begierig

Begierig: Von einem starken Wunsch oder Verlangen nach etwas erfüllt.

Was bedeutet begierig?

Begierig bezeichnet ein deutliches, oft drängendes Verlangen. Jemand möchte etwas erfahren, erleben, erhalten oder tun und richtet seine Aufmerksamkeit entsprechend darauf. Das kann Wissensdurst, gespannte Erwartung, Genuss oder ein besitzergreifendes Interesse sein. Die Wertung hängt vom Gegenstand und vom Umgang mit dem Wunsch ab. Begierig ist deshalb nicht in jedem Satz ein Vorwurf mangelnder Selbstbeherrschung.

Besonders verständlich wird das Wort mit einer Ergänzung: begierig auf Neuigkeiten, begierig darauf, den Ausgang zu erfahren. In erzählenden Texten können auch Blicke oder die Art des Zuhörens begierig heißen. Damit wird eine innere Ausrichtung aus äußerem Verhalten erschlossen. Wie zuverlässig diese Deutung ist, hängt von der Erzählperspektive ab. Ein intensiver Blick allein verrät noch nicht, was die betrachtende Person tatsächlich möchte.

Drei Beispiele für begierig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Die Kinder waren begierig auf die Fortsetzung der Geschichte und rückten näher an die Erzählerin heran.“

Das Verlangen richtet sich auf das Weiterhören. Die Bewegung und die gespannte Aufmerksamkeit machen die Erwartung anschaulich, ohne sie moralisch abzuwerten.

„Begierig las sie die gefundenen Briefe, weil sie endlich etwas über die verschwiegene Reise erfahren wollte.“

Das konkrete Erkenntnisziel erklärt die starke Aufmerksamkeit. Ob das Lesen erlaubt oder angemessen ist, bleibt eine zusätzliche Frage und steckt nicht allein im Adjektiv.

„Er war begierig darauf, den frei gewordenen Posten zu übernehmen, und übersah dabei die neuen Pflichten.“

Hier erhält das Verlangen eine kritische Färbung. Nicht der Wunsch an sich, sondern das Übersehen wichtiger Folgen begründet diese Wirkung.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Gierig
Klingt oft stärker nach maßlosem oder rücksichtslosen Verlangen. Begierig kann bei Wissensdurst oder gespannter Erwartung unproblematisch sein. In manchen Zusammenhängen sind beide Wörter dennoch nahe verwandt.
Ambitioniert
Betont Ehrgeiz und hohe Ziele. Begierig kann einen unmittelbaren Wunsch bezeichnen, der kein längerfristiges Vorhaben einschließt. Beim Streben nach einem Posten können beide Eigenschaften zusammenkommen.

Schreibung und Grammatik

Begierig schreibt man mit ie. Formen sind ein begieriger Blick, eine begierige Erwartung und ein begieriges Interesse. Die Steigerung lautet begieriger, am begierigsten. Auf verlangt hier den Akkusativ: auf die Fortsetzung begierig. Bei einer Handlung ist die Verbindung begierig darauf, etwas zu tun verständlich. Begierde und Begier gehören zur gleichen Wortfamilie.

Weitere Beispiele zur Beugung und Verwendung stehen in der Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden verweist auf die mittelhochdeutschen Formen begirec und begirdec und stellt die Verbindung zu Begier her. Die Wortfamilie bezeichnet starkes Verlangen. Der heutige Gebrauch kann sich auf sehr unterschiedliche Gegenstände richten; eine sexuelle Bedeutung entsteht nur dort, wo der Zusammenhang sie tatsächlich nahelegt.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur ist begierig darauf, die Wahrheit über die Reise zu erfahren; sie liest die Briefe sofort und sucht nach weiteren Hinweisen. Das Handeln belegt zunächst ihr starkes Erkenntnisinteresse. Ob daraus Neugier, Sorge oder persönlicher Ehrgeiz spricht, muss anhand der Vorgeschichte und ihrer eigenen Äußerungen weiter unterschieden werden.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören.

Quellen und weiterführende Seiten

Wortquellen gelesen am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Begierig in der Übersicht der Charaktereigenschaften