vertrauensselig

Anderen allzu rasch oder unkritisch vertrauend und sich ihnen leicht anvertrauend.

Was bedeutet vertrauensselig?

Vertrauensselig nennt man jemanden, der anderen nach Einschätzung des Sprechers zu schnell oder zu unkritisch vertraut. Die Person nimmt etwa eine Zusage ohne nähere Prüfung an oder erzählt einem kaum bekannten Gegenüber sehr persönliche Dinge. Das Wort enthält häufig eine warnende oder kritische Wertung: Das gezeigte Vertrauen erscheint angesichts der Situation zu groß.

Für dieses Urteil muss erkennbar sein, worauf das Vertrauen beruht und welche Gründe zur Vorsicht bestehen. Bloße Freundlichkeit ist keine Vertrauensseligkeit. Auch macht ein späterer Vertrauensbruch die getäuschte Person nicht verantwortlich für die Täuschung. Bei der Verwendung sollte daher zwischen der beschriebenen Sorglosigkeit und dem Handeln der Person unterschieden werden, die Vertrauen ausnutzt.

Drei Beispiele für vertrauensselig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Nach wenigen freundlichen Sätzen erzählte er der unbekannten Mitreisenden vertrauensselig Einzelheiten aus dem privaten Streit.“

Die schnelle persönliche Öffnung gegenüber einer kaum bekannten Person erklärt den Ausdruck. Ein tatsächlicher Missbrauch der Information wird noch nicht behauptet.

„Sie glaubte vertrauensselig jede neue Zusage, obwohl die vorherigen Abmachungen wiederholt gebrochen worden waren.“

Die bereits gemachten Erfahrungen liefern einen konkreten Grund, das Vertrauen kritisch zu beurteilen.

„Dass er einem langjährig zuverlässigen Freund vertraute, war für sich genommen kein Beleg für Vertrauensseligkeit.“

Das Beispiel begrenzt den Vorwurf. Vertrauen kann auf nachvollziehbaren Erfahrungen beruhen und muss nicht unkritisch sein.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Vertrauensvoll
Benennt vorhandenes Vertrauen ohne den notwendigen Vorwurf eines Übermaßes. Vertrauensselig enthält gerade die Einschätzung, dass zu wenig geprüft wird.
Vertrauenswürdig
Beschreibt, ob jemand Vertrauen verdient oder verdient zu haben scheint. Vertrauensselig betrifft dagegen die Person, die anderen Vertrauen schenkt.
Arglos
Betont fehlenden Verdacht oder fehlende böse Absicht. Vertrauensselig legt den Schwerpunkt auf das rasche Vertrauen in andere.

Schreibung und Grammatik

Vertrauensselig wird mit ss an der Grenze zwischen Vertrauens- und -selig geschrieben. Es heißt ein vertrauensseliger Zuhörer, eine vertrauensselige Äußerung und vertrauensseliges Verhalten. Vergleichsformen lauten vertrauensseliger, am vertrauensseligsten. Das Nomen ist Vertrauensseligkeit. Der zweite Bestandteil heißt selig, nicht seelig.

Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Die Zusammensetzung verbindet Vertrauen, ein verbindendes s und selig. Im heutigen Gesamtwort steht nicht ein religiöser Zustand im Mittelpunkt, sondern eine als allzu leichtfertig bewertete Bereitschaft zum Vertrauen. Die erkennbare Bildung hilft besonders bei der Schreibung: Das abschließende s von Vertrauens- trifft auf das anlautende s von selig.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Trotz mehrerer gebrochener Zusagen überlässt die Figur dem Bekannten erneut ihre Planung und verzichtet auf jede Rückfrage. Sie handelt hier vertrauensselig. Die Analyse nennt die vorausgehenden Erfahrungen, damit das Urteil nicht bloß aus einem späteren Misserfolg abgeleitet wird. Ein Betrug durch den Bekannten wäre weiterhin dessen Handlung.

Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Vertrauensselig in der Übersicht der Charaktereigenschaften