hochtrabend

Hochtrabend: In Worten oder Ausdruck übertrieben feierlich, anspruchsvoll und bedeutungsschwer wirkend. Das Wort kritisiert ein Missverhältnis zwischen großem sprachlichem Anspruch und tatsächlichem Inhalt.

Was bedeutet hochtrabend?

Hochtrabend beschreibt besonders Äußerungen. Eine einfache Ankündigung wird zum Beispiel so feierlich aufgebläht, als gehe es um ein weltbewegendes Ereignis. Der Ausdruck beanstandet nicht jeden gehobenen Stil: Eine festliche Rede darf feierlich sein. Entscheidend ist, ob die sprachliche Größe im Zusammenhang hohl, überzogen oder unangemessen wirkt.

Auf Personen bezogen ist meist ihre Art zu reden oder ihre Selbstdarstellung gemeint. Die Formulierung Er spricht hochtrabend ist deshalb oft genauer als Er ist hochtrabend. Ein anspruchsvolles Wort kann fachlich nötig sein; erst das unnötige Aufbauschen macht den kritisierten Eindruck plausibel.

Für eine Textanalyse lohnt sich der Vergleich von Anlass und Wortwahl. Welche Ausdrücke vergrößern eine gewöhnliche Tätigkeit? Welche Erwartungen erzeugen sie, und was folgt tatsächlich? Auf diese Weise lässt sich die Wirkung erklären, ohne fremde oder komplizierte Wörter pauschal abzuwerten.

Auf den PunktHochtrabend bewertet überzogenen sprachlichen Aufwand. Schwierige Wörter allein sind kein Beleg.

Beispiele und Verwendung

Er nannte das Aufräumen des Vereinsraums hochtrabend eine historische Erneuerung der Gemeinschaft.

So ist es gemeint: Eine alltägliche Aufgabe erhält einen unangemessen großen Anspruch.

Die Festrede war feierlich, wurde aber durch konkrete Erinnerungen nicht hochtrabend.

So ist es gemeint: Ein gehobener Ton kann zum Anlass passen und inhaltlich begründet sein.

Hinter ihren hochtrabenden Versprechen stand am Ende nur eine kleine Änderung der Sitzordnung.

So ist es gemeint: Das Missverhältnis zwischen Ankündigung und Ergebnis begründet die Kritik.

Typische Verbindungen: hochtrabende Worte, hochtrabende Versprechen, hochtrabend formulieren, ein hochtrabender Redestil.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

affektiert
Bezeichnet eine gekünstelte Wirkung in Sprache, Gestik oder Auftreten. Hochtrabend betrifft besonders den übergroßen sprachlichen Anspruch.
angeberisch
Rückt das Vorführen eigener Vorzüge in den Mittelpunkt. Hochtrabende Sprache kann diesem Zweck dienen, muss aber nicht ausdrücklich Selbstlob enthalten.
Feierlich
Ist zunächst eine passende Beschreibung für einen würdigen, festlichen Ton. Das Wort enthält nicht automatisch die Kritik des Übertriebenen.

Schlicht, klar oder sachlich können Gegenbeschreibungen sein. Die passende Wortwahl darf dennoch anschaulich und eindringlich sein.

Hochtrabend in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Erzählung eröffnet Sven eine kleine Tauschbörse. Er spricht von einer neuen Epoche des menschlichen Zusammenlebens und von einem Ereignis, das kommende Generationen prägen werde. Anschließend erklärt er, dass heute drei Regale mit gebrauchten Büchern aufgestellt werden.

  1. Beobachtung: Die Ankündigung verwendet sehr weitreichende historische Ansprüche, während die erklärte Maßnahme überschaubar bleibt.
  2. Deutung: Svens Sprache wirkt hochtrabend, weil die Bedeutung des Vorhabens weit über das konkret Gezeigte hinaus vergrößert wird.
  3. Grenze der Aussage: Die nützliche Idee der Tauschbörse wird dadurch nicht wertlos. Kritisiert wird das sprachliche Verhältnis von Anlass und Anspruch.

Musterformulierung

Sven stellt die Tauschbörse mit hochtrabenden Worten vor. Seine Ankündigung einer neuen Epoche steht in deutlichem Missverhältnis zum Aufstellen weniger Bücherregale. Die Szene lässt dadurch seine Selbstdarstellung überzogen erscheinen, ohne den praktischen Nutzen des Vorhabens zu bestreiten.

Der Absatz vergleicht sprachlichen Anspruch und konkrete Handlung. Er erklärt die Wirkung des Redestils und vermeidet die unzulässige Folgerung, jede feierliche Sprache sei lächerlich.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
hoch·tra·bend
Verwandtes Nomen
das Pathos; die Hochtrabendheit

Hochtrabend wird zusammengeschrieben. Man schreibt eine hochtrabende Ankündigung oder hochtrabend sprechen. Die Steigerung ist möglich, wenn zwei Formulierungen hinsichtlich ihrer übertriebenen Wirkung verglichen werden. Sie bezeichnet keine größere sachliche Richtigkeit.

Grundformhochtrabend
Komparativhochtrabender
Superlativam hochtrabendsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativhochtrabenderhochtrabendehochtrabendeshochtrabende
Genitivhochtrabendenhochtrabenderhochtrabendenhochtrabender
Dativhochtrabendemhochtrabenderhochtrabendemhochtrabenden
Akkusativhochtrabendenhochtrabendehochtrabendeshochtrabende
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder hochtrabendedie hochtrabendedas hochtrabendedie hochtrabenden
Genitivdes hochtrabendender hochtrabendendes hochtrabendender hochtrabenden
Dativdem hochtrabendender hochtrabendendem hochtrabendenden hochtrabenden
Akkusativden hochtrabendendie hochtrabendedas hochtrabendedie hochtrabenden
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein hochtrabendereine hochtrabendeein hochtrabendeskeine hochtrabenden
Genitiveines hochtrabendeneiner hochtrabendeneines hochtrabendenkeiner hochtrabenden
Dativeinem hochtrabendeneiner hochtrabendeneinem hochtrabendenkeinen hochtrabenden
Akkusativeinen hochtrabendeneine hochtrabendeein hochtrabendeskeine hochtrabenden

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Eine ältere Form lautet mittelhochdeutsch hochtrabende. Der ursprüngliche Bezug lag beim Pferd: Sein Trab warf den Reiter stark nach oben und machte das Reiten beschwerlich. Die heutige Verwendung richtet sich auf eine überhöhte Art des sprachlichen Ausdrucks.

Zur Übersicht der Charaktereigenschaften