lasziv
Sinnlich und erotisch anziehend wirkend, oft in betont träger oder entspannter Haltung; auch sexuell anzüglich oder als anstößig bewertet.
Was bedeutet lasziv?
Lasziv bezeichnet im bildungssprachlichen Gebrauch eine sinnliche, erotisch anziehende Wirkung. Besonders bei Haltung und Bewegung kann eine betont träge, entspannte oder schläfrig inszenierte Art gemeint sein. Eine Pose oder ein Blick wird dann aus der Perspektive einer wahrnehmenden Person als verführerisch beschrieben. Das Wort benennt keine verlässliche allgemeine Charaktereigenschaft.
Daneben kann lasziv eine Bemerkung oder Darstellung als sexuell anzüglich, zweideutig oder anstößig bewerten. Diese Lesart ist stärker wertend. Eine laszive Anspielung muss nicht dieselbe Wirkung haben wie eine laszive Bewegung: Im ersten Fall geht es um den angedeuteten Inhalt, im zweiten um die sinnliche Wirkung der Ausführung. Der Zusammenhang sollte erkennen lassen, welcher Gebrauch vorliegt.
Wahrnehmung und Absicht müssen getrennt werden. Eine Person kann eine Bewegung als lasziv empfinden, obwohl die dargestellte Figur damit nichts Bestimmtes beabsichtigt. Auch eine bewusste Inszenierung auf der Bühne erlaubt keine Schlüsse auf das Privatleben der darstellenden Person. Für eine Textanalyse ist daher wichtig, wer die Beschreibung gibt und welche sprachlichen oder körperlichen Einzelheiten die Wirkung hervorrufen.
Drei Beispiele für lasziv
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„In der Inszenierung nahm die erwachsene Tänzerin eine laszive Pose ein, deren langsame Bewegung einen deutlichen Gegensatz zur strengen Musik bildete.“
Die Beschreibung betrifft eine bewusst gestaltete Bühnenwirkung. Sie ist keine Aussage über das Privatleben der Darstellerin.
„Seine laszive Bemerkung spielte zweideutig auf die Begegnung an und brachte die Gesprächspartnerin in Verlegenheit.“
Hier steht der anzügliche Inhalt im Mittelpunkt. Die Reaktion des Gegenübers zeigt, dass die Bemerkung nicht als harmloser Witz aufgenommen wird.
„Der Erzähler deutete ihren müden Blick als lasziv; ihre eigenen Gedanken waren jedoch ausschließlich bei der langen Reise.“
Die abweichenden Perspektiven begrenzen das Urteil. Der Eindruck des Erzählers wird nicht mit der Absicht der Figur gleichgesetzt.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Kokett
- Beschreibt spielerisches Werben um Aufmerksamkeit oder Gefallen. Lasziv betont stärker eine erotische Sinnlichkeit oder einen anzüglichen Inhalt.
- Künstlich
- Kann ein aufgesetzt wirkendes Verhalten beschreiben. Eine laszive Pose kann inszeniert sein, doch künstlich und lasziv bewerten unterschiedliche Aspekte.
- Anzüglich
- Hebt eine zweideutige, oft sexuelle Anspielung hervor. Lasziv kann ähnlich verwendet werden, bezeichnet zusätzlich aber auch eine sinnliche körperliche Wirkung.
Schreibung und Grammatik
Lasziv wird mit sz und mit v am Ende geschrieben. Die Steigerung lautet lasziver, am laszivsten. Formen sind ein lasziver Blick, eine laszive Geste und laszives Auftreten. Das Substantiv heißt Laszivität. In die Pose wirkt lasziv steht das Adjektiv prädikativ; in sie bewegt sich lasziv beschreibt es adverbial die Art der Bewegung.
Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.
Herkunft und Wortbildung
Das Wort geht auf lateinisch lascivus zurück. Duden nennt für diese Grundlage Bedeutungen im Bereich von Übermut und Zügellosigkeit. Im heutigen Deutschen gehören dazu die sinnliche Wirkung und die Bewertung als anzüglich. Die ältere Wortbedeutung darf nicht ohne Weiteres als moralisches Urteil über eine heute so beschriebene Person übernommen werden.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Der Erzähler beschreibt den Blick der Figur als lasziv, während ihre Gedanken lediglich Müdigkeit erkennen lassen. Die Analyse sollte darin zunächst seine Wahrnehmung untersuchen. Erst wenn der Text eine bewusste Verführungsabsicht der Figur zeigt, kann diese zusätzlich benannt werden. Die Unterscheidung verhindert, dass eine zugeschriebene Wirkung als innere Eigenschaft ausgegeben wird.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
