selbstgenügsam

In sich selbst Zufriedenheit findend und wenig darauf ausgerichtet, sich hervorzutun oder immer neue besondere Ziele zu erreichen.

Was bedeutet selbstgenügsam?

Selbstgenügsam ist jemand, der in sich selbst und der eigenen Lebensweise ausreichend Zufriedenheit findet. Die Person braucht wenig äußeren Wettbewerb, Hervortreten oder neue außergewöhnliche Ziele, um das eigene Leben als erfüllt zu erleben. Der Ausdruck kann eine ruhige, bescheidene Haltung anerkennen. Zugleich kann er kritisch meinen, dass jemand sich mit dem Erreichten zu leicht zufriedengibt.

Welche Wertung vorliegt, hängt vom Maßstab der Beschreibung ab. Der Verzicht auf ständigen Vergleich kann als Unabhängigkeit erscheinen; fehlendes Interesse an einer nötigen Veränderung kann dagegen stören. Selbstgenügsam bedeutet nicht automatisch, völlig ohne andere Menschen oder Hilfsmittel auszukommen. Es beschreibt vor allem die innere Haltung zu Ansprüchen und Bestätigung. Auch über Freundlichkeit, Gemeinschaftssinn oder Hilfsbereitschaft entscheidet das Wort für sich genommen nicht.

Drei Beispiele für selbstgenügsam

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Er lebte selbstgenügsam, widmete sich seinen vertrauten Beschäftigungen und empfand keinen Drang, jeden Erfolg öffentlich zu zeigen.“

Die Szene beschreibt Zufriedenheit ohne ständige Suche nach Anerkennung. Sie sagt noch nichts darüber, wie er sich anderen gegenüber verhält.

„Sie wirkte selbstgenügsam: Der Aufstieg ihrer Bekannten machte sie nicht unzufrieden mit dem Weg, den sie für sich gewählt hatte.“

Die Haltung wird durch einen ausbleibenden Konkurrenzdruck sichtbar. Zufriedenheit ist hier nicht davon abhängig, andere zu übertreffen.

„Die Gruppe wurde als selbstgenügsam kritisiert, weil sie trotz veränderter Aufgaben an ihrem bisherigen Vorgehen festhielt.“

Der Ausdruck erhält eine negative Wertung, weil die Zufriedenheit mit dem Bestehenden eine erforderliche Weiterentwicklung behindert. Diese Kritik braucht den genannten Anlass.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Genügsam
Bezeichnet allgemein geringe Ansprüche. Selbstgenügsam betont, dass jemand an sich selbst und dem eigenen Zustand Genüge findet.
Selbstgefällig
Kritisiert ein eitles Wohlgefallen an der eigenen Person. Selbstgenügsam kann ohne Selbstlob und ohne Überlegenheitsanspruch eine stille Zufriedenheit meinen.
Selbstbestimmt
Benennt die Entscheidung nach eigenem Willen. Ein selbstbestimmtes Leben kann ehrgeizige Ziele enthalten und ist deshalb nicht notwendig selbstgenügsam.

Schreibung und Grammatik

Selbstgenügsam wird zusammengeschrieben: ein selbstgenügsamer Mensch, eine selbstgenügsame Haltung, selbstgenügsames Leben. Die Steigerung lautet selbstgenügsamer, am selbstgenügsamsten. Das Substantiv ist Selbstgenügsamkeit. In sie lebt selbstgenügsam steht das Adjektiv adverbial; in ihre Haltung ist selbstgenügsam prädikativ. Zusätze wie angenehm oder allzu markieren die jeweilige Wertung.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Die Bildung verbindet selbst mit genügsam. Gemeint ist ein Genügen, das in der eigenen Person oder Lebensweise gefunden wird. Die Wortfamilie von genügen enthält den Gedanken des Ausreichens: Es muss nicht fortwährend mehr hinzukommen, damit Zufriedenheit entsteht.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Während die anderen ständig ihren Rang vergleichen, bleibt Ruben mit seinen selbst gewählten Aufgaben zufrieden und sucht keine besondere Auszeichnung. Er erscheint selbstgenügsam. Ob die Erzählung dies würdigt oder problematisiert, zeigt der weitere Zusammenhang. Vernachlässigt er notwendige Veränderungen, wäre das ein zusätzlicher kritischer Befund; seine ruhige Zufriedenheit allein belegt ihn nicht.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Selbstgenügsam in der Übersicht der Charaktereigenschaften