geldgierig

Geldgierig bezeichnet abwertend jemanden, dessen Streben nach Geld übermäßig stark ist und andere Anliegen in den Hintergrund drängt.

Was bedeutet geldgierig?

Geldgierig enthält einen Vorwurf: Die beschriebene Person will Geld in einem als übertrieben empfundenen Maß erwerben oder erhalten. Das kann sich etwa darin zeigen, dass sie jede Beziehung nur auf finanziellen Nutzen prüft oder für einen zusätzlichen Gewinn zugesagte Rücksicht aufgibt. Die Bezeichnung betrifft vor allem die Stärke und Vorrangstellung des Geldverlangens.

Der Wunsch nach einem angemessenen Einkommen ist dafür noch kein ausreichender Beleg. Auch wer für seine Arbeit eine Bezahlung verlangt oder einen besseren Preis aushandelt, handelt nicht zwangsläufig geldgierig. Eine nachvollziehbare Beschreibung zeigt vielmehr, woran sich das Übermaß erkennen lässt: etwa an immer neuen Forderungen trotz reichlicher Gegenleistung oder am bewussten Zurückstellen anderer Verpflichtungen.

Geldgier und Geiz können zusammen auftreten, müssen es aber nicht. Eine Figur kann besessen viel verdienen wollen und das Geld zugleich großzügig für einen aufwendigen Lebensstil ausgeben. Eine andere behält vor allem ihren vorhandenen Besitz zusammen. Für die erste Deutung zählt das Habenwollen, für die zweite das Nichtabgebenwollen.

Drei Beispiele für geldgierig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der Händler erschien geldgierig, weil er eine bereits bezahlte Leistung zurückhielt, um kurz vor der Übergabe noch mehr Geld zu verlangen.“

Die zusätzliche Forderung trotz erfüllter Vereinbarung stützt den Vorwurf. Der bloße Verkauf einer Leistung wäre kein entsprechender Beleg.

„In dem Roman besucht der geldgierige Neffe seine Tante nur noch, um sie immer wieder nach ihrem Vermögen und Testament auszufragen.“

Das wiederholte, auf Geld gerichtete Interesse erklärt die Charakterisierung innerhalb der Darstellung. Andere mögliche Motive werden im Beispiel ausdrücklich durch nur noch zurückgedrängt.

„Sie wehrte den Vorwurf zurück, geldgierig zu sein: Sie verlangte lediglich den vereinbarten Lohn für ihre Arbeit.“

Die Szene zeigt einen umstrittenen Vorwurf. Das Einfordern einer zugesagten Gegenleistung belegt für sich genommen keine übermäßige Geldgier.

Ähnliche Wörter unterscheiden

geizig
Betont übertriebenes Sparen und Zurückhalten. Geldgierig beschreibt vor allem das starke Verlangen nach Geld; die Eigenschaften können sich verbinden.
habgierig
Ist weiter gefasst und kann auch andere Güter oder Besitz betreffen. Geldgierig legt den Gegenstand des Begehrens genauer fest.
gewinnorientiert
Kann sachlich ein auf Ertrag ausgerichtetes Vorgehen beschreiben. Der abwertende Vorwurf eines Übermaßes gehört nicht zwingend dazu.

Schreibung und Grammatik

Geldgierig wird zusammengeschrieben. Beide Bestandteile bleiben erkennbar: Geld und gierig. Formen sind ein geldgieriger Verwandter und eine geldgierige Forderung. Die Steigerung lautet geldgieriger, am geldgierigsten. Das Substantiv heißt Geldgier. Adverbial: Er handelt geldgierig.

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Herkunft und Wortbildung

Die transparente Wortbildung verbindet Geld unmittelbar mit gierig. Der erste Bestandteil bezeichnet, worauf sich die Gier richtet. Das Gesamtwort ist dadurch enger als eine allgemeine Beschreibung starken Begehrens und trägt wie das Grundwort eine negative Bewertung des Verlangens.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Die Figur verwirft eine faire Absprache, sobald sie die Aussicht auf einen höheren Betrag sieht, und erklärt ausdrücklich, dass ihr die Folgen für die anderen gleichgültig seien. Die Verbindung aus Geldverlangen und aufgegebener Rücksicht kann den Vorwurf stützen. Eine Analyse sollte diesen Zusammenhang zeigen und keine Geldgier allein aus Reichtum ableiten.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Geldgierig in der Übersicht der Charaktereigenschaften