebrauch und Diagnose auseinanderhalten: Ambivalente Gefühle sind zunächst eine Beschreibung eines Zwiespalts. „Schizophren“ ist dafür kein sachgerechtes allgemeines Synonym. Aus dem Adjektiv lässt sich keine medizinische Diagnose ableiten.

Ambivalenz in einer Charakterisierung

Unterscheide, ob die Figur selbst einen Zwiespalt erlebt oder ob ihre Darstellung bei Lesern gegensätzliche Bewertungen hervorruft. Beides lässt sich beschreiben, braucht aber unterschiedliche Belege.

Die Haltung der Figur zum Aufbruch ist ambivalent: Sie erhofft sich Freiheit, fürchtet jedoch zugleich den Verlust ihrer vertrauten Umgebung.

Eigene Musterformulierung. In der Charakterisierung belegst du beide Seiten mit passenden Textstellen.

Grammatik

Positiv
Grundform
Komparativ
1. Steigerung
Superlativ
2. Steigerung
ambivalent ambivalenter am ambivalentesten
Starke Deklination
Maskulin Feminin Neutrum Plural
Nominativ ambivalenter ambivalente ambivalentes ambivalente
Genitiv ambivalenten ambivalenter ambivalenten ambivalenter
Dativ ambivalentem ambivalenter ambivalentem ambivalenten
Akkusativ ambivalenten ambivalente ambivalentes ambivalente
Schwache Deklination
Maskulin Feminin Neutrum Plural
Nominativ der
ambivalente
die
ambivalente
das
ambivalente
die
ambivalenten
Genitiv des
ambivalenten
der
ambivalenten
des
ambivalenten
der
ambivalenten
Dativ dem
ambivalenten
der
ambivalenten
dem
ambivalenten
den
ambivalenten
Akkusativ den
ambivalenten
die
ambivalente
das
ambivalente
die
ambivalenten
Gemischte Deklination
Maskulin Feminin Neutrum Plural
Nominativ ein
ambivalenter
eine
ambivalente
ein
ambivalentes
keine
ambivalenten
Genitiv eines
ambivalenten
einer
ambivalenten
eines
ambivalenten
keiner
ambivalenten
Dativ einem
ambivalenten
einer
ambivalenten
einem
ambivalenten
keinen
ambivalenten
Akkusativ einen
ambivalenten
eine
ambivalente
ein
ambivalentes
keine
ambivalenten

Synonyme

Die folgende Sammlung umfasst auch Wörter aus dem weiteren Bedeutungsumfeld. Welche Alternative passt, hängt vom konkreten Satz ab; die Unterschiede werden oben erläutert.

  • ambigue
  • doppeldeutig
  • doppelsinnig
  • gespalten
  • mehrdeutig
  • paradox
  • vieldeutig
  • widersprüchlich
  • zwiespältig

Quellen und weiterführende Seiten

Zur Wortbedeutung und Schreibung: Duden: ambivalent.

Ambivalent in der Übersicht der Charaktereigenschaften · Fremdwörterbuch

Inhalt überarbeitet am 1. Oktober 2026.