morbide
Bedeutung
Im medizinischen Zusammenhang werden Lebewesen als morbide bezeichnet, die (stark) erkrankt sind. Hier ist gemeint, dass der Körper Widerständen von außen nicht mehr oder nur schlecht standhalten kann und vermutlich sterben wird. Das Wort wird aber auch für kränkliche Lebewesen verwendet oder kann zur Beschreibung des Äußerlichen genutzt werden, wenn ein Lebewesen lediglich krank aussieht. Beispielsweise könnte die morbide Blässe der Wangen auf eine Krankheit schließen lassen. Daher können auch blasse Farben im übertragenen Sinne mit dem Fremdwort bezeichnet werden.
Aber auch Gedanken und Stimmungen können als morbide bezeichnet werden, wenn sie um den Tod, den Verfall oder die Vergänglichkeit im Allgemeinen kreisen. Demnach können auch Inhalte mit ebendiesem Wort bezeichnet werden - etwa dann, wenn sich ein Gespräch unentwegt um das Thema Tod dreht.
Darüber hinaus kann sich das Wort auf Dinge beziehen, die im Begriff sind, zu verfallen. Zumeist sind hiermit Werte, also sittliche und moralische Zustände, gemeint, weshalb eine Gesellschaft als morbide bezeichnet werden kann, wenn sie moralische Werte verwirft oder überschreitet. Es werden dabei zumeist abstrakte Dinge und keine konkreten, wie etwa ein Bauwerk oder Ähnliches, mit dem Wort bezeichnet.
In der Dekadenzdichtung wurde Vergänglichkeit zum Kulturgut und ist ein wesentliches Merkmal der literarischen Epoche des Fin de Siècle, in der Endzeitstimmung, Lebensüberdruss sowie Weltschmerz und die Faszination des Todes prägend sind.
Das Wort morbide, teils auch ohne den abschließenden Vokal als morbid geschrieben, entstammt dem gleichbedeutenden französischen Begriff morbide, das als krank oder ungesund übersetzt wird. Dieses hat seinen Ursprung im lateinischen morbidus, mit dem ein krankhafter Zustand oder etwas Krankmachendes beschrieben wurde.[1]
Die deutsche Sprache kennt den Begriff seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis zur Zeit der Jahrhundertwende um 1900 nahmen literarische Strömungen um die Dekadenzdichtung zu.
Vermutlich begründet sich daher auch die starke Zunahme des Wortes in deutschen Schriften dieser Zeit. Etwa 100 Jahre später, also seit der Jahrtausendwende, ist die Verwendung des Begriffes hierzulande wieder rückläufig.[2]
Das abgeleitete Substantiv lautet Morbidität, das es lediglich in der Einzahl gibt. Gegenwörter, also sprachliche Gegenteile, sind geheilt oder gesund und in Bezug auf Gedanken und Stimmungen hoffnungsfroh oder auch zuversichtlich.
1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
2. Quelle: Ngram Viewer
Beispiele
Ihr Gesicht hatte etwas Morbides an sich, das faszinierte – die leicht eingefallenen Wangen, das schmale Gesicht und der Rauch, der wie in Zeitlupe aus ihrem Mund strömte.
Der junge Mann ist morbide im letzten Stadium und wird den Kamp gegen die Krankheit vermutlich nicht schaffen.
Gangster und Cowboys, Farmer, Geistliche, Rockstars, Filmstars, Spieler - vor allem: zerrüttete Familien - bevölkern diesen morbiden Kosmos.
Der Spiegel, "Kultur-Cowboy in allen Sätteln"
Ein morbides Stillleben – es zeichnet sich durch eine halb abgebrannte Kerze, einen Totenschädel und einige welke Laubblätter aus.
Der Spaziergang über einen Friedhof hat zweifelsohne etwas Morbides an sich.
Jetzt wird auf Fotostrecken im Internet der Charme des Morbiden kunstvoll dokumentiert. Besucher, die das Gelände verbotenerweise betreten haben, preisen die Klinik sogar als „Beelitz Heilstätten von Pankow“.
Thomas Schubert, "Der morbide Charme des Ex-Kinderkrankenhauses von Weißensee"
Unsere Gesellschaft ist krank und kann als morbide bezeichnet werden. Wir haben schon vor Jahrzehnten unseren moralischen Kompass verloren.
Grammatik
| Positiv Grundform |
Komparativ 1. Steigerung |
Superlativ 2. Steigerung |
|---|---|---|
| morbid | morbider | am morbidesten |
| Starke Deklination | ||||
|---|---|---|---|---|
| Maskulin | Feminin | Neutral | Plural | |
| Nominativ | morbider | morbides | morbide | morbide |
| Genitiv | morbiden | morbiden | morbider | morbider |
| Dativ | morbidem | morbidem | morbider | morbiden |
| Akkusativ | morbiden | morbides | morbide | morbide |
| Schwache Deklination | ||||
| Maskulin | Feminin | Neutral | Plural | |
| Nominativ | der morbide |
das morbide |
die morbide |
die morbiden |
| Genitiv | des morbiden |
des morbiden |
der morbiden |
der morbiden |
| Dativ | dem morbiden |
dem morbiden |
der morbiden |
den morbiden |
| Akkusativ | den morbiden |
das morbide |
die morbide |
die morbiden |
| Gemischte Deklination | ||||
| Maskulin | Feminin | Neutral | Plural | |
| Nominativ | ein morbider |
ein morbides |
eine morbide |
keine morbiden |
| Genitiv | eines morbiden |
eines morbiden |
einer morbiden |
keiner morbiden |
| Dativ | einem morbiden |
einem morbiden |
einer morbiden |
keinen morbiden |
| Akkusativ | einen morbiden |
ein morbides |
eine morbide |
keine morbiden |
Synonyme
- anfällig
- angegriffen
- angekränkelt
- angeschlagen
- krankheitsanfällig
- kränkelnd
- kränklich
- labil
- nicht widerstandsfähig
- schwach
- schwächlich
- ungesund
- düster
- melancholisch
- schwermütig
- trübsinnig
- brüchig
- dekadent
- im Verfall begriffen
- krank
- marode
- morsch
- verdorben
- von Zerfall gekennzeichnet
