verlogen

Wiederholt lügend oder von Unaufrichtigkeit geprägt; ein deutlich abwertendes Urteil über Verhalten, Aussagen oder eine Haltung.

Was bedeutet verlogen?

Verlogen beschreibt einen Menschen, der immer wieder lügt, oder eine Haltung, die unaufrichtig wirkt. Eine verlogene Darstellung soll einen falschen Eindruck vermitteln; eine verlogene Moral stellt vielleicht Ansprüche öffentlich heraus, die im eigenen Verhalten bewusst missachtet werden. Das Wort ist ein scharfer Vorwurf und sollte entsprechend begründet werden.

Eine falsche Aussage allein beweist noch keine Verlogenheit. Jemand kann sich irren, etwas missverstehen oder unvollständig informiert sein. Für den Vorwurf der Lüge ist entscheidend, ob die Unwahrheit wissentlich eingesetzt wird. Auch eine mehrdeutige Äußerung ist nicht automatisch verlogen: In literarischen Texten kann sie offen mit verschiedenen Ebenen spielen, ohne die Lesenden täuschen zu wollen.

Drei Beispiele für verlogen

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Er versicherte wiederholt, die Nachricht nicht erhalten zu haben, obwohl der Text zeigt, dass er sie längst gelesen hatte; sein Verhalten ist verlogen.“

Die Gegenüberstellung belegt die wissentlich unwahre Darstellung. Eine bloße Erinnerungslücke wird dadurch ausgeschlossen.

„Ihre öffentliche Forderung nach Offenheit wirkte verlogen, weil sie zugleich bewusst entscheidende Informationen verbarg.“

Der Widerspruch zwischen verkündetem Anspruch und absichtlichem Handeln trägt den Vorwurf der Unaufrichtigkeit.

„Die falsche Jahreszahl beruhte auf einem Lesefehler; den Verfasser deshalb verlogen zu nennen, wäre unbegründet.“

Irrtum und bewusste Täuschung werden getrennt. Die Unrichtigkeit einer Angabe beantwortet noch nicht die Frage nach der Absicht.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Aufrichtig
Bezeichnet ehrliche, nicht bloß vorgetäuschte Gedanken oder Absichten. Es ist in diesem Sinn ein Gegenwort zu verlogen.
Doppelbödig
Hebt eine zusätzliche Bedeutungsebene hervor. Diese kann offen erkennbar und künstlerisch beabsichtigt sein, ohne eine Lüge darzustellen.
Scheinheilig
Betont besonders den vorgetäuschten moralischen Anspruch. Verlogen ist weiter und kann auch wiederholte Lügen ohne moralische Selbstdarstellung benennen.

Schreibung und Grammatik

Verlogen wird mit einfachem l und g geschrieben. Beispiele sind ein verlogener Bericht, eine verlogene Haltung und verlogenes Gerede. Die Steigerung lautet verlogener, am verlogensten; das Nomen heißt Verlogenheit. Das heutige Partizip II von lügen heißt gelogen. Verlogen ist daher nicht einfach in jedem Satz an dessen Stelle einzusetzen.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Duden führt verlogen auf das Partizip des heute veralteten Verbs verlügen zurück. Als mittelhochdeutsche Form nennt das Wörterbuch verliegen im Sinn, etwas durch Lügen falsch darzustellen. Im heutigen Adjektiv bleiben die wiederholte Lüge und allgemeiner die Unaufrichtigkeit als abwertende Bedeutungen erhalten.

Verwendung in einer Charakterisierung

In Joachim Ringelnatz’ Das Hexenkind gilt Ilse Watt im Waisenhaus als verlogen, obwohl als Anlass ihr Schweigen und ihr leises Lachen genannt werden. Beides beweist keine Lüge. Eine Analyse sollte das Urteil deshalb den Menschen im Waisenhaus zuordnen und seine unzureichende Begründung herausarbeiten. Die Wortwahl zeigt hier gerade, wie eine Figur durch fremde Zuschreibungen ausgegrenzt wird.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Verlogen in der Übersicht der Charaktereigenschaften