weinerlich
Klagend und dem Weinen nahe wirkend; häufig von Stimme, Gesichtsausdruck oder einer vorübergehenden Stimmung gesagt.
Was bedeutet weinerlich?
Weinerlich beschreibt einen Ausdruck, der dem Weinen nahekommt oder kläglich klingt. Eine Stimme kann zittern und klagend wirken; ein Gesicht kann erkennen lassen, dass jemand kurz vor Tränen steht. Das Wort kann auch eine Person in einer bestimmten Situation betreffen. Daraus folgt noch keine dauerhafte Charaktereigenschaft.
Je nach Ton kann die Bezeichnung mitfühlend beschreiben oder die Reaktion als unangemessen abwerten. Sie erklärt nicht, weshalb jemand dem Weinen nahe ist. Trauer, Übermüdung, Enttäuschung und andere Anlässe müssen aus dem Zusammenhang hervorgehen. In einer genauen Darstellung bleibt der sichtbare Ausdruck deshalb von Vermutungen über seine Ursache getrennt.
Drei Beispiele für weinerlich
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Nach der langen, anstrengenden Heimfahrt antwortete das Kind weinerlich und wollte nur noch schlafen.“
Der Satz bindet den Ausdruck an eine konkrete Belastung und behauptet keine feste Eigenschaft.
„Seine Stimme klang weinerlich, als er erzählte, dass niemand ihn informiert hatte.“
Beschrieben wird zunächst der hörbare Ausdruck. Über die Berechtigung seiner Enttäuschung ist damit noch nicht entschieden.
„Die Erzählerin nennt den Brief weinerlich, weil jede kleine Verzögerung darin zur ausführlichen Klage wird.“
Hier betrifft das Urteil den Ton eines Textes und enthält eine erkennbare Wertung.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Traurig
- Benennt ein Gefühl. Eine traurige Person kann sehr still und äußerlich gefasst sein, ohne weinerlich zu wirken.
- Wehleidig
- Betont das als übermäßig bewertete Klagen über Schmerzen oder Beschwerden. Weinerlich richtet den Blick allgemeiner auf die Nähe zum Weinen.
- Emotional
- Umfasst viele Gefühle und Ausdrucksweisen, auch Freude oder Ärger. Es ist nicht auf weinerliche Reaktionen beschränkt.
Schreibung und Grammatik
Weinerlich wird mit ei und der Folge -erlich geschrieben. Formen sind ein weinerlicher Ton, eine weinerliche Antwort und ein weinerliches Gesicht. Die Steigerung lautet weinerlicher, am weinerlichsten. Das Substantiv heißt Weinerlichkeit. In die Stimme klingt weinerlich bleibt das Adjektiv in der Grundform.
Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.
Herkunft und Wortbildung
Duden nennt mittelhochdeutsch wein(e)lich als ältere Form und vermutet für die heutige Bildung das Muster von jämmerlich. Diese Erklärung wird als wahrscheinlich gekennzeichnet. Die Wortfamilie gehört zu weinen, nicht zum gleich geschriebenen Nomen Wein für das Getränk.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Nach mehreren Zurückweisungen antwortet die Figur mit einer dünnen, klagenden Stimme und hält nur mühsam die Tränen zurück. Ihr Ausdruck wirkt weinerlich. Die Analyse beschreibt diesen Moment und den vorhergehenden Verlauf. Ein Urteil über allgemeine Schwäche oder über die Angemessenheit ihrer Gefühle wäre eine zusätzliche, eigens zu belegende Aussage.
Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
