schleimig

Wörtlich von Schleim bedeckt, schleimartig oder glitschig; bei Menschen und Äußerungen abwertend für aufgesetzt freundliches, schmeichelndes und unaufrichtiges Auftreten.

Was bedeutet schleimig?

Schleimig bezeichnet zunächst eine feuchte, glitschige oder schleimartige Beschaffenheit. Auf menschliches Verhalten übertragen ist das Wort klar abwertend: Freundlichkeit, Lob oder Zustimmung werden als aufgesetzt und unaufrichtig beurteilt. Eine schleimige Bemerkung soll besonders wohlwollend klingen, erscheint dem Gegenüber aber als berechnendes Schmeicheln. Der Ausdruck benennt damit zugleich Verhalten und eine negative Einschätzung seiner Absicht.

Häufig richtet sich der Vorwurf gegen übertriebenes Lob gegenüber jemandem, von dem man sich einen Vorteil verspricht. Dieses Motiv muss jedoch aus dem Zusammenhang hervorgehen. Herzlichkeit oder Dankbarkeit allein sind kein Beleg für Unaufrichtigkeit. Auch ein unbeholfen formuliertes Kompliment kann ehrlich gemeint sein. Wer eine Figur schleimig nennt, sollte deshalb zeigen, worin die Verstellung besteht und wer sie wahrnimmt.

Drei Beispiele für schleimig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Er lobte die Entscheidung in schleimigem Ton als genial, obwohl er sie kurz zuvor unter Kollegen verspottet hatte.“

Der Widerspruch zwischen privatem Urteil und öffentlichem Lob stützt die Deutung. Übermäßige Freundlichkeit allein wäre ein schwächerer Hinweis.

„Sie empfand seine ständigen Komplimente als schleimig, weil auf jedes Lob sofort eine Bitte um Bevorzugung folgte.“

Die wiederkehrende Verbindung von Lob und eigenem Vorteil erklärt ihren Eindruck. Der Satz kennzeichnet zugleich, wessen Wahrnehmung beschrieben wird.

„Unter dem Stein lag eine schleimige Schicht, die beim Anheben Fäden zog.“

Hier geht es um die wörtliche Beschaffenheit. Es wird keine menschliche Haltung und keine moralische Eigenschaft bezeichnet.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Schmeichelnd
Bedeutet, dass etwas das Selbstgefühl angenehm berührt oder jemanden lobend anspricht. Die Absicht muss dabei nicht falsch oder berechnend sein.
Scheinheilig
Rückt das Vorspielen von Aufrichtigkeit, Unschuld oder moralischer Tadellosigkeit in den Vordergrund. Schleimig betrifft besonders die unangenehm empfundene Freundlichkeit und Schmeichelei.
Höflich
Bezeichnet angemessene Umgangsformen. Sachliche Wertschätzung oder ein freundlicher Dank werden erst durch zusätzliche Hinweise zum begründeten Fall von Verstellung.

Schreibung und Grammatik

Schleimig ist ein Adjektiv: ein schleimiger Ton, eine schleimige Bemerkung, schleimiges Lob. Die Steigerung lautet schleimiger, am schleimigsten. In er redet schleimig steht es adverbial, in sein Auftreten ist schleimig prädikativ. Das Substantiv Schleim bezeichnet den Stoff; das umgangssprachliche Verb schleimen kann das anbiedernde Verhalten benennen. In sachlicher Kritik ist eine konkrete Beschreibung des Widerspruchs meist genauer als eine pauschale Beschimpfung.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden nennt mittelhochdeutsch slīmic in den Bedeutungen klebrig und schlammig. Das heutige Adjektiv gehört zur Wortfamilie von Schleim. Die übertragene Personenbeschreibung nutzt die unangenehm empfundene Stoffvorstellung, um eine als unecht wahrgenommene Freundlichkeit scharf abzuwerten.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Vor seinen Kollegen macht Tom sich über den Plan lustig; gegenüber der Leiterin preist er ihn unmittelbar darauf überschwänglich. Sein Lob wirkt schleimig, weil es dem zuvor geäußerten Urteil widerspricht und ihre Gunst gewinnen soll. Ist dieser Zweck im Text nicht erkennbar, sollte die Analyse vorsichtiger von einem aufgesetzt wirkenden Lob sprechen.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Schleimig in der Übersicht der Charaktereigenschaften