abergläubisch
Abergläubisch: An vermeintliche Vorzeichen oder übernatürliche Wirkungen bestimmter Handlungen und Dinge glaubend.
Was bedeutet abergläubisch?
Das Adjektiv abergläubisch beschreibt Vorstellungen, nach denen etwa bestimmte Zeichen Glück oder Unglück ankündigen oder ein Gegenstand den Ausgang eines Ereignisses beeinflusst. Es kann sich auf Menschen, Befürchtungen und Handlungen beziehen. Die Bezeichnung ist eine Einordnung durch die sprechende Person. Deshalb sollte in einer Textanalyse deutlich werden, welche Vorstellung tatsächlich vorliegt und wer sie als Aberglauben bewertet. Eine ungewöhnliche Gewohnheit allein belegt noch keinen entsprechenden Glauben. Entscheidend ist, welche Bedeutung die Person dieser Gewohnheit gibt.
Drei Beispiele für abergläubisch
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Vor jedem Auftritt berührt die abergläubische Sängerin denselben Knopf, weil sie glaubt, dadurch eine Panne zu verhindern.“
Entscheidend ist die zugeschriebene Wirkung des Knopfes. Eine bloße Routine vor einem Auftritt hätte noch nicht dieselbe Bedeutung.
„Jonas lehnt das Zimmer wegen seiner Nummer ab und begründet dies mit abergläubischer Furcht vor Unglück.“
Der Satz verbindet die Handlung mit einer konkreten Vorstellung. Ohne diese Begründung könnte die Ablehnung zahlreiche andere Ursachen haben.
„Die Erzählerin bezeichnet die Dorfbewohner als abergläubisch, während diese ihre Warnungen für berechtigt halten.“
Die Bezeichnung und die Selbstdeutung der Figuren fallen auseinander. Dieser Unterschied kann für die Erzählperspektive wichtig sein.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Ängstlich
- Angst kann auf einer tatsächlichen Gefahr beruhen. Abergläubisch benennt eine bestimmte Art der Deutung von Zeichen und Wirkungen.
- Religiös
- Religiös beschreibt eine Beziehung zu Religion. Die Wörter sind nicht austauschbar; abergläubisch enthält eine besondere Bewertung bestimmter Glaubensvorstellungen.
Schreibung und Grammatik
Das Wort ist ein Adjektiv und wird mit äu geschrieben: abergläubisch. Formen sind ein abergläubischer Gedanke, eine abergläubische Vorstellung und ein abergläubisches Verhalten. Ohne nachfolgendes Nomen heißt es beispielsweise: Sie handelt abergläubisch. Die Steigerungen lauten abergläubischer und am abergläubischsten. Das zugehörige Substantiv Aberglaube wird großgeschrieben: der Aberglaube, des Aberglaubens.
Die allgemeinen Regeln zur Beugung und Verwendung erklärt die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Das Adjektiv gehört zur Wortfamilie von Aberglaube. Der Bezug zu Glaube ist auch an der Schreibung mit äu erkennbar. Das Eigenschaftswort kann die Person selbst oder etwas aus ihrem Glauben Entstehendes kennzeichnen, beispielsweise eine abergläubische Befürchtung.
Verwendung in einer Charakterisierung
In einer Charakterisierung sollte die zugeschriebene Wirkung ausdrücklich genannt werden. Eigene Musterformulierung: Die Sängerin erscheint abergläubisch, weil sie den Erfolg ihres Auftritts von der Berührung eines bestimmten Knopfes abhängig macht. Ein genauer Textbeleg muss zeigen, dass sie an diese Wirkung glaubt. Tut sie das nur scherzhaft, wäre die uneingeschränkte Charakterisierung zu stark. Unterscheide außerdem zwischen der Haltung einer Figur und dem Urteil des Erzählers über diese Haltung.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, zeigt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Wörterbuchangaben geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
