memmenhaft
Veraltend und abwertend für ein als feige oder furchtsam beurteiltes Verhalten; ein spöttischer Vorwurf vermeintlich fehlenden Mutes.
Was bedeutet memmenhaft?
Memmenhaft bezeichnet Verhalten als feige oder furchtsam und wertet es damit ab. Das Wort ist veraltend und trägt den spöttischen Ton des Nomens Memme mit. Es beschreibt Angst nicht neutral, sondern macht aus ihr einen Vorwurf. In einem literarischen Text kann die Wortwahl deshalb auch zeigen, welche Vorstellung von Mut eine sprechende Figur besitzt.
Vorsicht oder das Ablehnen eines unnötigen Risikos ist nicht automatisch Feigheit. Eine Figur kann eine gefährliche Mutprobe verweigern und gerade damit selbstständig handeln. Umgekehrt kann jemand aus Angst eine notwendige Aufgabe vermeiden. Welcher Fall vorliegt, muss die Szene zeigen. Das abwertende Adjektiv allein liefert dafür keinen verlässlichen Maßstab.
Für eine heutige sachliche Personenbeschreibung sind genauere Angaben meist hilfreicher: Wovor hat die Person Angst, welches Verhalten wird beobachtet und welche Handlungsmöglichkeit bestand? Wird memmenhaft als Wort einer Figur wiedergegeben, sollte die Zuschreibung erkennbar bleiben. So lässt sich der soziale Druck des Spottes untersuchen, ohne den Vorwurf als eigene Beschreibung zu übernehmen.
Drei Beispiele für memmenhaft
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Die anderen nannten seine Weigerung memmenhaft, obwohl der Sprung für das gemeinsame Vorhaben völlig unnötig war.“
Der Satz zeigt den Gruppendruck und stellt den Maßstab der Spottenden infrage. Die Verweigerung kann begründet sein.
„Der Erzähler schildert, wie die Figur aus Angst eine zugesagte Hilfe verweigert, und verurteilt dies als memmenhaft.“
Die konkrete Entscheidung erklärt den Vorwurf innerhalb der Erzählung. Die moralische Wertung bleibt dem Erzähler zugeordnet.
„Sie hielt die Sorge des Kindes nicht für memmenhaft, sondern fragte, was es an der Aufgabe befürchtete.“
Das Beispiel setzt einer pauschalen Abwertung eine genaue Klärung gegenüber. Angst wird dadurch noch nicht mit Unfähigkeit gleichgesetzt.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Ängstlich
- Beschreibt Neigung zu Angst oder eine konkrete Befürchtung. Memmenhaft fügt einen spöttischen Vorwurf fehlenden Mutes hinzu.
- Kleinmütig
- Kann fehlende Zuversicht oder Mutlosigkeit betonen. Es muss nicht denselben beschimpfenden Ton wie memmenhaft haben.
- Vorsichtig
- Beschreibt das Berücksichtigen möglicher Risiken. Vorsicht kann sinnvoll sein und ist nicht allein schon ein Ausweichen aus Feigheit.
Schreibung und Grammatik
Memmenhaft wird mit mm geschrieben: ein memmenhafter Rückzug, eine memmenhaft genannte Reaktion. Die regelmäßige Steigerung lautet memmenhafter, am memmenhaftesten. Das Nomen die Memme hat den Plural die Memmen. Sein grammatisches Geschlecht legt das Geschlecht der bezeichneten Person nicht fest. In er reagierte memmenhaft wird das Adjektiv adverbial gebraucht.
Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.
Herkunft und Wortbildung
Das Adjektiv ist zu Memme mit -haft gebildet. Für das Nomen nennt Duden mittelhochdeutsch memme und mamme mit Bezug auf Mutter beziehungsweise Mutterbrust; es ging ursprünglich aus kindlicher Lautbildung hervor. Die heutige abwertende Personenbedeutung ist von diesem älteren Wortzusammenhang zu unterscheiden. Die Herkunft begründet keine Verbindung zwischen einem Geschlecht und fehlendem Mut.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Gruppe verspottet eine Figur als memmenhaft, weil sie eine unnötige Gefahr ablehnt. Die Analyse sollte zunächst diese fremde Wertung festhalten und anschließend die Gründe der Ablehnung prüfen. Zeigt der Text vernünftige Vorsicht, kann der Spott eher die Erwartungen der Gruppe charakterisieren als die angebliche Feigheit der betroffenen Figur.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
