gierig
Gierig beschreibt ein heftiges, häufig als maßlos bewertetes Verlangen nach etwas, etwa nach Besitz, Genuss, Macht oder neuen Eindrücken.
Was bedeutet gierig?
Gierig lenkt den Blick auf die Stärke eines Verlangens. Die Person möchte etwas mit großer Dringlichkeit haben, aufnehmen oder erleben und scheint sich damit nur schwer zufriedenzugeben. Bei Besitz, Macht oder Vorteilen enthält das Wort gewöhnlich eine deutliche Kritik: Das Habenwollen wirkt übermäßig und lässt die Ansprüche anderer in den Hintergrund treten.
Der Gegenstand muss jedoch nicht materiell sein. Jemand kann gierig nach Neuigkeiten sein oder eine Erzählung gierig aufnehmen. Dann betont das Wort zunächst die intensive, beinahe ungeduldige Aufmerksamkeit. Auch gieriges Essen nach langem Entbehren kann eine momentane Situation beschreiben, ohne damit den gesamten Charakter als habsüchtig zu bewerten. Der Zusammenhang begrenzt die Aussage.
In einer Charakterisierung sollte deshalb benannt werden, worauf die Gier gerichtet ist und was sie bewirkt. Ein klar formulierter Wunsch ist für sich noch nicht maßlos. Aussagekräftiger sind ein ständig steigender Anspruch, das Übergehen fremder Bedürfnisse oder die Unfähigkeit, sich mit einem angemessenen Anteil zufriedenzugeben. Eine bloße Menge sagt ohne Situation und Verteilung oft wenig aus.
Drei Beispiele für gierig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Obwohl sein Anteil bereits größer war als der der anderen, griff er gierig nach dem letzten Stück und wies ihre Einwände zurück.“
Der beschriebene Maßstab und die übergangenen Mitmenschen begründen die negative Wertung.
„Nach der langen Wanderung trank sie das bereitgestellte Wasser gierig in großen Schlucken.“
Das Verhalten betrifft ein unmittelbares starkes Bedürfnis. Daraus folgt keine allgemeine Gier nach Besitz.
„Gierig nahm er jede Neuigkeit über die verschwundene Reisegruppe auf.“
Hier beschreibt das Wort die intensive Aufnahme von Informationen. Welches Gefühl das Verlangen antreibt, muss der weitere Text zeigen.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- begierig
- Kann ebenfalls ein starkes Verlangen bezeichnen. Es wirkt bei gespannter Erwartung oder Wissensdurst häufig weniger vorwurfsvoll; die Wörter überschneiden sich.
- geldgierig
- Begrenzt das als übermäßig kritisierte Verlangen auf Geld. Gierig benötigt eine Ergänzung oder einen Zusammenhang, der seinen Gegenstand klärt.
- geizig
- Betont das übertriebene Zurückhalten beim Ausgeben oder Geben. Gierig hebt das Verlangen nach mehr hervor; beides kann bei einer Person zusammenkommen.
Schreibung und Grammatik
Man schreibt gierig mit ie wie in Gier. Formen sind ein gieriger Blick, eine gierige Forderung und gieriges Greifen. Gesteigert wird gieriger, am gierigsten. Eine häufige Ergänzung ist nach mit Dativ: gierig nach Anerkennung. Die Substantive Gier und Gierigkeit benennen das entsprechende Verlangen oder die Haltung.
Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.
Herkunft und Wortbildung
Duden nennt mittelhochdeutsch giric und althochdeutsch girīg und stellt das Wort zu Gier. Die heutige Form zeigt dieselbe Verbindung mit dem Grundwort und der Adjektivendung -ig. Welche Art des Verlangens gemeint ist, ergibt sich aus der Ergänzung oder der beschriebenen Handlung.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Beleg: Die Figur fordert trotz wiederholter Zugeständnisse immer mehr und nimmt dafür bewusst in Kauf, dass andere ihren notwendigen Anteil verlieren. Das kann Gier nach Besitz oder Vorteil belegen. Eine Analyse sollte diese Entwicklung zeigen und zwischen kurzfristiger Dringlichkeit, starker Neugier und dauerhaftem maßlosem Habenwollen unterscheiden.
Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
