bestechlich

Bestechlich: Bereit, sich durch angebotene Vorteile zu einer parteilichen oder pflichtwidrigen Entscheidung beeinflussen zu lassen.

Was bedeutet bestechlich?

Bestechlich nennt man eine Person, deren Entscheidung sich durch einen angebotenen persönlichen Vorteil beeinflussen lässt. Das kann Geld sein, muss sich sprachlich aber nicht darauf beschränken. Entscheidend ist die problematische Verbindung von Vorteil und Gegenleistung: Die Person gibt eine unabhängige oder pflichtgemäße Entscheidung zugunsten dessen auf, der ihr etwas bietet. Die Bezeichnung enthält deshalb einen starken Vorwurf.

Nicht jedes Geschenk und nicht jede Meinungsänderung begründet diesen Vorwurf. Eine Entscheidung kann sich durch neue Informationen ändern, ohne dass eine Bestechung vorliegt. Auch die bloße Bekanntschaft mit einer beteiligten Person reicht als sprachlicher Beleg nicht aus. Im Alltag wird bestechlich bisweilen scherzhaft verwendet, wenn jemand sich durch eine kleine angenehme Aussicht umstimmen lässt. Diese Übertragung sollte vom ernsthaften Vorwurf getrennt werden. Der Wortartikel erklärt die Sprache, nicht die rechtliche Bewertung eines Einzelfalls.

Drei Beispiele für bestechlich

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der erfundene Schiedsrichter erweist sich als bestechlich, als er gegen ein versprochenes Geschenk absichtlich eine falsche Entscheidung trifft.“

Das Beispiel macht Vorteil und Gegenleistung ausdrücklich sichtbar. Es handelt sich um eine erfundene Szene, deren Ablauf den sprachlichen Vorwurf trägt.

„Ob die Verwalterin bestechlich ist, bleibt im Roman offen: Ein Rivale erhebt den Vorwurf, doch der Erzähler bestätigt ihn nicht.“

Die Anschuldigung wird einer Figur zugeordnet und nicht als Tatsache übernommen. Das ist besonders wichtig, wenn ein Text widersprüchliche Informationen liefert.

„Mit Aussicht auf frischen Kuchen sei er immer bestechlich, scherzte der Vater, als die Familie einen anderen Ausflugsort vorschlug.“

Hier wird das Wort spielerisch für ein leichtes Umstimmen gebraucht. Der Zusammenhang signalisiert die Übertreibung; eine pflichtwidrige Entscheidung ist nicht erkennbar.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Beeinflussbar
Ist weiter gefasst. Menschen können durch Argumente, Vorbilder oder Stimmungen beeinflusst werden, ohne dass ihnen ein Vorteil angeboten wird.
Korrupt
Kann einen umfassenderen Missbrauch von Macht oder Stellung zum eigenen Nutzen bezeichnen. Bestechlich hebt gezielt die Zugänglichkeit für Bestechung hervor.
Bestechend
Bedeutet in der üblichen Adjektivverwendung sehr überzeugend oder beeindruckend. Die ähnlichen Formen sollten nicht verwechselt werden.

Schreibung und Grammatik

Bestechlich schreibt man mit ch und -lich. Formen sind ein bestechlicher Entscheider, eine bestechliche Amtsperson und ein bestechliches Gremium. Die Steigerung lautet bestechlicher, am bestechlichsten. Das Substantiv ist Bestechlichkeit, das Gegenwort unbestechlich. Bestochen ist dagegen das Partizip II von bestechen und behauptet einen bereits erfolgten Vorgang. Bestechlich bezeichnet zunächst die Bereitschaft oder Möglichkeit, sich bestechen zu lassen.

Die Übersicht zu Adjektiven und ihrer Verwendung erläutert Beugung und Satzfunktionen.

Herkunft und Wortbildung

Die Wortbildung verbindet den Stamm von bestechen mit -lich. In dieser Bildung wird eine Zugänglichkeit für das Bestechen ausgedrückt. Zur Wortfamilie gehören Bestechung, Bestechlichkeit und unbestechlich.

Verwendung in einer Charakterisierung

Prüfe in einer Charakterisierung, ob das Werk eine tatsächliche Gegenleistung zeigt oder nur einen Vorwurf wiedergibt. Eigene Musterformulierung: Der Schiedsrichter zeigt sich bestechlich, indem er die versprochene Belohnung über seine Verpflichtung zu einer fairen Entscheidung stellt. Fehlt ein entsprechender Beleg, formuliere stattdessen: Sein Rivale verdächtigt ihn der Bestechlichkeit. Auch ein unsympathisches Auftreten oder eine einzelne Fehlentscheidung reicht nicht aus, um die Bereitschaft zur Bestechung sicher zu behaupten.

Wie du Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbindest, zeigt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Bestechlich in der Übersicht der Charaktereigenschaften