vergebend

Jemandem einen Fehler oder ein Unrecht verzeihend; als Haltung bereit, einen persönlichen Vorwurf loszulassen.

Was bedeutet vergebend?

Vergebend beschreibt in einer Personencharakterisierung eine Haltung des Verzeihens. Jemand hält einem anderen ein erfahrenes Unrecht oder einen Fehler nicht weiter in derselben vorwurfsvollen Weise entgegen. Das Wort bezieht sich damit auf den Umgang mit einer Verletzung, nicht auf die Behauptung, es sei nichts geschehen. Das zugrunde liegende vergeben hat in diesem Sinn einen gehobenen Ton.

Vergebung und Vergessen sind nicht dasselbe. Eine Person kann sich an einen Vorfall erinnern, ihn weiterhin falsch finden und trotzdem vergebend reagieren. Ebenso muss nicht sofort dasselbe Vertrauen wie zuvor bestehen. In einer Erzählung sollte deshalb sichtbar werden, was die Figur konkret vergibt und wie sich ihre Haltung verändert. Das Adjektiv allein legt keine Pflicht anderer Menschen zum Verzeihen fest.

Drei Beispiele für vergebend

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Nach dem offenen Eingeständnis reagierte sie vergebend und verzichtete darauf, ihm den alten Fehler bei jeder Gelegenheit erneut vorzuhalten.“

Der Wandel liegt im Umgang mit dem Fehler. Dass dieser tatsächlich geschehen ist, wird nicht bestritten.

„Er begegnete ihr vergebend, wollte die gemeinsame Arbeit aber vorerst anders organisieren.“

Verzeihen und Vorsicht schließen sich nicht aus. Der Satz unterscheidet persönliche Haltung und künftige Zusammenarbeit.

„Die Figur bezeichnet sich als vergebend, droht jedoch bei jedem Streit wieder mit derselben alten Schuld.“

Selbstbeschreibung und Handlung stehen in Spannung. Eine Analyse sollte diesen Widerspruch sichtbar machen.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Nachsichtig
Kann bedeuten, Fehler milde zu beurteilen oder nicht streng zu ahnden. Vergebend richtet sich auf das konkrete Verzeihen eines Fehlers oder Unrechts.
Vergesslich
Bezeichnet das leichte oder häufige Vergessen. Vergebung setzt keine fehlende Erinnerung voraus.
Rachsüchtig
Betont einen starken Wunsch nach Vergeltung. Vergebend beschreibt eine andere Richtung im Umgang mit einer Verletzung.

Schreibung und Grammatik

Vergebend ist das Partizip I von vergeben. Beispiele sind ein vergebender Blick, eine vergebende Haltung und vergebendes Verhalten. Das Verb verbindet sich in der Bedeutung verzeihen mit Dativ und gegebenenfalls Akkusativ: jemandem einen Fehler vergeben. Die vergebende Person und der vergebene Fehler haben verschiedene Rollen. In die Preise vergebende Jury liegt dagegen die Bedeutung zuteilen vor.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden nennt für das Verb die älteren Formen mittelhochdeutsch vergeben und althochdeutsch fargeban. Das heutige Partizip I entsteht mit -end. Die Verwendungen verzeihen und zuteilen gehören beide zum Verb; in einer Charakterbeschreibung muss aus dem Zusammenhang klar werden, dass die verzeihende Haltung gemeint ist.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur benennt die Verletzung, nimmt die Entschuldigung an und benutzt den Vorfall später nicht mehr als Druckmittel. Sie zeigt sich vergebend. Die Analyse sollte dabei zwischen ihren ausgesprochenen Worten und ihrem weiteren Handeln unterscheiden. Erst deren Zusammenspiel macht die beschriebene Haltung überzeugend.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Vergebend in der Übersicht der Charaktereigenschaften