du Arme

In der Anrede du Arme schreibt man Arme groß: Das Adjektiv wird wie ein Nomen für eine Person gebraucht. Mit einem ausdrücklich genannten Nomen heißt es dagegen „du arme Frau“. Für einen Mann lautet die entsprechende Anrede „du Armer“.

Was drückt du Arme aus?

Die Wendung zeigt meistens Mitgefühl: Jemand hat Pech, ist erschöpft oder befindet sich in einer unangenehmen Lage. Arm bedeutet dabei nicht unbedingt, wenig Geld zu besitzen. „Du Arme, jetzt musst du alles noch einmal schreiben“ bezieht sich etwa auf eine belastende Aufgabe.

Wie die Anrede ankommt, hängt auch vom Ton und von der Beziehung ab. Sie kann herzlich sein, aber ebenso herablassend oder ironisch wirken. Wer nicht sicher ist, ob die andere Person als hilflos angesprochen werden möchte, kann konkreter reagieren: „Das klingt anstrengend. Kann ich dir etwas abnehmen?“

Warum Arme großgeschrieben wird

In „du Arme“ steht Arme selbst für die angesprochene Person. Es handelt sich um ein substantiviertes Adjektiv; ein Artikel ist dafür nicht zwingend nötig. Dass du ein Pronomen ist, verhindert diese Substantivierung nicht.

Wird ein Nomen ausdrücklich ergänzt, bezieht sich arm auf dieses Nomen und bleibt klein: „du arme Freundin“, „du armer Kerl“. Die Unterscheidung lässt sich auch bei anderen Anreden beobachten. Entscheidend ist, ob das Eigenschaftswort selbst die Person bezeichnet oder ein genanntes Nomen näher beschreibt.

Das Pronomen du bleibt im gewöhnlichen Text klein. In Briefen und vergleichbaren persönlichen Mitteilungen ist auch Du möglich; am Satzanfang wird es ohnehin großgeschrieben. Die Frage Du oder du ist von der Großschreibung in Arme getrennt zu beurteilen.

AnredeErklärung
du ArmeWeibliche Person; substantiviertes Adjektiv
du ArmerMännliche Person; substantiviertes Adjektiv
ihr ArmenMehrere Personen; substantiviertes Adjektiv
du arme FrauArm ist Attribut zum ausdrücklich genannten Nomen

Anrede und Satzzeichen

Die Anrede wird vom restlichen Satz durch Komma abgetrennt: „Du Arme, das war bestimmt unangenehm.“ Steht sie eingeschoben, wird sie beidseitig abgegrenzt: „Das hast du, du Arme, nicht verdient.“ Als selbstständiger Ausruf kann sie allein stehen: „Du Arme!“

Die Endung richtet sich hier nach der angesprochenen Person beziehungsweise der Mehrzahl. Es ist keine Steigerungsfrage: Mit „Arme“ wird in dieser Anrede nicht die finanzielle Situation einer Person gemessen. Für eine allgemeine grammatische Erklärung ist die Nominalisierung der passende Begriff.

Drei eigene Beispiele mit Erklärung

„Du Arme, der ganze Text ist verschwunden!“
Die Sprecherin zeigt Mitgefühl wegen eines Missgeschicks. Der Ausdruck steht als Anrede vor dem restlichen Satz.

„Ich hoffe, du Arme hast morgen etwas mehr Ruhe.“
Du Arme gehört hier als Subjekt zum Satz; es ist keine herausgelöste Anrede. Deshalb setzt man nicht allein wegen Arme zusätzliche Kommas.

„Du arme Maus, der Besuch war dir wohl zu laut.“
Maus ist ausdrücklich genannt. Arm wird als zugehöriges Adjektiv klein geschrieben; die ganze Wortgruppe ist eine bildhafte Anrede.

Mitgefühl konkret ausdrücken

In einem erfundenen Dialog kann „du Arme“ viel über die Beziehung zweier Figuren verraten. Für die Deutung genügt die Wendung allein jedoch nicht: Reaktion, Tonbeschreibung und weitere Handlungen müssen dazukommen. Ein freundlich gemeinter Satz kann anders ankommen als beabsichtigt.

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