selbstherrlich

Im Bewusstsein eigener Macht oder vermeintlicher Überlegenheit entscheidend und sich dabei selbstverständlich über andere und deren berechtigte Anliegen hinwegsetzend; abwertend.

Was bedeutet selbstherrlich?

Selbstherrlich handelt jemand, der die eigene Entscheidung als selbstverständlich maßgeblich behandelt und andere dabei übergeht. Die Person stützt sich auf ihre Machtstellung oder beansprucht eine Überlegenheit, die keine ernsthafte Rücksichtnahme nötig erscheinen lässt. Das Wort ist abwertend. Es beschreibt besonders den Umgang mit den Interessen, Einwänden oder Mitwirkungsmöglichkeiten anderer.

Eine Entscheidung allein zu treffen ist nicht automatisch selbstherrlich. In manchen Situationen ist jemand ausdrücklich damit beauftragt. Der Vorwurf entsteht, wenn berechtigte Beteiligung oder relevante Belange ohne angemessene Prüfung beiseitegeschoben werden. Selbstherrlichkeit kann laut auftreten, aber ebenso in ruhigen, scheinbar höflichen Anweisungen liegen. Ausschlaggebend ist die beanspruchte Entscheidungsgewalt, nicht die Lautstärke der Mitteilung.

Drei Beispiele für selbstherrlich

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Er änderte den gemeinsam vereinbarten Plan selbstherrlich und erklärte den Betroffenen erst danach, ihre Einwände seien unerheblich.“

Die bestehende Vereinbarung und die ausdrücklich abgewiesenen Interessen begründen die Kritik. Eine bloße Planänderung wäre dafür noch kein ausreichender Beleg.

„Mit freundlicher Stimme bestimmte sie selbstherrlich über die freien Tage der anderen, obwohl diese die Verteilung gemeinsam regeln sollten.“

Der höfliche Ton verändert den einseitigen Zugriff nicht. Das Beispiel macht den Unterschied zwischen Umgangsform und tatsächlicher Beteiligung sichtbar.

„Er entschied nach der vorgesehenen Beratung allein, erläuterte aber die Gründe und berücksichtigte die geäußerten Bedenken.“

Die alleinige Verantwortung genügt hier nicht für den Vorwurf selbstherrlich. Das Verfahren enthält erkennbare Rücksicht auf die Beteiligten.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Selbstbestimmt
Benennt Entscheidungen nach eigenem Willen. Selbstherrlich richtet sich gegen die Art, mit der dieser Wille über andere gestellt wird.
Selbstgerecht
Betont die vermeintliche eigene Unfehlbarkeit. Selbstherrlich hebt besonders hervor, wie jemand daraus oder aus einer Machtstellung einen Anspruch auf einseitige Entscheidungen ableitet.
Schroff
Beschreibt einen harten, abweisenden Umgangston. Selbstherrliches Handeln kann auch in äußerlich freundlicher Form geschehen.

Schreibung und Grammatik

Selbstherrlich wird zusammengeschrieben und mit rr geschrieben: ein selbstherrlicher Vorgesetzter, eine selbstherrliche Entscheidung, selbstherrliches Verhalten. Die Steigerung lautet selbstherrlicher, am selbstherrlichsten. Das Substantiv heißt Selbstherrlichkeit. In sie entscheidet selbstherrlich steht das Adjektiv adverbial; in ihr Verhalten ist selbstherrlich prädikativ.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Zur Wortfamilie gehört Selbstherrlichkeit. Das Substantiv wird mit -keit aus dem Adjektiv selbstherrlich gebildet und bezeichnet die entsprechende Haltung oder ihr Hervortreten in einzelnen Verhaltensweisen. Für die heutige Verwendung stehen der eigene Machtanspruch und das Übergehen anderer im Vordergrund.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Obwohl über den gemeinsamen Ablauf beraten werden soll, setzt Ole seine fertige Entscheidung durch und erklärt alle Einwände für bedeutungslos. Er handelt selbstherrlich. Die Analyse kann den Bruch zwischen zugesagter Mitwirkung und tatsächlichem Vorgehen herausarbeiten. Dass er ruhig spricht, widerlegt diese Deutung nicht; maßgeblich bleibt sein Umgang mit der Beteiligung anderer.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Selbstherrlich in der Übersicht der Charaktereigenschaften